Serie über die „Natura 2000-Gebiete“ im Kreis Borken Folge 8

140983VDas Naturschutzgebiet Burlo-Vardingholter Venn-Entenschlatt in Borken-Burlo

Kreis Borken (pd). Der Kreis Borken bietet vielfältige „grenzenlose Naturerlebnisse“: Und nach dieser Devise sind in den vergangenen Jahren die heimischen „Natura 2000-Gebiete“ für die Öffentlichkeit attraktiver gestaltet worden. Die sehr verschiedenartigen Areale bieten sich seither auf ganz besondere Weise für einen Ausflug in die Natur in direkter Nähe an. Einige dieser Gebiete stellen wir in einer Serie in loser Folge vor: Weitere Informationen dazu gibt es im Internet unter www.grenzenlose-naturerlebnisse.de.

Der Kreis Borken hat ganz aktuell dazu auch touristische Flyer herausgegeben, die interessante Radtouren im Zusammenhang mit den „Natura 2000-Gebieten“ beschreiben. Diese Flyer sind erhältlich bei den Touristinformationen bzw. Verkehrsvereinen im Kreisgebiet sowie beim Kreis Borken, Fachbereich Natur und Umwelt, 46322 Borken, Telefon: 02861/82-1405, E-Mail: [email protected].

In dieser Folge geht es um das Naturschutzgebiet Burlo-Vardingholter Venn-Entenschlatt in Borken-Burlo. Die für diesen Bereich interessante Radtour ist für alle Navigationsgeräte unter www.kreis-borken.de/route 7, …/route8 und …/route11 abrufbar.

„O schaurig ist‘s übers Moor zu gehn,

wenn es wimmelt vom Heiderauche,

sich wie Phantome die Dünste drehn

und die Ranke häkelt am Strauche,

unter jedem Tritte ein Quellchen springt, wenn aus der Spalte es zischt und singt…“

Die Freifrau von Droste- Hülshoff war gewiss keine studierte Biologin. Aber sie hatte ein gutes Gespür, als sie das Schaurige des Moores bedichtete. Schaurig, weil dort alles auf unheimliche Weise lebendig scheint. Heutige Biologen würden ihr Recht geben – Moore sind Organismen mit Eigenleben. Jedenfalls die klassischen Hoch- oder Regenmoore: Ihre Sonderstellung in den Stoffkreisläufen der Natur und ihre selbstregulierende Kraft unterscheiden sie von allen anderen Ökosystemen der Erde.

Bis sie dieses Eigenleben fertig entwickeln, braucht es freilich Jahrhunderte, genauer: Jahrtausende. Ein Organismus, der unendlich langsam wächst, bis er sich nur noch von Regenwasser und ein paar Mineralien nährt, die der Wind herantreibt. Dann gedeihen hier nur noch – neben ein paar hochspezialisierten Pflanzen – die Torfmoose: Extrem wasseraufnahmefähig, nach oben wachsend, nach unten nur langsam verrottend bilden sie allmählich eine Fläche, die sich uhrglasförmig aufwölbt – das Hochmoor.

Doch so langsam das Wachstum, so empfindlich ist diese Lebensform – und so schnell das Absterben. Die früher zahlreichen und großflächigen Hochmoore des Westmünsterlandes sind innerhalb eines Jahrhunderts bis auf kleine Reste verschwunden: Entwässerung, Torfabbau in großem Stil, Erschließung von immer mehr Flächen für die Landwirtschaft, deren Nährstoffreichtum – für die Menschen mit vielen Vorteilen verbunden. Doch für die uralte Lebensform der Moore war all das Gift. Und eine „Heilung“ ist alles andere als einfach. Das zeigt dieses Schutzgebiet. Zwar wurde es als Hochmoor-Rest bereits 1937 für den Naturschutz gesichert. Doch die weitere Entwässerung der umliegenden Flächen verschlechterte den Zustand des Moores – es drohte auszutrocknen.

Diese Entwicklung stoppte 1983 zunächst ein mehr als 2,7 km langer Damm. Ab 2001 konnte das Naturschutzgebiet auf 140 Hektar vergrößert und das benachbarte „Entenschlatt“ in die Gesamtfläche integriert werden. 2009 wurden zwei Kleingewässer angelegt und außerdem eine Beobachtungskanzel so mit Gehölzen eingegrünt, dass Wasservögel Besucherinnen und Besucher möglichst nicht wahrnehmen.

Die übrigen Freiflächen sollen sich ohne Bepflanzung oder Ansaat entwickeln. Spannend wird sein, wie sich die Flächen begrünen. Ob sich Sonnentau und Glockenheide als typische Moorpflanzen ansiedeln werden? Und ob hier der „Organismus Hochmoor“ wieder neues Eigenleben entwickeln wird? Der Anfang ist gemacht. Aber genauer wissen wir das wohl erst ein bisschen später – in ein paar Jahrhunderten.

Es lohnt sich ein Abstecher über die niederländische Grenze. Vom Kuipersweg aus kann man das Venn von Norden her auf einem schmalen Bohlensteg erkunden. An der Grenze ist eine kleine Beobachtungsstation aufgebaut, von der sich ein sehr guter Blick über die Moorlandschaft ergibt.