Der Rat der Gemeinde Raesfeld soll die Neuorganisation der Julia-Koppers-Gesamtschule zum Schuljahr 2022/2023 beschließen

Die Verwaltung wird nun in Abstimmung mit der Stadt Borken alle notwendigen Schritte zur Realisierung dieser Lösung vorzunehmen. Die Oberstufe soll erstmalig im Sommer 2022 starten. Mit der beschriebenen Neugliederung hoffen beide Kommunen, dass die Julia-Koppers-Gesamtschule nachhaltig und pädagogisch optimiert und für die Zukunft dauerhaft gerüstet ist.

Im Jahre 2016 wurde die Julia-Koppers-Gesamtschule als sechszügige Gesamtschule mit einem Teilstandort in Raesfeld gegründet.

Laut Markus Büsken, erster Beigeordneter der Gemeinde, wird zukünftig und entsprechend der Genehmigung der Bezirksregierung Münster der Standort Borken in zwei Standorten aufteilen, sprich dass der Standort Borken 3-4zügig und der Standort Raesfeld 2-3zügig mit den Jahrgängen 5-10 geführt werden soll. Die Oberstufe, die erstmalig ab dem Sommer 2022 starten wird, soll ausschließlich am Standort Borken geführt werden.

Schritte zur Stabilisierung der Schule

In den vergangenen Jahren sei die gesetzlich vorgeschriebene Mindestgröße von sechs Zügen bei einer Jahrgangsstufe an zwei Standorten nicht erreicht worden. Deshalb habe die Bezirksregierung Münster in der Vergangenheit mehrfach auf die fehlenden Schülerzahlen hingewiesen und die Stadt Borken als Schulträger aufgefordert, über die geplanten Schritte zur Stabilisierung der Schule zu berichten.

Wie Markus Büsken mitteilt, stehe laut Aussage der Bezirksregierung Münster die Julia-Koppers-Gesamtschule in der derzeitigen Form daher „unter Beobachtung“. Darüber hinaus hat die Bezirksregierung kommuniziert, dass künftig eine 5-Zügigkeit einer Jahrgansstufe an zwei Standorten nicht mehr toleriert werden könne.

Raesfeld erreichte Schülerzahlen

In Raesfeld konnten die geforderten 2-3 Zügigkeiten in den vergangenen Jahren nicht zuletzt durch die Aufnahme von Schülerinnen und Schülern (SuS) aus Marbeck und Rhade immer erreicht werden.

Am Standort Borken konnten diese Mindestzügigkeiten hingegen nicht immer gebildet werden.
Dies lag zum Einen am insgesamt sinkenden Schülerpotential in Borken als auch an dem starken Konkurrenzangebot am Schulstandort Borken (Gymnasium Remigianum, Gymnasium Mariengarden, Schönstätter Marien-Realschule, Jodocus-Nünning-Gesamtschule).

Unterschiedliche Entwicklungen bei den Geburtenzahlen

Ein künftiger Blick auf das Schülerpotential beider Kommunen zeige durchaus unterschiedliche Entwicklungen bei den Geburtenzahlen auf. Während in Borken die Geburtenzahlen der letzten Jahre deutlich unter dem prognostizierten Niveau liegt, entwickeln sich die Zahlen in Raesfeld relativ stabil.

Gesamtschule Borken

Für das laufende Jahr 2021 ergibt sich allerdings in Raesfeld ein Rückgang um 40% gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. „Ob es sich hierbei um einen einmaligen ‚Coronaeffekt‘ oder um einen neuen Trend hin zu sinkenden Geburtenzahlen handelt, bleibt abzuwarten“, so der Erste Beigeordnete.

