Der Erler Schützenverein und die Frauen von Judith Kolschen 

Am Samstag also war Generalversammlung der Erler Schützen.
Nachdem ich letztes Jahr angeregt hatte, die Mitgliedschaft für Frauen im Verein zu ermöglichen, hatte der Vorstand dieses Thema nun aufgegriffen.

Eine (geheime) Abstimmung sollte zeigen, wie viele Mitglieder dafür sind, diese Frage im kommenden Jahr auf der Generalversammlung als Tagesordnungspunkt aufzunehmen und über das Thema zu diskutieren.
80 Männer stimmten dagegen, 29 dafür, 2 Stimmen waren ungültig.Ob die 80 wirklich denken, das Thema sei damit vom Tisch, weiß ich nicht. (Der Antrag eines Mitgliedes für die Generalversammlung 2019 würde es sofort auf die Tagesordnung bringen.) Ich denke, jetzt ist erst recht klar geworden, wie groß der Redebedarf ist.

Für mich ist an Ausgrenzung zurzeit Fakt:

  • Frauen dürfen nicht Mitglied werden und haben keine Möglichkeit, sich aktiv einzubringen in Vereins-angelegenheiten.
  • Frauen, die einen Partner haben, bekommen seine „Damenkarte“. Jedes Mitglied erhält diese für sich und Partnerin zum freien Eintritt ins Festzelt.
  • Alleinstehende Frauen, Witwen und Homosexuelle gehen leer aus.

Wir leben im Jahr 2018, Gleichberechtigung von Frauen und Männern wird im Art. 3 unseres Grundgesetzes als Recht beschrieben, Zweifler können ja recherchieren und nachlesen.
Worum es mir geht ist, diese Diskussion sachlich und im Sinne der Weiterentwicklung des Vereins zu führen.
Abgesehen von irgendwelchen Ängsten oder Machtspielen frage ich mich schon, was eigentlich dagegen spricht.
Manchmal wird mit der Tradition argumentiert. Stimmt, das Schützenfest ist eine sehr schöne Tradition, ich mag es sehr gern in unserem Dorf feiern und freue mich auch jetzt schon auf Ende Mai 2018.
Aber wenn Traditionen sich nicht weiter entwickeln, sind sie irgendwann bestenfalls ein hohles Relikt, das in der Realität nicht mehr mit Leben gefüllt ist.

George Bernard Shaw hat mal gesagt:
„Tradition ist eine Laterne, der Dumme hält sich an ihr fest, dem Klugen leuchtet sie den Weg.“

Ich wünsche mir, dass wir uns klarmachen, was uns das Schützenfest bedeutet, welchen Wert es für unsere Dorfgemeinschaft hat und auch, was wir unseren Kindern in unseren Traditionen vorleben. Für mich gehört die Gleichberechtigung unbedingt dazu.
In diesem Sinne wünsche ich mir, dass wir miteinander darüber reden, nicht gegeneinander.
Mit mir auch gerne beim Bierchen an der Theke im Mai beim Schützenfest – freue mich drauf!

Judith Kolschen

Foto: privat
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