Schon am frühen Nachmittag war der Kohl knapp. Mehr als 1000 Köpfe wechselten bei einem Büdericher Markthändler auf dem Kappesmarkt Raesfeld am Sonntag den Besitzer. Wer später kam, musste sich mit Wirsing, Möhren, Kartoffeln, Blumenkohl Käse oder Blumen trösten, und mit jeder Menge Marktstimmung.


Kohl so weit das Auge reicht
Bereits um 14 Uhr war einer der Anhänger mit Kappes aus Büdericher vom Niederrhein leergefegt. „Alles verkauft“, rief der Händler lachend, während die letzten Köpfe in die zahlreichen Kappes-Taxis geladen wurden. Mehr als 1000 Kohlköpfe seien es gewesen, rechnete der Büdericher nach, aber so ganz genau könne es nicht sagen.
Die Dorfmitte war bis auf den letzten Stand gefüllt. Besucher schoben sich dicht an dicht vorbei, blieben stehen, schauten, probierten. „Voller geht’s nicht“, meinte eine Frau aus Marl, während sie sich durch die Marktstraße manövrierte.

Holländische Freunde sorgen für Stimmung
Für gute Laune sorgten wieder die Gäste aus der niederländischen Partnergemeinde Wehl, die mit einem Bus angereist kamen. Aber auch die holländischen Markthändler und Marktschreier waren nicht zu überhören. Zwischen Käse, Blumen, Gemüse und Obst hallten ihre Rufe über den Platz. „Fünf Kilo Äpfel nur für fünf Euro, alles frisch!“ oder „Lecker, leckerer und saftig!“, rief ein Händler mit breitem Grinsen. Der Käse rollte zwar nicht über die Straße, aber reichlich über die Ladentheke.

Parken? Nur für Anlieger – theoretisch
Im Vorfeld hatte die Gemeinde den Ortskern und die Zufahrtsstraßen nur für Anlieger freihalten wollen. Bis auf wenige Ausnahmen klappte das, zumindest in der Theorie. Manche Besucher aus dem Ruhrgebiet interpretierten das Schild recht großzügig. Je größer das Auto, desto näher rollte man an die Kirche heran.
Mit viel Geduld wurde selbst in der kleinsten Lücke noch rangiert, ein bisschen vor, ein bisschen zurück, ein bisschen links oder rechts. Fast schon auf dem Friedhof, bis es schließlich auch für einen Essener passte. Ob andere, also echte Anlieger, dann noch durchkamen, interessierte am Ende niemanden. Auf die Frage, ob er das Schild nicht gelesen habe, kam die Antwort prompt: „Woher wollen Sie denn wissen, dass ich kein Anlieger bin, oder ein Anliegen habe?“ Ein Satz, der an diesem Tag wohl gerne als Ausrede genutzt wurde.

Keine Parkplatzprobleme für die Kappestaxis
Während also einige Autofahrer mit Rangieren beschäftigt waren, hatten die Kappestaxis ganz andere Sorgen – nämlich volle Auftragsbücher. Die Jungen und Mädchen mit ihren Handwagen waren im Dauereinsatz. Mit kräftigem Einsatz transportierten sie Kohl, Käse und Blumen quer durch die Ortsmitte. So konnten sie ihr Taschengeld aufbessern, und die Besucher zeigten sich großzügig. Zwischen zwei und fünf Euro wechselten pro Fahrt den Besitzer, manchmal sogar zehn, wenn die Strecke bis zum Schloss oder in die Außenbereiche führte. Stillstand gab es dabei nicht.

Musik und Stimmung vor dem Rathauscafé
Auch vor dem Rathauscafé herrschte beste Laune. Opa Ewald Marpert, 86 Jahre alt, vergaß zwischenzeitlich, dass er selbst nicht mehr der Jüngste war. Neben dem DJ sorgte er für eine musikalische Live-Einlage, stellte dafür seine Krücken kurzerhand in die Ecke und griff zur Gitarre. Mit sichtlicher Freude spielte er sich durch sein Repertoire und vergaß dabei ganz sein Alter. Die Gäste klatschten, tanzten und genossen den späten Sonntagnachmittag.

Stammgäste und neue Entdeckungen
Viele Besucher kennen den Markt seit Jahren. „Ich komme jedes Jahr her, hier finde ich immer mein Weihnachtsgeschenk“, sagte eine Essenerin, die nach eigenen Angaben bereits zum 20. Mal in Raesfeld war. Auch ein Besucher aus Gelsenkirchen füllte seinen Wagen randvoll mit Gemüse.
Um 18 Uhr leerte sich der Platz allmählich. Nur der Duft von Pommes, Käse und Kohl blieb noch ein wenig länger in der Luft – typisch Kappesmarkt Raesfeld eben: voller, voll am vollsten.

Damit zeigte der 39. Kappesmarkt, dass Tradition und Lokales in Raesfeld nicht aussterben. Trotz kleiner Hindernisse und bei herbstlichem, aber ungewohnt mildem Novemberwetter zog es an zwei Tagen wieder viele Menschen aus der Region in den Ortskern. Und das nächste große Event steht bereits vor der Tür: der Adventsmarkt am Wasserschloss Raesfeld vom 4. bis 7. Dezember 2025.
