Verschiedene Lösungsalternativen

Gemeinsam habe die Raesfelder Verwaltung seit Herbst letzten Jahres gemeinsam mit der Stadt Borken und dem Schulentwicklungsplaner Dr. Garbe verschiedene Lösungsalternativen für die Julia-Koppers-Gesamtschule diskutiert. „Die Umwandlung der Julia-Koppers-Gesamtschule in eine Sekundarschule ist mangels Akzeptanz der Eltern keine zukunftsfähige Lösung“, fügt Büsken hinzu. Deshalb haben sich in Absprache mit der Schulleitung beide Kommunen vorbehaltlich der Zustimmung der beiden Gemeinderäte im Ergebnis darauf verständigt, die Julia-Koppers-Gesamtschule ab dem Schuljahr 2022/23 mit 5 Zügen zu führen.

Dies bedeutet, dass dabei die Schüler der Jahrgänge 5-7 komplett in Raesfeld mit 15 Klassen und die Jahrgänge 8-10 sowie die Oberstufe mit 21 Klassen komplett in Borken zur Schulen gehen.

Diese Lösung sei in einem Besprechungstermin am 02.06.2021 mit der Bezirksregierung Münster ausführlich diskutiert worden. Die Bezirksregierung steht dieser Lösung vom Grundsatz her positiv gegenüber.

Schulorganisatorisch habe laut Büsken diese Lösung den großen Vorteil, dass die gesetzliche Mindestgröße bei der Gliederung – Primarstufe, Sekundarstufe I und II. – bei 4 Zügen liegt.

Neue Räumlichkeiten müssen in Borken geschaffen werden

Das bedeutet für Borken, dass die benötigten Räumlichkeiten auf dem bisherigen Campus errichtet werden können.

Die Planung dazu sei, dass die veraltete 1-Feld Sporthalle kurzfristig abgerissen werden soll und durch ein neues 2-geschossiges Oberstufenzentrum ersetzt werde. Gleichzeitig soll in unmittelbarer Nähe zum Schulcampus parallel dazu eine neue 2-Feld Sporthalle errichtet werden.
Darüber hinaus würde ein Verzicht auf einen 6. Zug auch die weiterführenden Schulen im Umland (u.a. Velen und Reken) stärken und der Standort Raesfeld würde bei dieser neuen Aufteilung aufgewertet werden.

Die neue Mensa in der Gesamtschule Raesfeld. Foto: Petra Bosse


Aus schulpädagogischer Sicht hätte die neue Gliederung einer Jahrgansstufe einige Vorteile:

  • Die Zusammenführung von allen Schülern eines Jahrgangs an einem gemeinsamen Standort führt zu einer größeren Zusammengehörigkeit und damit einer besseren Identifikation mit der Schule.
  • Für jüngere Schüler bietet der übersichtliche Standort in Raesfeld (max. etwa 400 Schüler) optimale Bedingungen
  • Aktuelle Baumaßnahmen wie der Neubau der Mensa sind entweder bereits abgeschlossen oder wie im Fall der Neugestaltung des Schulhofes spätestens zum Ende diesen Jahres abgeschlossen.
  • Die Beschulung aller Schüler einer Abteilung an einem Standort führt zu einer größeren Angebotsvielfalt, bzw. erhöht die Möglichkeit zur Differenzierung.
  • Innerhalb einer Jahrgangsstufe sind keine Busfahrten mehr notwendig.
  • Für das Lehrerkollegium und die Schulleitung ist die Arbeit und Organisation des Schulbetriebes deutlich einfacher und effizienter.
  • Eine altersgerechte Schwerpunktsetzung ist an beiden Standorten sowohl sinnvoll als auch baulich möglich.
  • Die Aufteilung für eine komplette Jahrgangsstufe wird auch von der Schulleitung ausdrücklich begrüßt.
    Aus Borkener Sicht nachteilig an dieser Lösung ist, dass künftig Borkener Schüler für drei Jahre nach Raesfeld fahren müssen.

Neue Klassenräume müssen in Raesfeld geschaffen werden

Bei einer Realisierung, dass eine Jahrgangsstufe komplett in Raesfeld zur Schule geht, müsse die Gemeinde Raesfeld in das Schulgebäude investieren. Dadurch würde sich ein zusätzlicher Bedarf von mindestens drei Klassenräumen ergeben. Diese können evtl. im Dachgeschoss des Hauptgebäudes realisiert werden. Darüber hinaus müssten Investitionen im Fachtraktgebäude getätigt werden.

