Wir in Erle – Ich werde Genosse. Dieses Thema wird die Erler in den nächsten Monaten beschäftigen.

Genosse werden bedeutet, nicht sponsern, sondern das Geld von der linken, in die rechte Tasche parken. Oder anders ausgedrückt: Statt unter dem Kopfkissen, im Schließfach oder auf einem Sparbuch ohne nennenswerte Zinsen und Erträge vor sich hindümpeln zu lassen und auf Dauer mehr Inflationsverluste zu haben als Gewinn, dann lieber in die Genossenschaft um zuparken und Gründer werden.

Genossenschaft Wir in Erle

Herzensangelegenheit

Das neue Erler Projekt – ein Dorfgemeinschaftshaus mit Gastronomie, Saal, Dorfplatz und Anbindung an die weiteren geplanten Projekte im Rahmen des Dorferneuerungsprojektes – ist eine Herzensangelegenheit von Bürgermeister Andreas Grotendorst. „Ich bin Erler und möchte es noch in meiner Amtszeit hinbekommen. Ich empfinde das Projekt als einen großen Glücksfall, denn wer hat so etwas denn überhaupt schon gemacht?“ Und genau so ist es. Dieses Projekt wird, wenn es wirklich klappt, wovon die Initiatorengruppe überzeugt ist, einmalig in Deutschland sein. Deshalb werde sich die Gemeinde auch mit einem großen Anteil daran beteiligen, fügte Grotendorst hinzu.

Andreas Grotendorst
Bürgermeister Andreas Grotendorst schaut positiv auf die nächsten drei Monate. Foto: Petra Bosse

Ehrgeiziges Projekt

Ehrgeizig können die Pläne der Planer und der Initiatoren schon genannt werden. Immerhin müssen für die Umsetzung, sprich Finanzierung des Baus rund 2,0 Mio. Euro, mehr wäre besser, aufgebracht werden. Dafür soll nun eine Genossenschaft gegründet werden, wo jeder Bürger mit dem Erwerb eines Anteils ab 300 Euro Mitbegründer werden kann.

Viel interessanter jedoch ist der Zeitplan: Bis Ende August muss das Geld, um den Plan zu verwirklichen, zusammen sein. Die Volksbank baut, André Wachtmeister wird der neue Pächter und Betreiber sein. Arno Brömmel träumt davon, der langfristig gesehen seinen Gasthof abreißen möchte, dann in dem genossenschaftlichen Dorfgasthof angestellter „Kranführer“ zu sein, getreu dem Motto: einmal Wirt, immer Wirt.

Gebaut werden soll der Dorfgasthof und der Dorfplatz mit Wasserfontäne und Außengastronomie auf dem Hof von Johannes Böckenhoff. Er hat dafür einen Teil seines Hofgeländes von rund 1800 qm an die Gemeinde im Erbbaurecht für den Dorfplatz und Bürgergenossenschaft verkauft.

Johannes Böckenhoff
Johannes Böckenhoff möchte nicht in einem Schlafdorf leben. Foto: Petra Bosse

Erle soll kein Dorf ohne Dorfkern werden

Damit möchte Böckenhoff mit Blick in die Zukunft etwas für sein Dorf tun. Es fiel ihm, wie er sagte, nicht leicht. „Aber ich möchte, dass es in Erle weitergeht und nicht, dass Erle ein Straßendorf ohne Dorfkern wird“. Und auch Martin Tesing verglich die Zukunft von Erle ohne Dorfgasthof mit Marbeck oder Rhade. „Ein Ort, wo man durchfährt und nicht weiß, wo der eigentliche Dorfkern ist“.

Enthüllung Dorfgemeinschaftshaus erle
Bürgermeister Andreas Grotendorst (l.) enthüllt das Geheimnis. Dabei waren Martin Tesing, Erster Beigeordneter, Johannes Böckenhoff, Arno Brömmel, André Wachtmeister, Michael Weddeling und Ralf Steiger, Voba Erle, Alexandra und Dirk Böckenhoff v. r. Foto. Petra Bosse

Mit Blick auf die zahlreichen Besucher in Erle, besonders in der Kornbrennerei von Alexandra und Dirk Böckenhoff und dem geplanten Bed & Breakfast Hotel im ehemaligen Wohnhaus, sei es doch nur von Vorteil, so Grotendorst, dass, wenn die Touristen und Gruppen hier schon übernachten, dann auch einen Ort zum Essen und Trinken vorfinden. Geplant sind bei Dirk Böckenhoff zwölf Zimmer Richtung Kirchplatz. Die Gewerbe für den Umbau werden bereits vergeben. Einen weiteren Blick wirft Grotendorst Richtung Radwegevernetzung Münsterland, der demnächst auch bis nach Dorsten längst der B224 führt. Dadurch werde Erle noch mehr ein strategischer Ausflugsort für viele Radfahrer, die hier ein Päuschen einlegen möchten.

