Rund 300 Besucher kamen zur Diskussionsrunde zum Thema „Regnum Christi“ in unserer Kirchengemeinde

RAESFELD „Bitte nicht heute hier wieder mit einer Lüge anfangen“, kommentierte gleich zu Anfang Michael Wehling die vom Pfarreirat St. Martin einberufene Diskussionsrunde zum Thema Regnum Christi am Dienstagabend im Saal von Droste. Damit läutete er einen Abend voll hitziger Streitgespräche ein.

Zur Diskussionsrunde eingeladen waren Dr. Jochen Reidegeld, stellv. Generalvikar und Domvika im Bistum Münster, Mike Otte, Vors. Pfarreirat St. Martin, Pfarrer Peter van Briel, Sprecher der Karl-Leisner-Jugend sowie der Sprecher von Regnum Christi Karl-Olaf Bergmann (v. l.) Es moderiert Udo Rößing, Bürgermeister a. D.
Zur Diskussionsrunde eingeladen waren Dr. Jochen Reidegeld, stellv. Generalvikar und Domvika im Bistum Münster, Mike Otte, Vors. Pfarreirat St. Martin, Pfarrer Peter van Briel, Sprecher der Karl-Leisner-Jugend sowie der Sprecher von Regnum Christi Karl-Olaf Bergmann (v. l.) Es moderiert Udo Rößing, Bürgermeister a. D.

Rund 300 Besucher folgten der Einladung von St. Martin – teils aufgewühlt, teils traurig und teils suchend nach Erklärungen für die Situation in der seit Monaten gespaltenen Kirchengemeinde. Vorausgegangen war in den vergangenen Wochen die Kritik von drei Familien an der Veranstaltungsreihe „Samstags bei Silvester“ (wir berichteten).
Eine kleine Gruppe in der Gemeinde ist der geistlichen Gemeinschaft Regnum Christi, die den „Legionären Christi“ angegliedert ist, sehr nahe und organisiert in regelmäßigen Abständen Veranstaltungen. Dieses, und die Tatsache, dass Pastor Michael Kenkel dieses Engagement fördert, wird von einigen Gemeindemitgliedern sehr kritisch gesehen.

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Mit katholischer Lehre vereinbar
Eingeladen waren am Dienstag der Domvikar und stellvertretende Generalvikar im Bistum Münster, Dr. Jochen Reidegeld, der Leiter für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit von Regnum Christi, Karl-Olaf Bergmann sowie Pfarrer Peter van Briel, Sprecher der Karl-Leisner-Jugend.

Jeder von uns glaubt auf seine Weise
Als Moderator konnte Udo Rößing, Bürgermeister a. D., gewonnen werden. Dank seiner Besonnenheit und seines Fingerspitzengefühls war ein friedliches Miteinander an diesem Abend nur einigermaßen möglich.
Dr. Jochen Reidegeld betonte gleich zu Anfang: „Jeder von uns glaubt auf seine Weise.“

Darüber hinaus stellte er eindeutig klar, dass es bei der Gemeinschaft Regnum Christi und der Karl-Leisner-Jugend keine Entwicklungen gebe, in denen Angebote nicht mehr mit der katholischen Lehre vereinbar sind. „Diese Gefahr ist nicht gegeben und aus Sicht des Vatikans und des Bistums sind sie keine sektiererischen Bewegungen“, so Reidegeld.

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Schwere Vorwürfe
Beschwert wurde sich dennoch viel an diesem Dienstagabend. So musste sich etwa Regnum-Sprecher Karl-Olaf Bergmann den Vorwurf gefallen lassen, dass in der St.-Martin-Gemeinde eine Tätergruppe unterwegs sein könnte, die sich an den Kindern vergehen wolle.
Eine Besucherin bat in diesem Zusammenhang um Aufklärung hinsichtlich des Opferschutzes der Kirche. Die Frage kam auf, ob dies kompetent genug sind, unsere Kinder und Jugendlichen vor sexuellem Missbrauch von dieser Gruppen zu schützen.

