Rechtsprechung beim Femegericht in Erle

Die Justiz macht auch vor Regenwetter nicht halt. Rechtsprechung muss sein, egal ob bei Sonne oder Regen und so entführte Walter Großewilde die Besucher, trotz zwischenzeitlicher Schauer, am Samstagnachmittag an der historischen Femeiche in das Jahr 1441.

Dort tagte bis ins 16. Jahrhundert das Femegericht und urteilte über Schwerverbrechen wie Mord, Vergewaltigung, Viehraub und Brandstiftung.

Walter Großewilde, alias Walter Freigraf zu Erle, sorgt für Recht und Ordnung
Walter Großewilde, alias Walter Freigraf zu Erle, sorgt für Recht und Ordnung

Genau an dieser historischen Stelle, stilecht im mittelalterlichen Gewand, führte Walter Freigraf zu Erle (Großewilde) Gericht. „Viehraub“ lautete die schwere Anklage worüber fünf Schöffen und zwei Fronschöffen, freiwillige aus der Besuchergruppe, ein Urteil fällen mussten.

„Sie werden so verurteilt, wie es in der „heimlichen Acht des Femegerichts“ vorgeschrieben ist“, so Walter Großewilde, der seit vier Jahren den alten Gerichtsplatz wieder aktiviert hat.
Erfolgreich, denn alleine in diesem Jahr kamen rund 400 nach Erle.

Wie Ursel Freund aus Herne, die gleich mit Mann und Tochter anreiste. „Wir hatten davon gelesen, und da meine Tochter Geschichte studiert, dachten wir, das könnte sie interessieren“, sagt Ursel Freund. „Ich kenne diesen Platz schon mehr als 50 Jahre. Ich bin hier früher im Pfarrheim zur Berufsschule gegangen“, so Werner Triptrap aus Overbeck, dem die Geschichte rund um das Femegericht immer noch interessierte.

Femegericht in Erle an der Femeiche
Stilecht gab es zum Schluss für alle Teilnehmer beim Gelage noch einen hochprozentigen “Femetrunk”, Brötchen sowie eine Urkunde, wo ihre Teilnahme am Femegericht schriftlich nieder geschrieben ist. „Das hat den Vorteil, dass diese nun als unbescholtene Person gelten und das ihnen auf Reisen durch das Fürstentum des heiligen Deutschen Reiches Unterstützung bei der Ausübung ihrer Dienste gewährt werden muss und dass auf ihre Unversehrtheit jederzeit zu achten ist. Eine widerrechtliche Handlung gegen diese Urkundenträger zieht eine sofortige Strafe nach sich“ erklärt Walter Großewilde.

Dreimal im Jahr findet an der Femeiche das offene Spektakel statt. Ansonsten nur in geschlossenen Gruppen. Wer an einem Femegericht persönlich teilnehmen möchte, kann sich melden bei Walter Großewilde Tel.: 02865-7398 oder im Informationszentrum Raesfeld, Tel.: 0 28 65 / 60 91 0.

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Petra Bosse (alias celawie) Freie Journalistin - Kontakt: redaktion[at]heimatreport.de - Beiträge aus der Region, für die Region! Hinweise Kommentare: Bitte beachtet die Netiquette - Kennzeichnen Sie den Kommentar mit Ihrem Namen. Benutzten Sie dabei keine anonymen Namen. Mailadressen und andere persönliche Daten werden vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Wir behalten uns vor, Kommentare zu löschen, die gegen unsere Richtlinien verstoßen. Mit dem Abgeben eines Kommentars erklären Sie Ihr Einverständnis, dass Ihr Benutzername und der Kommentartext in Gänze oder in Auszügen auf Heimatreport zitiert werden kann. Achten Sie auf einen sachlichen Umgangston! Beleidigende, diskriminierende oder anstößige Kommentare, die gegen das Gesetz verstoßen, löscht die Redaktion.

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