Mahnwache: Pferd, Hund und Katze sind kein Wolfsfutter

Große Buchstaben mit dem Slogan: „Wir sind kein Wolfsfutter“ stehen auf dem Banner. Darunter zu sehen sind Pferd, Hund und Katze.

Gleichzeitig flackerten unter dem Schild zahlreiche Kerzen für die gerissenen Weidetiere im Schermbecker Wolfsgebiet.

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Rund 50 Weidetierhalter kamen nach Kirchhellen zur Mahnwache. Foto: Petra Bosse

Es ist bereits das zweite Mal, dass PferdehalterInnen zu einer Mahnwache zum Gedenken an die durch Wölfe gerissenen Weidetiere im Schermbecker Wolfsgebiet aufriefen. So auch am Samstagabend in Kirchhellen.

Ulrike Leiberich, Gabriele Ulrich und Alina Ohm luden an der Hiesfelder Straße/Heuweg in Kirchhellen zu der Mahnwache ein. Mit dieser Aktion möchten sie die Menschen in der Umgebung auf die Probleme der Weidetierhalter durch das Auftauchen der Wölfe aufmerksam machen. Die drei Frauen besitzen an der Lehmschlenke einen Offenstall mit zwei Ponys und zwei Großpferden.

Artgerechte Tierhaltung für alle Weidetiere

Ulrike Leiberich spricht sich an diesem Abend für eine artgerechte Tierhaltung für alle Weidetiere aus. Kein Wegsperren der Tiere, um diese vor Wolfsangriffen zu schützen. Deshalb sollen auch ihr Dartmoore-Ponys weiterhin im Offenstall bleiben und nicht wie von Umweltministerin Heinen-Esser empfohlen, diese in der Nacht einzustallen. „Persönlich habe ich nichts gegen den Wolf. Ich wünsche mir aber mehr Gerechtigkeit auf allen Seiten. Wenn der Wolf meine Tiere in Ruhe lässt, dann lasse ich auch den Wolf in Ruhe und er kann dann gerne bleiben“.

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Rund 50 Weidetierhalter/Innen aus Hünxe, Bottrop, Schermbeck, Rees, Hamminkeln, Raesfeld und Heiden, Kreis Borken, folgten der Einladung. Vernetzt sind die betroffenen Weidetierhalter durch WhatsApp Gruppen. Hier tauschen sie sich aus. Wie der Schäfer Peter Rudde aus Heiden. Auch er kann inzwischen immer häufiger durchziehende Wölfe in Heiden und Velen beobachten. Deshalb habe er die rund 40 km lange Tour – trotz Regen und Kälte – aus Solidarität zu allen Weidetierhaltern gerne auf sich genommen. Alle Anwesenden haben letztendlich nur ein Ziel: Sie möchten ihre Schafe, Pferde, Hunde oder Katzen schützen und mit der Mahnwache ein Zeichen setzen.

Der Wolf geht uns alle an

Mit seiner Anwesenheit möchte er gemeinsam mit den anderen Teilnehmern/Innen an diesem Abend „Stärke zeigen“ denn, „der Wolf geht uns alle an. Selbst dann, wenn viele noch keinen ansässigen Wolf vor der Haustür haben. Das kann aber morgen schon anders aussehen“, so Rudde.

Deshalb sei es auch wichtig, dass jeder Weidetierhalte, der an seinen Tieren hängt, aus seiner Komfortzone herauskomme und Flagge zeige, so Rudde.

Existenzen sind vom Wolf bedroht

Nicht nur Schäfer sind in Aufruhr, sondern auch Reiter, Züchter und Pferdehalter fühlen sich mittlerweile in ihrer Existenz durch den Wolf bedroht. Und das nicht nur seit Tagen, sondern schon über viele Monate, seit das Gebiet rundum Schermbeck zum offiziellen Wolfsgebiet erklärt wurde.

Gingen noch bis vor einem Jahre alle davon aus, dass durch die Raubtiere für Pferde keine Gefahr bestehe, wurden sie in den letzten Monaten eines Besseren belehrt. Insgesamt acht Kleinpferde mussten nachweislich im Schermbecker Wolfsgebiet und im Territorium der Wölfin Gloria und ihrem Rudel durch den Wolf ihr Leben lassen. Von den toten Schafen ganz zu schweigen.

