Gartenblicke 2026 in Raesfeld: Im Garten der Familie Liesner am Wormstallweg summte, blühte und wuchs es an diesem Sonntag an jeder Ecke. Bei rund 35 Grad wurde der naturnahe Landgarten am Ortsrand schnell zur kühlen Überraschung: Zwischen Blumen, Gemüsegarten, Obstbäumen und Wildstauden zeigte sich ein Garten, der nicht nur schön aussieht, sondern vielen Insekten und Kleintieren Lebensraum bietet.

Ein heißer Sommertag mit rund 35 Grad liegt über Raesfeld. Doch im Garten der Familie Liesner verändert sich die Stimmung sofort. Schon beim Eintreten summt es an jeder Ecke. Zwischen Blumen, Gemüsegarten, Obstbäumen und viel Natur öffnet sich ein Landgarten, der wie frei gewachsen aussieht, aber viel Arbeit, Erfahrung und Liebe zeigt.
Kühle Überraschung am Ortsrand von Raesfeld
Draußen steht die Hitze über dem Ort. Hinter dem Gartentor am Wormstallweg empfängt die Besucher dagegen ein kühles Grün. Der Garten liegt am Ortsrand von Raesfeld, offen zur Landschaft und doch geschützt.
Bienen, Hummeln und andere Insekten fliegen von Blüte zu Blüte. Es krabbelt zwischen Stauden, Kräutern und Wildpflanzen. Obstbäume spenden Schatten, der Gemüsegarten zieht den Blick auf sich. Hier stehen die Besucher in einem Garten, der nicht nur schön aussehen soll. Er soll Lebensraum bieten.

Edith Liesner, Vorsitzende des Imkervereins Raesfeld, steht mitten in diesem Blütenmeer. Sie kennt die Pflanzen, ihre Wirkung und ihren Nutzen. In den vergangenen Jahren habe sie den Garten Schritt für Schritt naturnaher gestaltet. „Wir haben noch einen großen Gemüsegarten, auf den wir recht stolz sind. Außerdem haben wir uns in den letzten Jahren auf den Weg gemacht, unseren Garten noch insektenfreundlicher und naturnaher zu gestalten“, sagt sie.

Ein Garten bleibt immer in Bewegung
Für Edith Liesner endet Gartenarbeit nie. Pflanzen wachsen, säen sich aus, verschwinden wieder oder tauchen an anderer Stelle neu auf. Genau das macht für sie den Reiz aus.
„Da ist man auf dem Weg und man bleibt auf dem Weg, weil man damit nie fertig wird“, sagt sie. Den Arbeitsaufwand könne jeder selbst beeinflussen. Nicht jede Pflanze müsse festgebunden, geschnitten oder streng geordnet werden. Liesner setzt auf robuste Stauden, die ihren Platz selbst behaupten. „Gerade unsere Naturstauden, die hier sowieso leben, sind bevorzugt. Die sind von selber so stabil, dass man sie zum Beispiel bei Wind nicht anbinden muss. Die bleiben einfach alleine stehen.“

Im Garten dürfen sich Pflanzen aussäen. Dadurch sieht der Garten jedes Jahr anders aus. Manchmal verändert sich sogar die Blütenfarbe, weil Pflanzen sich untereinander befruchten. „Dann hat man plötzlich etwas, was man so vorher noch nicht hatte“, sagt Liesner.
Königskerze, Blutweiderich und wilde Möhren
Nach ihrer liebsten Naturstaude gefragt, muss Edith Liesner kurz überlegen. „Die große Königskerze und der Blutweiderich. Ich kann mich da schlecht entscheiden“, sagt sie.
Der Blutweiderich wächst auch an Böschungen und Straßenrändern. Bei Liesners bekommt er bewusst Raum im Garten. Für Edith Liesner gehören solche Wildstauden dazu. „Oftmals sind die Wildstauden ja seltener geworden als das, was man in den Baumärkten kaufen kann.“
Auch wilde Möhren und Wiesenmargeriten haben ihren Platz gefunden. Ein früherer Blühstreifen brachte viele Sorten in den Garten. Einige verschwanden wieder, andere blieben. Die wilden Möhren und Wiesenmargeriten passten zu Boden, Licht und Standort. Also blieben sie und säten sich weiter aus.

„Das, was hier gut leben kann, wo die Bodenverhältnisse passen, wo die Lichtverhältnisse passen, das hat den Blühstreifen überdauert und sich weiter ausgesamt“, sagt Liesner.
Nicht alles, was blüht, darf in den Garten
Edith Liesner achtet genau darauf, welche Pflanzen sie in den Garten holt. Viele Pflanzen aus verschiedenen Märkten kommen für sie nicht infrage. Nach ihrer Einschätzung werden viele importierte Pflanzen mit Pflanzenschutzmitteln behandelt.
Dann könne eine Staude zwar von der Blüte her bienenfreundlich aussehen, den Insekten aber trotzdem nicht guttun. „Das kommt in den Garten gar nicht rein“, sagt sie. Lavendel mag sie zwar, doch im eigenen Garten spielt er nur eine kleine Rolle. „Lavendel ist toll, aber ich kann nicht damit umgehen“, sagt sie. Eine Staude wächst zwar im Garten, doch bei ihr verholze Lavendel regelmäßig.

