Junge Wildtiere nicht anfassen

Kreis-Biologe Peter Pavlovic: „Nur die wenigsten Tierkinder wurden wirklich verlassen“ / Hunde an der Leine lassen

 Kreis Borken (pd). Zahlreiche Wildtiere bekommen aktuell Nachwuchs. Damit steigt auch die Zahl der „Findelkinder“, die bei Tierheimen oder Wildgehegen abgegeben werden. Insbesondere Kitze, Waldkäuze, Turmfalken, Dohlen und Amseln werden gemeldet. Der Kreis Borken appelliert, den Kontakt zu vermeintlich verlassenen Jungtieren möglichst zu vermeiden. „In 99 Prozent aller Fälle sind die Alttiere in der Nähe, selbst wenn sie vom ‚Finder‘ nicht gesehen werden“, erklärt Biologe Peter Pavlovic aus dem Fachbereich Natur und Umwelt der Kreisverwaltung.

Er rät, die Tiere an Ort und Stelle zu belassen. „Die Elternvögel oder Muttertiere sind in aller Regel immer die besseren Eltern.“ Sie könnten ihre Jungen für das Leben in der freien Natur am besten vorbereiten und sie mit der geeignetsten Nahrung versorgen. Bei ganz jungen Säugetieren ist das meist die Muttermilch. Bei Eulen und Turmfalken stehen vor allem Mäuse auf dem Speiseplan.

„Viele der aufgenommenen Findelkinder werden zunächst gar nicht oder falsch versorgt“, so Pavlovic. „Und nicht wenige sind anschließend nicht fit für eine Rückkehr in ihr ursprüngliches Zuhause.“ Zudem machten die so süßen Kleinen auch erstaunlich viel Arbeit. Viele von ihnen verlangten Spezialkost und das meist mehrfach in der Stunde, je nach Art auch einige Wochen lang. Damit seien die meisten Privatleute überfordert und dafür reichten auch die personellen Kapazitäten von Tierheimen und Behörden nicht aus.

Um Rücksicht auf den Nachwuchs der Wildtiere bittet Pavlovic auch Hundehalter. Sie sollten ihre Tiere in der freien Landschaft zurzeit möglichst an der Leine lassen. So bestehe eine wesentlich größere Wahrscheinlichkeit, dass der Hund eine tierische „Fundsache“ nicht beschnuppere oder als Spielzeug nutze. „Ein verletztes Jungtier ist in aller Regel nicht mehr zu retten.“

Zum Thema: Umgang mit jungen Wildtieren

Rehkitze, junge Hasen oder andere Säugetiere sollten unangefasst am Fundort belassen werden. „Junge Vögel, die im Gras liegen, sollten nach Möglichkeit wieder in den nächsten Baum oder auf einen waagerechten Ast des nächsten Gehölzes gesetzt werden“, erklärt Biologe Peter Pavlovic vom Kreis Borken. Er empfiehlt dafür eine Höhe von rund zwei Metern. „Die Tiere sind in der Regel nicht verlassen und werden meist nachts von den Alttieren versorgt.“

Wer ein Wildtier anfasst, sollte darauf achten, dass seine Hände nicht nach Lebensmitteln, Parfüm oder Seife riechen. Diese Gerüche können am Fell oder flaumigen Gefieder der Jungtiere anhaften und dafür sorgen, dass Elterntiere ihre Jungen nicht mehr erkennen.

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