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Holzernte und Waldpflege: Warum jetzt Bäume gefällt werden

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Forstleute in NRW fördern mit gezielten Fällungen stabile, klimafitte Mischwälder und sichern zugleich den wichtigen Rohstoff Holz.

Rund um Raesfeld laufen derzeit umfangreiche Holzernte- und Pflegearbeiten im Wald. Warum diese Maßnahmen sinnvoll sind, welche Schutzvorkehrungen gelten und was mit dem Holz passiert, erklärt Wald und Holz NRW in einer aktuellen Mitteilung.

Fakten auf einen Blick:

  • Warum wird gefällt? Stabilisierung, Waldumbau, Pflege, Holzbereitstellung und Verkehrssicherung
  • Was wird gemacht? Zielgerichtete Eingriffe, Förderung von Mischung und Struktur, Berücksichtigung ökologischer Strukturen
  • Was ist das Ziel? Ein möglichst sicherer, naturnaher, klimaresilienter Wald – heute und für kommende Generationen; Bereitstellung des Wertstoffes Holz

Warum jetzt Bäume gefällt werden

Holzernte und Waldpflege fördern sichere und klimastabile Wälder, Biodiversität und die Wertschöpfung von heimischem Holz

Winterzeit ist Erntezeit im Wald

Seit November hört und sieht man sie wieder verstärkt: Forstleute mit Schutzhelmen und Motorsägen im Wald und vor Waldarbeiten mit Baumfällungen warnende Flatterbänder über Waldwegen: Die Holzernte findet überwiegend im Winterhalbjahr statt. Durchforstungs- und Pflegeeingriffe die der Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen aktuell wieder in vielen Beständen umsetzt, sorgen dafür, die Stabilität und Vitalität unserer Wälder langfristig zu erhöhen.

Mehr Freiraum für Zukunftsbäume

Ausgewählte Zukunftsbäume werden behutsam freigestellt, sogenannte „Bedränger“ werden entnommen. Es wird Licht und Raum geschaffen, damit Naturverjüngung und aktiv gepflanzte, standortgerechte, klimaangepasste Baumarten etabliert werden können. Das Ziel ist dabei immer ein strukturreicher, stufiger Mischwald: alt neben jung, groß neben klein, dick neben dünn.

Neben den Arbeiten im landeseigenen Wald, organisieren auch die Forstämter, die sich in erster Linie um den Privatwald kümmern, aktuell etliche dieser Maßnahmen. So auch die Forstleute des Regionalforstamtes Ostwestfalen-Lippe, welche in diesen Wochen und Monaten zahlreiche Einschlagsmaßnahmen in den Waldbeständen der Forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse organisieren, die von ihnen betreut werden.

Gezielte Entnahme geschädigter Bäume

Dabei werden gezielt auch instabile und geschädigte Bäume entnommen. Diese verlieren schnell an Stand- und Bruchsicherheit; Kronenteile können herabfallen, Stämme können brechen oder umstürzen. Priorität haben Gefahrenbäume entlang von Straßen, Parkplätzen und Erholungseinrichtungen.

Warum wird im Winter gefällt?

Aber warum im Winter? „Dann stehen die Bäume nicht ‚im Saft‘ “, so Holger-Karsten Raguse, Leiter des Regionalforstamtes Ostwestfalen-Lippe, „das verringert mögliche Fällungsschäden am verbleibenden Bestand und noch wichtiger: Die Forstwirtinnen und Forstwirte können eventuelle Gefahrenquellen der laublosen Bäume besser einsehen.“ Denn: Baumfällungen sind und bleiben mit die gefährlichsten Arbeiten in der freien Natur. „Ich habe höchsten Respekt vor dieser anspruchsvollen Tätigkeit“, so Raguse weiter.

Lebensgefahr: Sperrungen dienen dem Schutz von Leib und Leben

Aus diesem Grund kann es während der Arbeiten auch zeitweise zu Wegesperrungen oder Umleitungen kommen. Diese dienen ausschließlich der Sicherheit. Innerhalb der Arbeitsbereiche besteht – unter anderem durch nachfallende Äste – Lebensgefahr, auch wenn gerade keine Maschinen zu sehen sind. Wald und Holz NRW bittet daher darum, Absperrungen konsequent zu beachten. Im Gegenzug wird die Landesforstverwaltung die Sperrzeiten so kurz wie möglich halten.

Holzrückung über Rückegassen

Die gefällten Stämme werden anschließend in gesamter Länge oder definierten Abschnittslängen an die Hauptabfuhrwege gezogen. Diese Holzrückung erfolgt auf extra dafür vorgesehenen Rückegassen. „Die sehen dann schon mal je nach Witterung und Holzmenge etwas wüster aus, dafür konzentrieren wir die Bodenbefahrung eben auf diese Schneisen, damit der weit überwiegende Teil des Waldbodens geschont bleibt“, so Raguse. Das Holz wird bis zur endgültigen Abfuhr in sogenannten „Poltern“ gelagert. Auch hier gilt die dringende Bitte: Diese keinesfalls betreten oder erklettern!

Holzernte ist regionale Wertschöpfung

Das Ziel der Ernte des Holzes ist seine möglichst lange „stoffliche“ Nutzung – im Bau, im Innenausbau, in der Holz- und Möbelwirtschaft. In Ostwestfalen-Lippe mit seiner ausgeprägten Möbel- und Küchenmöbelindustrie sind häufig kurze Verarbeitungswege und somit die regionale Wertschöpfung im Cluster Forst und Holz möglich. Weiterer Vorteil: Nachdem die Bäume CO2 aus der Luft aufgenommen haben, speichern sie den darin enthaltenen Kohlenstoff. Holzprodukte können diesen Kohlenstoff langfristig binden und energieintensive Materialien teilweise ersetzen.

Ökologisch Wertvolles gezielt erhalten

Hier gehören Holznutzung, Waldpflege und Naturschutz zusammen. Wo eben möglich, werden ökologisch wertvolle Strukturen gezielt bewahrt und gefördert: Biotopbäume – das sind Höhlen-, Horst- und Habitatbäume mit besonderen Strukturen – werden erhalten, Totholz und Kronenmaterial belassen und strukturreiche Waldränder gefördert. So werden Lebensräume für Insekten, Vögel, Fledermäuse und viele weitere Arten gesichert und weiterentwickelt.

Nachhaltige Waldwirtschaft braucht Verständnis

Aber richtig ist auch: Wo gehobelt wird, da fallen (auch) Späne. Aktive Waldbewirtschaftung geht nicht gänzlich im Stillen, sondern kann durchaus laut sein, was auch Besucherinnen und Besucher im Wald bemerken. Im Wald zeigt sich aber: Mit gegenseitigem Verständnis einerseits und maßvollem aktiven Wirtschaften andererseits schaffen wir die beste Voraussetzung für eine nachhaltige Nutzung des wertvollen Rohstoffes Holz und für langfristig klimastabile, bunte und zukunftssichere Wälder.

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