Gemüsebeet wird zur Insektenweide
Der Gemüsegarten nimmt bei Liesners viel Raum ein. Hier wachsen nicht nur Pflanzen für die Küche. Auch Gemüse lockt Insekten an. Als Beispiel nennt Edith Liesner den Grünkohl. Sie sät ihn im Juni aus, vereinzelt ihn später und erntet ihn nach dem ersten Frost. Wer nicht die ganze Pflanze abschneidet, sondern nur die unteren Blätter pflückt, lässt den Grünkohl weiterwachsen.
Im Frühjahr beginnt er zu blühen. „Ich stehe dann mitten in diesem Blühgrünkohl, der durchaus eine Höhe von 1,50 Meter oder 1,60 Meter erreichen kann. Und man steht in einem Meer von gelb-goldenen Blüten und in einem Meer von Insekten.“

Erst wenn der Platz für neues Gemüse gebraucht wird, räumt sie den Grünkohl ab. Bis dahin liefert er Nahrung für Insekten. „Und die Blüten schmecken sogar auch noch lecker“, sagt Liesner.
Kräuter, Ringelblumen und ein Rasen ohne englischen Anspruch
Auch Kräuter wachsen im Garten. Oregano nutzt Edith Liesner als Gewürzkraut und als Insektenmagnet. Wildkräuter bekommen ebenfalls Raum. Klassische Blühstreifen legt sie inzwischen weniger an. Stattdessen lässt sie schon einmal ein Stück Rasen stehen. Dort wächst, was sich durchsetzt. „Unser Rasen ist sowieso nicht der gepflegte englische Rasen“, sagt Liesner. Plötzlich kommen Margeriten hoch, Hornklee oder auch eine Ringelblume, die vielleicht vor Jahren einmal im Garten stand.
Dann bleibt sie stehen. Wenn sie sich versamt, kommt sie im nächsten Jahr vielleicht wieder. Oder auch nicht. Der Garten entscheidet mit.

Tipp für Anfänger: Erst informieren, dann pflanzen
Für Menschen, die ihren Garten naturnaher gestalten möchten, nennt Edith Liesner einen praktischen Tipp. Sie empfiehlt die App NaturaDB. Dort finden Nutzerinnen und Nutzer ausführliche Informationen zu Pflanzen.
Man gibt den Namen einer Pflanze ein und erfährt unter anderem, ob sie heimisch ist, welchen Boden sie braucht, wann sie blüht, welche Farbe sie hat, ob sie Insekten anzieht und wie viele Raupen sich von ihr ernähren können.
„Das ist wie ein Kochbuch“, sagt Liesner. Man gebe den Namen einer Blume ein, sehe Fotos in verschiedenen Stadien und bekomme viele Informationen. Für Anfänger sei das hilfreich, weil die App nicht verkaufe, sondern informiere.

Außerdem empfiehlt sie Vielfalt. Wer viele verschiedene Pflanzen im Garten hat, muss sich bei schwieriger Witterung nicht über eine einzelne Art ärgern. „Irgendwas funktioniert immer gut“, sagt sie.
Imkerverein Raesfeld zeigt sich am Tag der Gartenblicke
Am Tag der Gartenblicke ging es bei Liesners nicht nur um Pflanzen und Gestaltung. Auch der Imkerverein Raesfeld zeigte sich mit einem Stand. Für Edith Liesner passt das zusammen.
„Uns liegt als Imkerverein sehr am Herzen, dass Leute ihren Garten möglichst bienenfreundlich gestalten“, sagt sie. Deshalb informierte der Verein über Bestäubung, Naturschutz, Artenerhalt und reiche Ernte.
Denn ohne Bienen und andere Bestäuber funktioniert vieles im Garten und in der Landwirtschaft nicht. Der Verein freut sich über neue Mitglieder, aber auch über Interessierte, die sich erst einmal informieren möchten.

Honig aus der Region und klare Regeln
Auch Honig spielte eine Rolle. Edith Liesner verweist darauf, dass die Imkerinnen und Imker im Verein dem Deutschen Imkerbund angehören. Deutsche Imker hielten sich an die Honigverordnung. Dort stehe, dass Honig nichts anderes als Honig enthalten dürfe.
Die Vorgaben des Deutschen Imkerbundes gingen nach ihren Angaben bei bestimmten Punkten noch weiter, etwa beim Wassergehalt. Außerdem würden immer wieder Proben genommen.
Mit Blick auf importierte Honige sagt Liesner, dass diese leider häufig mit Sirupen verfälscht seien. Wer Honig bei einem Hobbyimker in der eigenen Region kaufe, bekomme nach ihrer Überzeugung reinen Honig. „Mit Liebe gemacht, mit Hand produziert“, sagt sie.

Ein Garten voller Arbeit, Ruhe und Leben
Der Landgarten am Wormstallweg setzt an diesem heißen Sonntag einen deutlichen Kontrast zu kurz geschnittenem Rasen und austauschbaren Zierbeeten. Hier wachsen Gemüse, Obstbäume, Naturstauden, Wildblumen und Kräuter nebeneinander. Pflanzen dürfen aussamen, Insekten finden Nahrung, und der Garten verändert sich von Jahr zu Jahr.
Zwischen Hitze, Blütenduft und Summen entsteht ein Ort, der Natur nicht nur zeigt, sondern zulässt. Und während draußen die Sonne über Raesfeld brennt, brummt und blüht es im kühlen Grün weiter.
















