Markus Büsken: „Für das Fachtraktgebäude rechnen wir im Rahmen des Baugenehmigungsverfahrens auch mit zusätzlichen Anforderungen im Bereich des Brandschutzes (z.B. Errichtung eines 2. Rettungsweges). Auch der Bereich der Schulleitung/Verwaltung sollte nach Möglichkeit neu gestaltet werden, da hier insbesondere das derzeitige Sekretariat zu klein ist“.

Schätzung der Investitionskosten

Nach einer überschlägigen Kostenschätzung könnten sich diese Investitionskosten auf ca. 800 bis 900.000 € belaufen. Genauere Zahlen werden voraussichtlich erst vorliegen, wenn konkrete Anforderungen des Brandschutzes im Rahmen des Baugenehmigungsverfahrens bekannt sind. Diese Expertise werde maßgeblich auf die Entscheidung Einfluss haben, in welchem Bereich die zusätzlichen Klassenräume in Raesfeld errichtet werden können.

Auch stelle sich die Raesfelder Verwaltung die Frage, ob die angesprochenen Investitionen zeitlich auf mehrere Jahre gestreckt werden können.
Neben dieser einmaligen Investition werden sich auch die laufenden Kosten wie Geschäftsausgaben und insbesondere die Schülerbeförderung erhöhen.

Für die künftige Beförderung der Borkener Schüler nach Raesfeld sei entsprechend der öffentlich-rechtlichen Vereinbarung mit der Stadt Borken die Gemeinde Raesfeld zuständig. Unter Zugrundelegung der aktuellen Konditionen für Schülertickets könnten sich diese Kosten je nach tatsächlicher Anzahl von Borkener Kindern auf bis zu 165.000 € pro Jahr belaufen

Hier müsse mit den Busgesellschaften geklärt werden, ob es nicht kostengünstiger wäre, separate Schulbuslinien einzurichten.

Für die Zukunft dauerhaft gerüstet

Mit der beschriebenen Neugliederung hoffen beide Kommunen, dass die Julia-Koppers-Gesamtschule nachhaltig und pädagogisch optimiert und für die Zukunft dauerhaft gerüstet ist. Beide Kommunen seien zuversichtlich, dass eine gewünschte Fünfzügigkeit auf Dauer erreicht werden kann.

„Aus Sicht der Gemeinde Raesfeld kann mit dieser Grundsatzentscheidung die Julia-Koppers-Gesamtschule als einzige weiterführende Schule in Raesfeld dauerhaft gesichert werden. Sofern die Bezirksregierung Münster der geplanten Änderung zustimmt, soll mit der einen Jahrgangsstufen-Lösung erstmalig im Sommer 2022 begonnen werden. Die neu eingeschulten 5. Jahrgänge würden dann in fünf Zügen komplett in Raesfeld verwaltet werden“ ergänzt Büsken.

Über die Beschlussvorlage wird der Raesfelder Rat und der Schulausschuss in seiner Sitzung am 28. Juni 2021 beraten.

Vorheriger ArtikelKeine Corona-Infektionen mehr in Alten- und Pflegeheime
Nächster ArtikelNRW hebt Maskenpflicht im Freien ab Montag weitgehend auf
avatar
Petra Bosse (alias celawie) Bitte beachtet die Netiquette - Kennzeichnen Sie den Kommentar mit Ihrem Namen. Benutzten Sie dabei keine anonymen Namen. Mailadressen und andere persönliche Daten werden vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Wir behalten uns vor, Kommentare zu löschen, die gegen unsere Richtlinien verstoßen. Mit dem Abgeben eines Kommentars erklären Sie Ihr Einverständnis, dass Ihr Benutzername und der Kommentartext in Gänze oder in Auszügen auf Heimatreport zitiert werden kann. Achten Sie auf einen sachlichen Umgangston! Beleidigende, diskriminierende oder anstößige Kommentare, die gegen das Gesetz verstoßen, löscht die Redaktion.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here