Mit dem Portrait-Projekt „Gesichter der Flucht“ wird den Geflüchteten ein Gesicht und ihrer individuellen Geschichte Raum gegeben.

RAESFELD. Gesichter der Flucht – Was bewegt Menschen dazu, ihr Zuhause und ihr Land zu verlassen? Was treibt sie an, welche Erfahrungen haben sie gemacht, welche Hoffnungen und Träume haben sie? Wie haben sie es zu uns geschafft und wie lebt es sich in der Fremde?

Mit diesen Fragen in Raesfeld haben sich Nicole Höbing, Integrationsbeauftragte der Gemeinde, Philipp Hatkämper, Jugendwerk Raesfeld und Silke Hard, ehrenamtliche Flüchtlingshelferin, auf den Weg gemacht.

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Nicole Höbing, Philipp Hatkämper und Silke Hard als Team sowie Gerd Gutschow aus Erle und Adeel aus Pakistan (v. l.). Foto: Daniel Bosse

In Interviews vor laufender Kamera ist es dem dreiköpfigen Team gelungen, dass fünf geflüchtete Menschen ihre ganz persönlichen Geschichte der Flucht erzählen.

Wege der Flucht

Der 24-jährige Adeel aus Pakistan beschreibt vor laufender Kamera den Weg seiner Flucht und die Gründe, die ihn nach Deutschland fliehen ließen. Heute, nach drei Jahren in Raesfeld sagt Adeel: „Ich lebe gerne hier, weil die Leute sehr nett sind und mich bei der Integration unterstützen“.

Schau hin Flüchtlinge Gesichter der Flucht
Adeel kommt aus Pakistan. Die Erlebnisse und Gründe seiner aus Flucht aus seinem Heimatland, beschreibt der junge Mann in dem Video.

„Das ist bereits das zweite Raesfelder Medienprojekt nach „Raesfeld kocht“, welches die Gemeinde gemeinsam mit dem Jugendwerk und den Flüchtlingshelferinnen im Rahmen des NRW Programm zur Förderung der Integration von Flüchtlingen und Neuzuwanderer in den Kommunen, erstellt hat“, so Markus Büsken, Leiter des Ortungsamtes.

Schicksal der Menschen

Die Ausstellung „Gesichter einer Flucht“ zeigt Porträtfotos und Videos geflüchteter Menschen aus der aktuellen Flüchtlingssituation, die Flucht aus der DDR und aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Geschichten und Texte bringen dem Betrachter das Schicksal der Menschen nahe, die ihre Heimat, ihre Familie und ihr ganzes, bisheriges Leben zurückließen.

Das ganze Projekt beruhe, so Nicole Höbing, auf Freiwilligkeit. „Ich habe ganz viele Menschen gefragt, aber viele wollten nicht aus Angst, oder wegen der Konsequenzen ihrer Familie im Heimatland, nicht mitmachen. Somit war die Suche nach Leuten schwierig. Eine spezielle und dramatische Fluchtgeschichte bringt jeder mit“.

Schau hin -Ausstellung mit Flüchtlingen 2018 Gesichter der Flucht
Der Erler Gerd Gutschow erzählt über seine Flucht als Kind nach dem 2. Weltkrieg.

Angst vor der Öffentlichkeit

Dass diese Menschen Angst vor der Öffentlichkeit haben, sei aber nur allzu verständlich, so Höbing. Gefunden hat das Team Menschen aus Syrien, Pakistan und Eritrea. Ein weiteres Problem sei, dass viele Flüchtlinge, so Silke Hard, ein Kriegstrauma mitbringen. „Das führte bei vielen dazu, dass sie ihre Geschichte nicht erzählen wollten“. Deswegen werden die Videos nur an Ausstellungstagen über einen QR-Code abrufbar sein. „Wir möchten mit der Ausstellung ausdrücken, dass es nicht ´der Flüchtling` ist, sondern der Mensch mit einer Geschichte“, so Höbing.

Die Menschen im Film erzählen ihre Geschichte, ohne dass ihnen vorher Fragen gestellt wurden. Spannende Lebensgeschichten, teilweise hochdramatisch. „Ich merkte selber, wie ich immer wieder gefesselt war. Geschichten, die auch ohne Worte, und nur an den Gesichtern der Protagonisten zu verstehen sind, mit all ihrem Leid und dem Erlebten“, so Höbing.

 

Auf dem Büchermarkt am 12. August am Schloss Raesfeld, wird die Ausstellung von 11 bis 18 Uhr erstmals zu sehen sein. Über einen QR-Code können die Videos während dieser Zeit online auf dem Smartphone angesehen werden. Für freies WLAN auf dem Büchermarkt ist gesorgt. Weitere Ausstellungen sind im Naturparkhaus und im Rathaus geplant.

Foto/Film: Daniel Bosse

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