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Ulrike Leiberich, Gabriele Ulrich und Alina Ohm luden an der Hiesfelder Straße/Heuweg ein, um die Menschen in der Umgebung auf die Probleme der Weidetierhalter durch das Auftauchen der Wölfe aufmerksam zu machen. Foto: Petra Bosse

Angst um die Tiere

„Wir möchten mit unserer Mahnwache erreichen, dass die Menschen darauf aufmerksam gemacht werden, dass unsere Ponys durch den Wolf gefährdet sind“, sagt Ulrike Leiberich, Initiatorin der Mahnwache. Sie hat – wie viele andere Pferdebesitzer- einfach nur Angst um ihre Tiere, denn die Wölfe würden seit Monaten das Leben und den Tagesablauf auf den vielen Reiterhöfen in der Region bestimmen.

Besuch von Wölfen macht Pferde immer unruhiger

„Seit die Wölfe da sind, hat sich das Verhalten unserer sonst so völlig unkomplizierten Pferde, und auch unser Leben, verändert. Die Tiere werden immer unruhiger, sind nervös, sie tänzeln, steigen hoch und sind kaum noch dazu zu bewegen, durch den kleinen, anliegenden Wald zu laufen“, erzählt die Pferdehalterin. Der Grund seien vor allem die seit dem Sommer täglich über die Weiden streifenden vier bis sieben Wölfe. Diese seien besonders in den frühen Morgenstunden bei der Fütterung der Tiere zwischen 6 und 6.30 Uhr zu beobachten.

5000 bis 6000 Meter Litze

Seit 20 Jahren hat Gabriele Ulrich ihre Pferde auf der Koppel mit Offenstall stehen an der Hiesfelder Straße stehen. Nun solle sie laut Empfehlung von LANUV abends ihre Pferde als Schutz vor den Wölfen einstallen. Zumindest so  lange, bis sie ihren jetzigen Zaun nach den neuen „Förderrichtlinien Wolf“ durch einen neuen wolfsabweisenden Zaun, der mindestens 90 cm hoch sein muss, ausgewechselt hat. In diesem Fall würde dies bedeuten, dass die gesamte Litzenlänge für den vollständig geschlossenen und elektrifizierten Zaun rund 5000 bis 6000 Meter lang sein müsste.

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So könnte auch für Weidetierhalter ein optimaler ein- und ausbruchssicher Zaun, wie bzw. im Tierpark Frankenhof in Reken, aussehen. Foto: Petra Bosse

Optimaler Schutz

Und das die geförderten Schutzmaßnahmen, was die Höhe der Zäune anbelangt, nicht ausreichen, hat sich in den letzten Monaten vielerorts im Wolfsgebiet bestätigt. Was helfen könnte, wären Elektro-Zäune mit acht Litzen und einer Mindesthöhe von 140 cm inklusiv Untergrabenschutz. Für Ulrich sei es deshalb auch wichtig, dass die Menschen in ihrer Umgebung bei einer Wolfssichtung sich gegenseitig informieren, helfen und bei Bedarf den Wolf von den Weiden vertreiben.

Ein garantierter Schutz vor Wolfsangriffen wäre ein Schutzzaun, mit Blick auf die enorme Sprungkraft der Schermbecker Wölfe, von rund zwei Meter Höhe, doppelt gesichert und mit Stacheldraht versehen, wie oben im Bild im Frankenhof Reken, um die Weiden und Wiesen zu bauen.

Kein Wildwechsel auf Dauer mehr möglich

Dies würde in der Konsequenz jedoch auch bedeuten, dass alle paar Meter zwischen den offenen Feldern und Wiesen die Weiden zwischen Kirchhellen, Schermbeck und Hünxe eher einem Tierpark ähnlich sehen und dadurch ein normaler Wildwechsel nicht mehr stattfinden könnte.

Darüber hinaus sind die Grundlagen, um die Pferde vor den Wölfen schützen, nicht bei allen PferdehalterInnen und Reiterhöfen- sowie Reitschulen weder finanziell, noch arbeitstechnisch auf Dauer umsetzbar.

Eine Förderung von wolfsabweisenden Herdenschutzmaßnahmen wird für folgende Pferdehaltungen angeboten:  

  • Kleinpferde mit einem Stockmaß bis 148 cm
  • Pferde mit Fohlen (bis zum Alter von einem Jahr) und
  • Jungpferde (bis zum Alter von maximal drei Jahren).

Ausgewiesen wird die Förderung für die genannten Pferdehaltungen in dem vom MULNV ausgewiesenen „Streifgebiet des Schermbecker Wolfsrudels“ mit einer Größe von 140 km² angeboten.

