Stalking und Cyberstalking – Fachleute trafen sich im Kreishaus Tagung des Runden Tisches „GewAlternativen“ im Kreis Borken / Kriminal-Psychologin referiert über neue Herausforderungen durch das Internet

Borken. Um „Strategien im Umgang mit Stalking und Cyberstalking“ ging es bei der 15. Fachtagung des Runden Tisches „GewAlternativen“ im Kreis Borken. Begrüßt wurden die rund 100 Zuhörerinnen und Zuhörer im Borkener Kreishaus von dem Abteilungsleiter Polizei und Gefahrenabwehr der Kreispolizeibehörde Borken, Polizeidirektor Martin Mester.

Polizeidirektor Martin Mester, Referentin Justine Glaz-Ocik und Irmgard Paßerschroer, Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Borken, zu Beginn der Fachtagung des Runden Tisches "GewAlternativen".
Polizeidirektor Martin Mester, Referentin Justine Glaz-Ocik und Irmgard Paßerschroer, Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Borken, zu Beginn der Fachtagung des Runden Tisches „GewAlternativen“.

Dieser hob in seiner Begrüßungsansprache hervor, dass die Möglichkeiten von Internet, Handy und Co. inzwischen neue Tatorte für Cyberkriminalität, Psychoterror, Mobbing, Stalking oder sexuelle Gewalt hätten entstehen lassen. Damit habe sich die Art, wie Gewalt auf andere ausgeübt werde, stark ausgeweitet. Insbesondere Chatrooms, soziale Netzwerke wie Facebook oder Videoportale würden genutzt, um andere gezielt zu schädigen, zu verletzen, zu stalken und zu verhöhnen. Es sei also äußerst wichtig, Aufklärungsarbeit zu leisten, denn es sei noch zu wenig über das Problem in der Internetkommunikation bekannt.
Auch auf die Entwicklung der Zahlen im Bereich der häuslichen Gewalt ging er ein: Die Kreispolizeibehörde Borken habe von Januar bis September dieses Jahres bereits 428 Fälle von häuslicher Gewalt registriert. In 220 Fällen sei es zu Körperverletzung – in 57 Fällen davon sogar zu gefährlicher Körperverletzung gekommen. Die Polizei habe 192 Wohnungsverweise und Rückkehrverbote ausgesprochen, 187 Opfer seien an Beratungsstellen vermittelt worden. Damit seien die Zahlen im Vergleich zu den ersten drei Quartalen des vergangenen Jahres deutlich höher. Diese Anstiege, so alarmierend sie auch seien, bedeuteten aber nicht zwangsläufig insgesamt deutlich mehr Fälle häuslicher Gewalt. Durch die intensiven Bemühungen aller Beteiligten, durch verstärkte Sensibilisierung, Öffentlichkeitsarbeit, Aufklärung und Prävention gelungen sei es vielmehr offensichtlich gelungen, das extrem hohe Dunkelfeld in diesem Bereich weiter zu lichten.
Den Hauptteil der Veranstaltung nahm der Vortrag von Justine Glaz-Ocik, Kriminal-Psychologin beim Institut für Psychologie und Bedrohungsmanagement in Darmstadt, ein.
Sie legte dar, dass einer Erhebung zufolge etwa zwölf Prozent der deutschen Bevölkerung einmal im Leben von Stalking betroffen sei. In etwa der Hälfte aller Fälle handele es sich um ehemalige Intimpartner, bei denen zu 80 Prozent Frauen die Opfer sind. Zunehmend suchten Betroffene nach Unterstützung und wendeten sich aktiv an Beratungsstellen und die Polizei.
Neue Medien und das Internet stellten dabei die helfenden Instanzen vor immer neuere Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund gerate die Frage nach Cyber-Stalking zunehmend in den Vordergrund. Grundsätzlich erfordere die Psychologie von Stalking eine speziell auf das Phänomen zugeschnittene Beratung, um Betroffene bestmöglich unterstützen und individuelle Handlungsstrategien vereinbaren zu können. Erschwerend komme vielfach die Ambivalenz der betroffenen Personen hinzu, die sich darin äußere, dass sie Schwierigkeiten hätten, den Kontakt zum Stalker konsequent abzubrechen und zugleich helfende Strategien anzunehmen. Dies erfordere allerdings im ersten Moment von den Betroffenen tiefe Einschnitte ins Privatleben, wie zum Beispiel das „sich unsichtbar machen“ im Internet: Der Täter müsse spüren, dass seine Bemühungen vergeblich sind. Sinnvoll sei das Führen eines Stalking-Tagebuchs, bei dem alle Vorkommnisse genau vermerkt werden. Genauso wichtig sei das Sammeln und Dokumentieren von Mails, SMS, Whatsapp- oder Mailboxnachrichten sowie Briefen des Stalkers. Diese Beweismittel könnten für ein mögliches Gerichtsverfahren wichtig sein. In der sich anschließenden, angeregten Diskussion ging die Referentin ausführlich auf die Fragen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein.

foto: Kreis Borken

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