martin Tesing - Kämmerer und Erster Beigeordneter Der Gemeinde Raesfeld. Foto: Petra Bosse
Martin Tesing sieht in dem Bau des Dorfgemeinschaftshauses eine große Chance für Erle. Foto: Petra Bosse

Dörfler brauchen ihre „Kneipe“

Lässt man mal die Touristen und Auswärtigen mal außen vor, dann gibt es immer noch die Erler, Raesfelder und Menschen aus den Nachbargemeinden. Im Saal von Brömmel-Wilms fanden in den letzten Jahrzehnten nicht nur Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen statt. „Früher hatten wir zwei bis drei Hochzeiten die Woche“, so Arno Brömmel. Der Saal war aber auch in all den Jahren die „Bühne“ für großes und kleines Theater. Angefangen von der EAV, Kleinkunstbühne, Karneval, Vereine, Generalversammlungen, plattdeutsches Theater, Frauen- und Seniorengemeinschaften. Alles tummelte sich im „schönen Saal“ von Brömmel-Wilms. Bis heute ist die „Kneipe in unserer Straße“ der Treffpunkt für alle, die Gemütlichkeit, ein geselliges Beisammensein mit Freunden und Cliquen lieben. Selbst die ehrwürdige „Schützenfahne“ hat dort ihren festen Platz.

Arno Brömmel
Gastwirt Arno Brömmel möchte zukünftig nur noch „Kranführer“ im Dorfgemeinschaftshaus sein. Foto: Petra Bosse

Förderprogramm Dorferneuerung

Einmal hin alles drin – so könnte auch das Motto des ehrgeizigen und in Deutschland einmaligen Projektes heißen: Gleichzeitig soll die Schermbecker Straße in der Ortsmitte beruhigt werden, der Kirchplatz wird komplett neu gestaltet, das Gelände rund um die Femeiche ebenfalls. Im Herbst startet der zweite Bauabschnitt am altenbetreutem Wohnen der Caritas für eine 12-köpfige Demenzgruppe. Um die bekannten Parkplatzprobleme im Dorf entgegenzuwirken, werden 40 neue Parkplätze sowie drei E-Ladestationen auf der ehemaligen Apfelwiese hinter der Volksbank entstehen. Wenn der Dorfplatz entsteht, hat Erle eine regionale, dörfliche Funktion zur Weiterentwicklung mit Ärztehaus, Apotheke, EDEKA-Markt und Banken.

Der großzügig angelegte Dorfplatz bietet nicht nur für Außengastronomie Platz. Hier können zukünftig unter anderem Schützenparaden abgehalten werden. Sitzen und Leute kucken bei schönem Wetter.

Andre Wachtmeister
André Wachtmeister wird Pächter des Dorfgemeinschaftshauses in Erle. Foto: Petra Bosse

Saal bietet viel Platz

Der Saal ist multifunktional geplant mit Bühne und Plätze für rund 210 Personen. Der Eingang ist nur gegenüber der Volksbank. Dort wird auch die Raucherecke stationiert.

Dort, wo die alte Scheune stand, plant Böckenhoff ein Wohnhaus mit elf Wohneinheiten und mit Tiefgarage: Wichtig sei besonders, dass auch hier der Scheunencharakter erhalten bleibt und die Lärmemissionen vom Gutachter als positiv beschieden wurde. Die Schlafräume sind so abgestimmt, dass alle vom Dorfplatz abgewandt sind. Selbst die Lüftungsanlage ist auf das Dorfgemeinschaftshaus optimiert und aufeinander abgestimmt.

Ich bin Genosse. Was gibt es dafür?

Was gibt es für die Genossen? Keine Dividende, erstmals, so Michael Weddeling, Vorstand Volksbank Erle, der diesen Bau als einmalige Chance für Erle sieht.

Statt Dividende haben aber die Genossen dafür gesorgt, dass das kulturelle Leben, die Dorfgemeinschaft, mein Dorf, meine Kneipe weiterhin bestehen bleibt.

Freuen dürfen sich die Gründungsmitglieder aber dann einmal jährlich auf die jährliche Mitgliederversammlung mit Freibier. Als Starter-Paket erhält jeder darüber hinaus ein Erler Sixpack mit einem Fläschchen Gründergeist von Böckenhoff und eine Anstecknadel, welche die außergewöhnliche Form von Erle darstellt sowie eine Mitgliedsurkunde. Nur eins wird es nicht geben: Keinen Unterschied zwischen Großinvestoren oder ob jemand nur einen Anteil zeichnet.

Insgesamt braucht es ins insgesamt 6666 Anteile á 300 Euro, um dieses Projekt zu verwirklichen. Nicht in einem halben Jahr, sondern am besten gestern.

Alle weitere Infos rund um Gründung, Fragen und warum, und wesehalb auf der Interseite. Hier gibt es auch eine Absichtserklärung für die bürgergenossenschaft Erle eG zum download.

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