Raesfeld kann stolz darauf sein: Zum 32. Mal in Folge wird die Gemeinde im Jahr 2025 einen schuldenfreien Haushalt vorlegen – trotz hoher Investitionen in Infrastruktur, Bildung und Modernisierung. Doch während dieser Erfolg Grund zur Freude sein könnte, zeigt sich Kämmerer Thomas Greving zurückhaltend.
Der Haushalt der Gemeinde Raesfeld für das Jahr 2025 bringt laut Kämmerer Thomas Greving nur leichte Veränderungen mit sich. Insbesondere bei den öffentlich-rechtlichen Leistungsentgelten wird mit steigenden Erträgen gerechnet, die auf höhere Gebühren zurückzuführen sind.
Positive Nachrichten bei Wassergebühren
Zunächst gibt es eine erfreuliche Nachricht: Die Gebühren für die Beseitigung von Schmutz- und Niederschlagswasser sollen im nächsten Jahr stabil bleiben. Dies bedeutet, dass Haushalte in Raesfeld an dieser Stelle keine zusätzlichen Belastungen erwarten müssen.
Moderate Anpassungen in anderen Bereichen
In anderen Bereichen sind hingegen moderate Gebührensteigerungen zu verzeichnen. Besonders betroffen sind die Abfallgebühren. Die Ursache dafür liege in den erhöhten Gebühren des Kreises Borken für die Nutzung der Abfallentsorgungsanlagen. Diese Mehrkosten werden an die Haushalte weitergegeben.
Für einen Musterhaushalt mit einer 120-Liter-Restmülltonne und einer Biotonne steigen die Müllabfuhrkosten im Jahr 2025 um 46,20 Euro . Auch die Straßenreinigungsgebühren erhöhen sich – von bisher 1,12 Euro pro Meter Grundstücksbreite auf 1,26 Euro.
Grundsteuerreform 2025: Auswirkungen auf die Hebesätze in Raesfeld
Die Grundsteuerreform für das Jahr 2025 bringt in Raesfeld Anpassungen bei den Hebesätzen für die Grundsteuern A und B mit sich. Die Verwaltung hat auf Basis der Vorgaben des Landes NRW die neuen Hebesätze in die Planungen aufgenommen, wie Kämmerer Thomas Greving erläutert.
Neue Hebesätze für Grundsteuer A und B
Für die Grundsteuer A, die vor allem land- und forstwirtschaftliche Betriebe betrifft, ist ein moderater Anstieg des Hebesatzes von 319 Punkten auf 401 Punkten vorgesehen. Die Grundsteuer B, die auf bebaute und bebaubare Grundstücke erhoben wird, soll von bisher 501 Punkten auf 600 Punkte steigen.
Greving betont, dass es sich bei diesen Hebesätzen um die sogenannten „aufkommensneutralen Hebesätze“ handelt. Diese wurden vom Land NRW berechnet, um sicherzustellen, dass die Gemeinden nach Umsetzung der Reform in etwa das gleiche Steueraufkommen erzielen wie vor der Reform. Somit dienen die neuen primären Werte der Anpassung an die neuen Bewertungsgrundlagen.
Stabilität bei der Gewerbesteuer
Während die Grundsteuern angepasst werden, bleibt die Gewerbesteuer in Raesfeld stabil. Der Hebesatz verharrt bei 416 Punkten , da das Land NRW im Entwurf des Gemeindefinanzierungsgesetzes 2025 keine Änderungen am fiktiven Hebesatz der Gewerbesteuer beschlossen hat.
Steigende Investitionen im Haushalt 2025: Überblick der Kostenentwicklung
Im Haushaltsplan 2025 der Gemeinde Raesfeld zeichnen sich deutlich steigende Entwicklungen ab. Laut Kämmerer Thomas Greving wird ein Gesamtvolumen von rund 30,3 Millionen Euro erwartet – ein Anstieg um 2,3 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr. Diese Steigerung betrifft nahezu alle Kostenbereiche.

