Es ist mittlerweile das sechste Pony, was binnen kurzer Zeit in diesem Jahr einen Wolfsangriff nicht überlebte. Insgesamt erhöht sich die Zahl auf sieben Pferde. Das erste Pony wurde bereits am 25.10.2020 in Kirchhellen gerissen.

Erneut hat der Wolf im Schermbecker Wolfsgebiet ein Pony gerissen. In der Nacht von Montag auf Dienstag schlugen die Wölfe wieder zu.

Von Pony Lilly ist nach dem Mahl nicht mehr viel übrig geblieben. Das komplette Hinterteil fehlt. Das Shetlandpony ist nun das sechste Pony, welches binnen kurzer Zeit im Wolfsgebiet Schermbeck den Wölfen zum Opfer fiel.

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Trauriges Ende von Shetlandpony Lilly. Foto: Petra Bosse

Wölfe kamen über die Felder

Das 30-jährige braun-schwarze Shetlandpony Lilly – mit einem Stockmaß von 80 cm – stand artgerecht mit einem weiteren Shetty sowie drei Großpferden auf einer Weide mit Offenstall in Kirchhellen Auf dem Espel. Die Pferdekoppel befindet sich in unmittelbarer Nähe des Wohnhauses. Gekommen sind die Wölfe oder der Wolf über die Felder. Spuren seien sichtbar, die nun – wie der Riss auch – vom LANUV ausgewertet werden müssen.

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Viel vom Pony blieb nach dem Riss nicht mehr viel übrig. Foto: Petra Bosse

Vier weitere Pferde standen auf der Weide und im Stall

Die Besitzer sind geschockt, denn Lilly sei das Stallmaskottchen gewesen und sei von den Kindern liebevoll gepflegt worden. Vor rund drei Jahren hat die Familie sich dem Pony angenommen, da die vorherige Besitzerin ausgewandert sei. Geschockt im Stall und völlig apathisch steht Lillys beste Freundin, ebenfalls ein Shetty. Sie hat, wie die drei Großpferde den Angriff der Wölfe überlebt. Jedoch sei das sonst so lebensfrohe Tier total apathisch, sagen die Besitzer.

Völlig apathisch nach dem Verlust der Freundin Lilly steht das kleine Pony in Offenstall. Foto: Petra Bosse

Politik hüllt sich in Schweigen

Wie viele andere Pferde- und Rinderhalter stellt sich erneut die Frage: „Wie sollen wir unsere Tiere vor Wolfsangriffen überhaupt schützen?“ Die Halter von Rindern und Pferden fühlen sich von der Politik alleine gelassen.

„Wir haben jetzt wieder eine neue Eskalationsstufe erreicht, weil die Ponys, wie empfohlen, nicht einsam und alleine auf der Weide standen und dadurch geschützt waren. Es ist trotzdem zum Übergriff gekommen“, so Stefan Steinkühler vom Gahlener Bürgerforum.

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Trotz der Nähe zur Wohnbebauung und dem Offenstall hat es die Wölfe nicht davon abgehalten, ein Pony zu reißen. Foto: Petra Bosse

Schläft die Politik?

„Wir fragen uns, was die Politik in Düsseldorf überhaupt macht und ob sie nur schlafen, denn das Problem ist bekannt“, fügt Steinkühler hinzu.

Wie aber können Rinder- und Pferde eigentlich wolfabweisend richtig geschützt werden? Dazu wollte eigentlich laut Umweltministerin Ursula-Heinen Esser Anfang Dezember das Ministerium in Düsseldorf die Richtlinien „scharf stellen“. Eigentlich, aber bis heute gibt es dazu keine Angaben oder Aussagen vonseiten des Ministeriums. Und selbst NABU berichtet im Leitfaden „Pferd und Wolf“ darüber, dass in Ländern, in denen Pferde und Wölfe sich einen Lebensraum teilen, Pferde in unterschiedlicher Ausprägung durchaus auch zur Beute des Wolfes gehören.

Bis heute keine konkreten Fördermaßnahmen

Sowohl im Herbst und nicht nur im Frühjahr und Sommer genießen Pferde die Weidehaltung, auch bei schlechter Witterung. Für viele Pferde ist auch eine ganzjährige Weidehaltung einer Stallhaltung vorziehen. Grundsätzlich gelten für die Pferdehaltung sowie zur sonstigen Tierhaltung die Maßstäbe des deutschen Tierschutzgesetzes. Wie jedoch aktuell die konkreten Anforderungen an die empfohlenen Präventionsmaßnahmen für Pferde sind, darüber gibt es derzeit noch keine konkreten Fördermaßnahmen für Pferdekoppeln und Rinderweiden.

Einen Tipp jedoch gibt es vonseiten des LANUV: Es wird empfohlen, die Weidetiere nachts einzustallen. Ob das dem Tierschutz zum Wohle der Weidetierhaltung gerecht wird, bleibt dahingestellt.  

Pony/Pferderisse von 2020 bis 2021:

25.1o.2020 Bottrop
04.012021 Hünxe
11.10.2021 Hünxe
20.10.2021 Hünxe
21.10.2021 Hünxe – Kleinpferd verletzt
22.10.2021 Hünxe
03.11.2021 Hünxe
14.12.2021 Kirchhellen

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1 KOMMENTAR

  1. Guten Morgen,

    ich hatte bereits vor längerer Zeit schon einen Kommentar zu dieser Angelegenheit geschrieben. Wieviel Ponys und Schafe müssen noch geopfert werden bis die Politik endlich aufwacht?
    Was helfen die ganzen Analysen, es ist doch völlig gleichgültig welcher Wolf oder welche Wölfin für den Riss verantwortlich ist. Wölfe jagen im Rudel und hier steht die Beute leicht
    zu erreichen auf der Weide. Hier ist durch die dichte Besiedelung nun mal kein „Wolfsgebiet“.
    Ich frage mich wie lange wird es dauern bis die Betroffenen Tierbesitzer zur Selbsthilfe greifen oder auch greifen müssen?
    Aber es scheint sinnlos über dieses Thema zu diskutieren. Die Politik am grünen Tisch wird es schon richten.

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