Gut so? Friseursalons dürfen ab Montag wieder öffnen

Friseursalons dürfen ab Montag wieder öffnen. Wie findet ihr das?

von Marie-Therese Gewert

Teilt uns eure Meinung mit. Wir haben uns schon einmal umgehört.

„Ich hatte Glück und vor dem Lockdown noch einen Termin“, erzählt uns Markus. Ohnehin gehe er nur alle vier bis sechs Wochen zum Friseur. Auch Daniel hat nichts vermisst. Doch selbst mit der Schere Hand anlegen? Das käme für ihn nicht infrage. „Da lasse ich nur einen richtigen Friseur ran“, ist er sich sicher.

Coronafrisur
Ran an die Schere – Do it yourselfe in Zeiten der Corona-Pandemie. Foto: André Elschenbroich

An anderer Stelle erzählt Kerstin, dass sie weniger Probleme mit ihren langen Haaren hatte. Es waren mehr die Männer im Hause: „Mein zehnjähriger Sohn sieht mittlerweile ganz schön zottelig aus“, betont sie. Ein wenig Gel habe nachgeholfen. Doch er und sein Vater haben schon einen Termin. Kerstin selbst wartet, bis die erste Flut der Terminwelle vorüber ist. Zur Not würde sie sich die Haare auch selbst mit einer Youtube-Anleitung schneiden, wie es eine Freundin schon getan hat.

Auch Lisa meint: „Es war zwar ungewohnt. Aber notfalls einfach waschen und wachsen lassen“. Dennoch ist sie froh, dass sie sich schon einen Termin gesichert hat und bald wieder zum Friseur gehen kann.

Gemischte Gefühle

Yvonne Honerbom, Obermeisterin der Friseur-Innung Westmünsterland, sieht der Öffnung mit gemischten Gefühlen entgegen. Einerseits freut sie sich, dass Leben in ihren Betrieb zurückkehrt, andererseits macht sie sich große Sorgen.

Friseurmeisterin Honerbom

Sieben Wochen hatten die Friseurbetriebe geschlossen. Wie war das für Sie?

Yvonne Honerbom: „Tatsächlich habe ich die Schließung fürs Erste für sinnvoll erachtet, weil ich fälschlicherweise davon ausging, dass die Friseurbetriebe in dieser Zeit von behördlicher Seite (BGW) geschult und mit Desinfektionsmitteln versorgt werden könnten. Leider geschah dahingehend vier Wochen nichts, so dass wir uns von der Friseur-Innung Westmünsterland dazu entschieden haben, die Sache selbst in die Hand zu nehmen.“

Was ändert sich jetzt im Friseurbetrieb?

Honerbom: „Wir haben strenge Auflagen der Berufsgenossenschaft zu erfüllen. Dadurch gleicht der Friseurbesuch der nahen Zukunft einer Operation. Wir müssen in unserer Umgebung und der der Kunden größtmögliche Hygiene einhalten. Dazu benötigen wir nicht nur Unmengen an Desinfektionsmitteln, die im Moment nicht nur schwer zu bekommen sind, es entsteht zugleich wieder ein großes Loch der Kasse. Dazu kommt, dass wir nicht mehr so viele Kunden gleichzeitig im Salon bedienen dürfen und sogar Plätze freilassen müssen. Wir werden auch eingeschränkt in unserem Dienstleistungsangebot. So ist es jetzt verboten Make-up, Augenbrauen – und Wimpernfarbe sowie das Bartschneiden anzubieten. Ob es so noch möglich ist Einnahmen zu erwirtschaften, die die Fixkosten decken geschweige denn Gewinne zu erzielen, bleibt abzuwarten.“

Was ist sonst neu?

Honerbom: „Nach jedem Kunden muss der Umhang auf 60 Grad gewaschen und der Arbeitsplatz desinfiziert werden. Hinzu kommen Mundschutzmasken, die wir Kunden bereitstellen, sofern sie ihre vergessen haben. Darüber hinaus müssen wir einen Abstand von 1,50 Metern einhalten, und dürfen keine Getränke und Zeitschriften anbieten. Wir müssen genau dokumentieren, wer wann und wie lange da war. Wir müssen den Fragebogen durchgehen, wie es auch bei Ärzten der Fall ist. Da ist der Datenschutz plötzlich nicht mehr so relevant. Außerdem kann es passieren, dass Kunden lange auf Termine warten müssen, was sicherlich genauso wenig gut ankommen wird, wie eine vielleicht nicht abwendbare Preiserhöhung. Ich habe Angst, dass sich diese Krise für viele Salons als „Tod auf Raten“ herausstellen wird.

Ein Tod auf Raten?

Honerbom: „Als unsere Friseurgeschäfte geschlossen wurden, blühte die Schwarzarbeit einmal mehr auf. Wer am 4. Mai noch einen Ansatz hat, darf ihn mit Stolz tragen, denn er zeigt Verantwortungsgefühl und Gerechtigkeitssinn.“

Sie sprachen eben von einer Preiserhöhung?

Honerbom: „Viele Kollegen überlegen, nun ihre Preise anzupassen oder eine Hygienepauschale einzuführen. Mir persönlich gefällt die Hygienepauschale besser. Schließlich möchte ich nichts daran verdienen, aber die Kosten für die Desinfektionsmittel und Masken, so wie für die ganze Arbeitszeit, die für die Beschaffung und Anwendung benötigt wird, muss auch irgendwie umgelegt werden. Ich hoffe, dass ich mit diesem Interview die Kunden erreiche und Verständnis für meine Kollegen der Friseur-Innung Westmünsterland und mich wecke.“

Wie lässt sich die Krise Ihrer Meinung nach anders überwinden?

Honerbom: „So wie uns das jetzt auferlegt worden ist, kann das für Friseure weder körperlich noch wirtschaftlich gesund sein, wobei ich mir persönlich auch die Frage stelle, ob die Maßnahmen überhaupt in einem Kosten/Nutzen Verhältnis stehen. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch.

Man sollte wirklich alles tun, um dafür zu sorgen, dass niemand krank wird. Aber wir müssen jetzt Verhaltensregeln befolgen, von denen wir nicht mal wissen, ob diese überhaupt die gewünschte Wirkung erzielen und riskieren dabei unsere Existenz, unseren Lebenstraum, unser Leben, um am Ende vielleicht feststellen zu müssen, dass uns dies alles krank gemacht hat und vielleicht in der Konsequenz nicht so hilfreich war, wie gehofft. Aber nichtsdestotrotz gehen wir mit Elan und Kraft in die nächste Woche und freuen uns auf den Neustart.“