Haupttreiber der Kostensteigerungen
Die Belastungen verteilen sich auf verschiedene Bereiche, wobei folgende Posten besonders ins Gewicht gefallen sind:
- Personalaufwendungen:
Mit einem Anstieg von +569.000 Euro wirken sich vor allem die Tarifabschlüsse der letzten Jahre und Anpassungen bei den Rückstellungen aus. - Sach- und Dienstleistungen:
Die Kosten für Sach- und Dienstleistungen steigen um +150.000 Euro , was auf allgemeine Preissteigerungen und erhöhte Betriebsanforderungen zurückzuführen ist. - Abschreibungen:
Hier ist eine Steigerung um 368.000 Euro zu verzeichnen, die auf Investitionen in die kommunale Infrastruktur und den daraus resultierenden höheren Abschreibungsbedarf zurückzuführen ist. - Transferaufwendungen:
Der stärkste Zuwachs entfällt mit 834.000 Euro auf Transferaufwendungen, die unter anderem Zuschüsse und Umlagen umfassen.

Ursachen und Rahmenbedingungen
Die steigenden Personalkosten seien insbesondere auf tarifliche Anpassungen sowie notwendige Rückstellungen zurückzuführen. Diese Entwicklungen spiegeln die überregionalen Rahmenbedingungen weiter, die auf alle Kommunen gleichermaßen einwirken.

teigende Kosten durch Abschreibungen und Transferaufwendungen
Die Abschreibungen steigen im Haushaltsjahr 2025 deutlich stärker als in den vergangenen Jahren. Grund dafür sind die hohen Investitionen, insbesondere in die kommunale Infrastruktur wie Straßen und Kanäle , die sich nun im Haushalt niederschlagen. Zukünftige Investitionen, insbesondere in den Bereichen Schule und Kinderbetreuung , werden die vorzeitigen Abschreibungen weiter erhöhen und den Haushalt zusätzlich belasten.
Kämmerer Thomas Greving betont: „Die fortlaufenden Investitionen sind, doch sie bringen langfristige finanzielle Verpflichtungen mit sich, die wir nicht aus den Augen verlieren dürfen.“
Transferaufwendungen als größter Kostenblock
Die Transferaufwendungen verzeichnen den stärksten Anstieg und erreichen 2025 mit rund 13,5 Millionen Euro einen Anteil von 44,5 % an den Gesamtaufwendungen. Dieser Bereich ist vollständig fremdgesteuert, sodass die Gemeinde keinen Einfluss auf diese Ausgaben hat. Die größte Position dabei ist die Kreis- und Jugendamtsumlage , die die Gemeinde Raesfeld voraussichtlich rund 10 Millionen Euro kosten wird – 780.000 Euro mehr als im Vorjahr.
Greving erklärt weiter: „Die stetig steigenden Transferaufwendungen schränken unseren finanziellen Handlungsspielraum massiv ein. Besonders die Umlagen belasten die Gemeinde erheblich und lassen uns kaum Spielraum für eigene Prioritäten.“
Haushalt 2025: Fehlbetrag wird durch Rücklagen gedeckt
Der Haushaltsplan 2025 weist einen Fehlbetrag von rund 2,9 Millionen Euro aus. Dennoch gilt der Haushalt als fiktiv ausgeglichen, da die Gemeinde weiterhin über eine ausreichend hohe Ausgleichsrücklage verfügt. Zum Stichtag 31.12.2023 belaufe sich diese Rücklage auf rund 19 Millionen Euro , wodurch auch die in der mittelfristigen Finanzplanung prognostizierten Defizite gedeckt werden können. „Die Pflicht zur Aufstellung eines Haushaltssicherungskonzeptes kommt damit erstmal noch nicht zum Tragen“, ergänzt Greving.

Finanzplan 2025: Investitionen im Fokus
Der Finanzplan der Gemeinde Raesfeld für das Jahr 2025 bietet einen detaillierten Überblick über sämtliche Ein- und Auszahlungen. Dabei wird zwischen den laufenden Verwaltungstätigkeiten und den Investitionstätigkeiten verteilt. Kämmerer Thomas Greving legte in seiner Darstellung den Schwerpunkt auf die Investitionstätigkeiten, da diese ausschließlich im Finanzplan abgebildet werden.
Investive Einzahlungen und Auszahlungen
Für 2025 werden investive Einzahlungen in Höhe von 7.403.800 Euro erwartet. Der Großteil dieser Einnahmen resultiert aus Investitionszuweisungen des Landes, Grundstücksverkäufen sowie Beiträgen.
Demgegenüber stehen geplante investive Auszahlungen von 9.159.900 Euro . Dies führt zu einem Finanzierungsbedarf, der mittelfristig ohne die Aufnahme von Krediten kaum zu decken sein wird.

