Besonders im Herbst, mit dem beginnendem Winter beschäftigen sich viele Menschen, bedingt auch durch die christliche Tradition, mit dem Thema – Tod und dem Sterben. Sonst, auf eine merkwürdige Weise zwar allgegenwärtig, aber gleichzeitig völlig verdrängt ist das Thema Tod, im November vielen Menschen präsenter als im Sommer.

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Für die Erlerin Judith Kolschen gehört dieses Thema zum Leben dazu. Schon seit vielen Jahren arbeitet die 46-Jährige als Hospizkoordinatorin und Trauerbegleiterin.

Wir sind nicht menschliche Wesen mit spirituellen Erfahrungen, sondern spirituelle Wesen mit menschlichen Erfahrungen. Dieser Satz von Teilhard de Chardi ist die Grundüberzeug und die Basis, auf der Judith Kolschen sich ganz persönlich seit sieben Jahren in ihrem Beruf stützt.

Die gelernte Kranken- und Palliative Care Fachkrankenschwester konnte sich schon mit 20 Jahren während ihrer Ausbildung vorstellen, im Hospiz zu arbeiten.

„Im Grunde genommen zog sich dieses Thema Tod, Sterben Trauer durch mein ganzes Leben und hat mich eigentlich nie losgelassen, obwohl ich eine fröhliche und lebensbejahende Person bin“, setzt überlegend die Mutter von vier Kindern hinzu. “ Hinzu kommen frühe persönliche Erfahrungen, wo ich im Krankenhaus dachte, das man so mit sterbenden auch mit Toten nicht umgehen kann“, setzte die Trauerbegleiterin hinzu.

Mit 25 Jahren legte die engagierte Krankenschwester eine Kinderpause ein. „Mit meinen Kindern habe ich den Beginn des Lebens intensiv mitbekommen und erlebt. Der Eintritt ins Leben und der Austritt aus dem irdischen Leben – Geburt und Tod – haben mich immer schon fasziniert“, erinnert sich Judith Kolschen. „So war es auch voraussehbar, dass ich nach einer Tätigkeit suchte, die ich neben Hausfrau und Mutter ausüben konnte und so den Einstieg in die zunächst ehrenamtliche Hospizarbeit fand

„Im Laufe der Jahre bin ich natürlich auch mit meinen Aufgaben gewachsen, habe Strategien entwickelt um mit dem Leid umzugehen, welches mir zwangsläufig begegnet. Dazu gehört manchmal bei mir auch, dass im Nachhinein Tränen fließen, dass ich in meiner Freizeit Beschäftigungen nachgehe, die so gar nichts mit Tod und Sterben zu tun haben wie zum Beispiel Schützenfeste feiern, Volleyball spielen und kreativ sein“, erklärt Judith Kolschen ihre Verarbeitung mit der Trauer und Tod.

„Man lernt auch eine gewisse Ohnmacht zu akzeptieren, zuzugeben und stehenzulassen. Ich hadere nicht mehr damit, wenn jemand sterben muss, sondern ich passe meine Haltung den Dingen an, die in dieser Situation noch möglich und wichtig sind, wie zum Beispiel: Gibt es noch Dinge zu klären; was macht in solch einer Situation Lebensqualität aus, oder auch ganz wichtig, dass der Sterbende keine Schmerzen mehr hat; wo möchte jemand sterben?“, so Judith Kolschen, die es auch als wichtig als Trauerbegleiterin ansieht herauszufinden, welche Voraussetzungen können noch geschaffen werden, damit jemand die Augen zu Hause schließen kann. „Da unterstützen wir auch die Angehörigen, sei es durch Beratung, durch den Einsatz von Mitarbeitern oder einfach nur das „Ohr leihen“. Darüber hinaus ist Aufklärung für Hospizkoordinatorin auch sehr wichtig.

„Manchmal fehlen einfach nur Informationen, zum Beispiel, die Tatsache, dass Verstorbene bis zu 36 Stunden zu Hause aufgebahrt werden können. Diese Zeit ist ganz wichtig um in Ruhe Abschied nehmen zu können“, setzte Kolschen hinzu, und die auch in dieser Phase gerne die Familien unterstützt und macht Mut machen möchte, wie zum Beispiel, dass auch den Kindern, diesen Teil des Lebens nicht vor zu enthalten wird.

„Ich persönlich glaube aber, dass die ständige Präsenz des Todes mich nicht trauriger gemacht hat, sondern im Gegenteil – bewusster für die schönen Dinge. Carpe Diem“, setzte Judith Kolschen mit einem Lächeln hinzu.

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