Wieder einmal sollen die Schermbecker Wölfe „zugeschlagen“ haben und wieder einmal wird nach Abschuss des „Problemwolfes“ oder der „Problemwölfe“ gerufen. Wieder einmal bestimmen leider nicht Fakten, sondern Mutmaßungen und vorschnelle Schlüsse die Diskussion:

Der Riss des Ponys auf der Weide direkt neben einem Hof ist tragisch und für die Enkelkinder, die das tote Pferd gefunden haben, ein zutiefst traumatisches Ereignis. Allerdings ist auf den Fotos, z. B. auf Schermbeck-Online, unschwer zu erkennen, es war kein wirklich ernst zu nehmender Zaun vorhanden, diese Ponyweide war für fast jedes Tier erreichbar.

Fakt ist, seit mehr als zwei Jahren lebt dort mindestens ein Wolf, inzwischen sind es drei. Seit mehr als zwei Jahren werden in einiger Regelmäßigkeit Haustiere gerissen. Vor wenigen Monaten hat es erstmals ein Shetlandpony erwischt. Warum also gab es in diesem neuen Fall keinen vernünftigen Zaun? Das ist noch weniger vor dem Hintergrund zu verstehen, dass auf demselben Hof offensichtlich bereits Schafe gerissen worden waren. Das Pony war nicht viel größer als ein Schaf (freilich deutlich schwerer), also für den oder die Wölfe eine leichte Beute – nicht allzu wehrhaft, nicht besonders schnell und den Wölfen bereits bekannt.

Blicken wir zurück auf all die anderen Risse und auf die Schlagzeilen, dass der „Problemwolf“ Gloria angeblich hohe Zäune überwindet und jeglichen Herdenschutz umgeht. Von 11 durch das Landesamt für Umwelt, Natur und Verbraucherschutz NRW (LANUV) geprüften Rissen im vergangenen Sommer war bei mindestens 9 nachweislich kein hinreichender Schutz gegeben. Zäune waren zu niedrig, lückenhaft, ohne Strom etc. Auch bei dem bekannten Fall, bei dem die Wölfin angeblich 1,9 m übersprungen hat, gab es nachweislich und fotografisch belegt eine Lücke im Zaun.

Wer angesichts der bekannten erforderlichen Schutzmaßnahmen und angesichts der sich seit mehr als zwei Jahren stetig wiederholenden Ereignisse immer noch nicht für einen hinreichenden Schutz seiner Tiere sorgt, handelt fahrlässig und nimmt die Tötung seiner Tiere durch Wölfe billigend in Kauf. Wölfe ernähren sich ebenso wie Greifvögel, Eulen, Füchse etc. von anderen Tieren. Werden ihnen diese auf einer leicht zugänglichen Weide förmlich angeboten, dann ist es ihnen nicht zu verübeln, wenn sie dieses Angebot annehmen.

Ein Wolf ist per Definition dann ein „Problemwolf“, wenn er den üblichen Weidetierschutz mehrfach überwindet. Im Schermbecker Wolfsrevier ist aber der Weidetierschutz zumindest in den weitaus meisten Fällen ganz offensichtlich nicht gewährleistet. Daher bitte ich alle Weidetierhalter im Wolfsgebiet eindringlich, machen Sie es den Wölfen nicht weiter so leicht! Natürlich ist hier auch die Politik gefragt, die Unterstützung der Tierhalter und die Förderung der erforderlichen Schutzmaßnahmen muss schneller und unbürokratischer erfolgen als bisher.

Sollte die Wölfin „Gloria“ tatsächlich getötet werden, würden Hautierrisse evtl. sogar zunehmen. Studien zeigen, dass bei Zerschlagung von Rudeln die Haustierrisse häufiger werden, da die Zusammenarbeit des Rudels bei der Jagd auf Wildtiere nicht mehr funktioniert. Bei allen Haustierrissen sollten wir nicht vergessen, auch die Schermbecker Wölfe ernähren sich weitaus überwiegend von Wildtieren wie Rehen oder Rothirschen.

Statt am Ende zu jubeln, der Wolf ist tot, sollten wir uns über seine Rückkehr in seinen angestammten Lebensraum freuen und nicht wieder die Fehler der Vergangenheit wiederholen.

Leserbrief von Dr. Martin Steverding-Faunistik und Artenschutz

Anmerkung der Red. zum Leserbrief: Die Einsender eines Leserbriefs vertreten ihre eigene Meinung und spiegelt nicht die Meinung der Redaktion wieder. Kürzungen bleiben in jedem Fall vorbehalten. Briefe ohne vollständigen Namen und Adresse werden nicht veröffentlicht.

1 KOMMENTAR

  1. Selbst die Mitglieder der WWF alias LCIE alias IUCN SEKTE wissen spätesten seit den 90er Jahren, das der vorgeschriebene Weideschutz lediglich Geld, Zeit und Nerven kostet, aber keinen Wolf aufhält. Wolfsforscher wissen auch, dass Wölfe selbst einen Zaun von über 3 Meter Höhe überwinden können.
    Was geht in Menschen vor, welche den Schutz der Wölfe über den Schutz von Mensch und Tier stellen ?
    Alles unter dem Deckmanteln des Artenschutz. Obwohl Wölfe auch bei den wirklich vom Aussterben bedrohten Tierarten keine Rücksicht nehmen.
    Beim Wolfschutz wird gelogen und betrogen. Und jede Lüge, welche von der Realität eingeholt wird, wird durch Schuldzuweisung an die Opfer dieser verwirrten Wolfspolitik abgeschmettert. In den USA läuft diese perfide Spiel ja schon einige Jahre länger als bei uns, mit der gleichen Strategie. Der einzige Unterschied ist aber, dass dort die Wölfe nur in den Naturreservaten geduldet werden, dort bewaffnete Ranger die Besucher so gut es geht schützen und darauf hingewiesen wird, zum Eigenschutz eine Waffe oder mindestens Pfeffer- oder Bärenspray mitzuführen. Es wird Zeit, dass man die Erfahrungen der Vergangenheit wieder auf leben lässt, statt weiterhin „verträumte“ WOLFSEXPERTEN zu finanzieren, welche den Echten Europäischen Wolf nicht einmal von Hybriden unterscheiden können.
    Und das Argument vom Rotkäppchen-Syndrom ist eine bodenlose Frechheit gegenüber den Opfern von Wolfsangriffen. Der LCIE „Experte“ Parquet hatte als Gutachter, bzgl. des gefressenen Studenten Kenton Carnegie, trotz Augenzeugen und Spuren, den Angriff als Bärenangriff dargestellt. Bei einem anderen Angriff hat er, auf Grund seiner vorherigen Beratung zu Wolfschutzmaßnahmen, einräumen müssen: “ Wir wissen noch zu wenig. Die Wölfe schreiben eben ihr eigenes Buch“ Eine Schande, wie man die Gefahren verleugnet und durch heimliche Änderung der FFH-Richtlinie, die Rechte der Bevölkerung außer Kraft gesetzt hat.
    Zitat aus Zeiten, als die Wölfe innerhalb weniger Monate zig Kinder geholt hatten. „Jedes Tier verteidigt seine Nachkommen mit allen Mitteln. Nur wir Menschen sind nicht in der Lage unsere Kinder zu schützen.“
    Die Politik soll der Bevölkerung dienen und diesem Irrsinn endlich ein Ende bereiten. Es hat schon Scheinangriffe auf Menschen in Deutschland gegeben. Wir sollten nicht warten, bis Schlimmeres geschieht.

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