Bedenken des Investitionsvolumens bei weiterhin hohem Niveau
Die geplanten Investitionen fielen mit rund 1 Million Euro geringer aus als im Haushaltsjahr 2024. Dennoch bleibt das Investitionsvolumen weiterhin auf einem hohen Niveau. Greving warnte, dass die Gemeinde künftig verstärkt prüfen sollte, welche Investitionen tatsächlich notwendig sind.
„Nicht jede Fördermöglichkeit sollte nachgejagt werden, insbesondere bei Investitionen, die unbedingt nicht notwendig sind“, betonte der Kämmerer. Jede Investition bringe zwangsläufig auch Folgekosten mit sich, die künftige Haushalte belasten könnten. „An diesem Auszug aus dem Investitionsplan wird deutlich, dass auch im kommenden Jahr an vielen Stellen im Ort in erheblichem Umfang investiert werden soll“.

Haushaltsplan 2024
Kämmerer Thomas Greving erklärt: „Der Investitionsplan zeigt deutlich, dass auch im nächsten Jahr an vielen Stellen im Ort umfangreich investiert werden soll.“
Dennoch ergebe sich hierbei ein Defizit: Die Auszahlungen aus Investitionstätigkeit übersteigen die entsprechenden Einzahlungen um rund 1,7 Millionen Euro. Auch im Bereich der laufenden Verwaltungstätigkeit zeigen sich ähnliche Herausforderungen, da die Auszahlungen die Einzahlungen um etwa 2,5 Millionen Euro übersteigen.
Thomas Greving zieht Bilanz: „Insgesamt schließt der Finanzplan demnach mit einem Defizit von rd. 4,2 Mio. Euro ab. Dieses Defizit muss aus den liquiden Mitteln der
Gemeinde finanziert werden“.
Fehlbetrag 2024: Geringere Belastung erwartet
Der Haushaltsplan 2024 prognostiziert ursprünglich einen Fehlbetrag von rund 4,6 Millionen Euro. Nach aktuellem Stand erwartet der Kämmerer jedoch, dass das tatsächliche Defizit zum Jahresende geringer ausfallen dürfte.
Dies bedeutet, dass die liquiden Mittel der Gemeinde voraussichtlich weniger stark beansprucht werden, als es die ursprüngliche Haushaltsplanung vorgesehen hatte. Diese positive Entwicklung könnte die finanzielle Ausgangslage leicht entlasten.
Liquidität und Zukunftsperspektiven: Herausforderungen für den Haushalt 2025
Zum Ende des Jahres 2025 wird erwartet, dass die liquiden Mittel der Gemeinde Raesfeld planmäßig auf rund 3 Millionen Euro sinken. Auch in der mittelfristigen Finanzplanung zeichnet sich eine weitere Reduzierung der liquiden Mittel ab.
Trotz dieser Entwicklung könne im kommenden Haushaltsjahr noch auf die Aufnahme von Krediten verzichtet werden. Allerdings werden die finanziellen Spielräume immer enger. Kämmerer Thomas Greving betonte: „Ich sage es an dieser Stelle ausdrücklich – in den nächsten Jahren werden wir voraussichtlich nicht mehr um die Aufnahme von Krediten herumkommen.“
Prognose bestätigt sich
Bereits im vergangenen Jahr habe Greving auf die sich verschlechternde Haushaltslage hingewiesen. Leider habe sich diese bei der aktuellen Entwicklungen bestätigt: Laut Greving werde die Gemeinde in Zukunft nicht mehr in der Lage sein, die Ausgaben der laufenden Verwaltungstätigkeit vollständig aus den laufenden Ausgaben zu decken. Der Fehlbetrag in diesem Bereich wachse weiter und belastet die finanzielle Stabilität.
Appell an Einsparmaßnahmen
„Wir müssen uns in Zukunft deutlich intensiver mit unseren Ausgaben beschäftigen und Einsparpotenziale konsequent suchen“, appellierte Greving. Nur so könnte die finanzielle Belastung eingedämmt und eine solide Grundlage für die Zukunft geschaffen werden.
Mit diesen Worten schloss er seine Ausführungen zum Haushaltsplanentwurf 2025 ab, der die dringende Notwendigkeit einer nachhaltigen Finanzplanung unterstreicht.



