Die Möglichkeit zur Förderung für Pferde besteht ab 01.01.2022 zunächst für die Dauer eines Jahres. Über eine mögliche Fortführung des Förderangebots wird rechtzeitig vor Ablauf eines Jahres unter Berücksichtigung des Rissgeschehens entschieden werden.

Gefördert wird die erstmalige Optimierung bestehender Standardschutzzäune nebst Zubehör zur Umsetzung eines wolfsabweisenden Grundschutzes.

Nicht förderfähig sind jedoch die Folgekosten zur Unterhaltung der Zäune, Arbeitserledigungskosten und Kosten für Werkzeuge, sowie Maschinen.

Anforderungen an einen Herdenschutzzaun Festzaun
(Zweckbindungsfrist 5 Jahre):

Vollständig geschlossener, elektrifizierter Litzenzaun mit mindestens 5 Litzen und einer Höhe von mindestens 90 cm mit folgenden Litzenabständen:

  • erste Litze max. 20 cm über dem Boden
  • zweite Litze max. 20 cm über der Ersten
  • dritte Litze max. 20 cm über der Zweiten
  • vierte Litze max. 25 cm über der Dritten
  • fünfte Litze max. 30 cm über der Vierten.

Diese Litzenabstände dürfen nicht überschritten werden. Die Mindesthöhe des Zaunes muss an jeder Stelle eingehalten werden, auch bei Unebenheiten im Gelände.

2. Es wird nur langlebiges, gut leitfähiges, gut zu sehendes, gut spannbares Material wie bspw. kunststoffummantelte Stahldrähte (z.B. HippoWire) gefördert.

3. Die Zäune müssen für die Tiere gut sichtbar und in ihrer Höhe den Eigenschaften der zu weidenden Pferde angepasst sein. Nicht ortsübliche Zäune müssen ggf. durch die zuständigen Behörden genehmigt werden!

4. Als alleinige Umzäunung sind Geflechtzäune, Glattdraht und Stacheldraht für Pferdeweiden äußerst verletzungsträchtig und daher tierschutzwidrig. Mobile Zaunsysteme bieten für Pferde keine ausreichende Hütesicherheit und Pferde können sich leicht verfangen, daher wird für mobile Zäune keine Förderung gewährt.

5. Weidezaungerät: Für einen optimalen Herdenschutz ist ein Weidezaungerät (mit mind. zwei Joule Entladeenergie und 2.500 Volt) entsprechend dem Bewuchs, der Zaunlänge und dem Zaunmaterial auszuwählen. Wichtig ist eine ausreichende Erdung! Weidezaungeräte sollen nicht überdimensioniert sein. Die Entladeenergie von mindestens zwei Joule und 2.500 Volt muss entlang des gesamten Zaunes gewährleistet werden.

6. Weidezauntore: Die Höhe des Tores richtet sich nach dem Niveau der obersten Litze. Untergrabe- bzw. Überkletterschutz sind zu gewährleisten. Üblich ist ein Elektrifizierungsset. Alternative: 1 m breite Schürze aus z.B. Gummimatten o. ä.

7. Zu Einsprunghilfen ist ein Abstand von 4 Metern einzuhalten. Da Gräben/Gewässer übersprungen/durchschwommen werden, muss die Uferseite bei der Einzäunung berücksichtigt werden.

Förderhöchstgrenze von 30 000 Euro

Es wird zudem auf die Ausführungen in den Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten (BMEL 2009) verwiesen. Die Errichtung eines Herdenschutzzaunes wird bis zu einer maximalen Größe von einem ha pro GVE gefördert. Je Betrieb und Jahr besteht eine Förderhöchstgrenze von 30 000 Euro.

Schutzaun-für-Wölfe
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Petra Bosse (alias celawie) Freie Journalistin - Kontakt: redaktion[at]heimatreport.de - Beiträge aus der Region, für die Region! Hinweise Kommentare: Bitte beachtet die Netiquette - Kennzeichnen Sie den Kommentar mit Ihrem Namen. Benutzten Sie dabei keine anonymen Namen. Mailadressen und andere persönliche Daten werden vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Wir behalten uns vor, Kommentare zu löschen, die gegen unsere Richtlinien verstoßen. Mit dem Abgeben eines Kommentars erklären Sie Ihr Einverständnis, dass Ihr Benutzername und der Kommentartext in Gänze oder in Auszügen auf Heimatreport zitiert werden kann. Achten Sie auf einen sachlichen Umgangston! Beleidigende, diskriminierende oder anstößige Kommentare, die gegen das Gesetz verstoßen, löscht die Redaktion.

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