Sichtlich schockiert von diesem Vorwurf antworte Karl Olaf Bergmann mit Blick in die Vergangenheit: „Wir selbst waren alle erschüttert, als wir das hörten. Wir haben aber alles dafür getan, das Geschehene aufzuarbeiten und neue Strukturen geschaffen, welche dieses schwer unmoralisches Fehlverhalten künftig verhindern soll“.

Ebenfalls wurde der Vorwurf laut, dass die Kirche alles zu diesem Thema unter den Teppich kehren will. Karl-Olaf Bergmann sagte darauf: „Wenn das Vertrauen nicht gegeben ist, muss es aufgebaut werden, da bin ich ganz bei ihnen.“
Auch Dr. Jochen Reidegeld musste sich der Anschuldigung stellen, der neueren geistlichen Gemeinschaft Fokular-Bewegung anzugehören. „Eine Behauptung, die nicht stimmt“, erwiderte der Domvikar sichtlich aufgewühlt. Die Quelle des Vorwurfs konnte trotz eindringlicher Nachfrage letztendlich nicht benannt werden.

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Es geht nicht mehr um Regnum Christi
Auch der in die Kritik geratene Pastor Michael Kenkel war als „stiller“ Zuhörer anwesend. „Ich glaube, dass es sich hier nicht mehr um diese Glaubensgruppe dreht, sondern dass vieles nur mit meiner Person zu tun hat“, so Kenkel.

Grund für den Geistlichen, in den nächsten Tagen einen weiteren Termin mit dem Pfarreirat einzuberufen. Eine weitere Besucherin beschwerte sich am Abend über die Predigten Kenkels: „Mir ist die Pfarrgemeinde viel wert und ich möchte nicht, dass sie kaputt geht. Aber wenn ich in einer Predigt höre, dass es ohne Sonntagsgottesdienst keinen Himmel gibt, dann tut es mir schon weh.“

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Liste mit 120 Unterschriften
Im Großen und Ganzen wurde also viel beschuldigt, verteidigt und diskutiert. Geklärt wurde allerdings wenig. Die gesammelten Fragen und Vorschläge des Abends gehen in die nächste Sitzung des Pfarreirates ein und werden erneut ausführlich besprochen und ausgewertet.

120 Unterschriften
Michael Wehling überreichte Pastor Kenkel während der Diskussion eine Liste mit 120 Unterschriften, die sich gegen „Samstags bei Silvester“ als öffentlich kirchliche Veranstaltungen aussprachen. Petra Bosse
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1 KOMMENTAR

  1. Man kann nur hoffen, daß die Eltern in Raesfeld Ihre Verantwortung wahrnehmen, bevor es zu spät ist. Nicht alles, was „mit katholischer Lehre vereinbar ist“ muss gut sein und muss im speziellen für Kinder und Jugendliche gut sein.
    Wenn der Vatikan eine Gruppe nicht für „sektiererisch“ hält, heisst das noch gar nichts.
    Opus Dei und „Das Werk“ hält der Vatikan auch nicht für sektiererisch, ganz im Gegenteil, aber schauen Sie sich mal einschlägige Aussagen von Leuten an, die da zum Opfer wurden.
    Oder lesen Sie „Nicht mehr ich“ von Doris Wagner, um zu erfahren, welches Menschenbild und vor allem Frauenbild solche Institutionen haben.
    Nur wen interessieren diese Opfer im Vatikan? Ein Visitationsbereiicht zum „Werk“ ist seit Jahren unter Verschluss.
    Die katholische Kirche in Deutschland hat sich mit Ihrer jahrzehntelangen Politik in Missbrauchsfällen (und da meine ich überhaupt nicht nur sexuellen Missbrauch) selbst in Misskredit gebracht.
    Trotz aller Beteuerungen muss Wachsamkeit der Eltern oberstes Gebot sein.

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