Lockdown, der 2. und was kommt dann? Friseursalons sollen ab dem 1. März wieder öffnen können, allerdings unter Hygieneauflagen.

Eine Sache der Menschenwürde und von ganz vielen Menschen sehnlichst erwartet, so begründete auch der bayerische Ministerpräsident Markus Söder die bevorzugte Öffnung.

Wichtiger Aspekt Frisör sei auch die Kommunikation. „Wir haben einen großen Anteil an Single-Haushalten in Deutschland und für diese ist ein Frisörberuf ein wichtiger und einziger Ansprechpartner  für viele ältere und alleinlebende Menschen.  Frisör ist genau für die Menschen nicht nur Körperpflege und Menschenwürde, sondern auch Kommunikation“, so Diana Brömmel.

In den Startlöchern steht auch Frisörmeisterin Diana Brömmel aus Raesfeld. Die zwei Monate Lockdown warfen bei der Frisörmeisterin aber auch viele Fragen auf.

Mitte Dezember, laufendes Weihnachtsgeschäft, das Corona-Virus greift um sich… und wir schließen die Salons. Aber wir sind nicht die einzigen, die es trifft: alle Textilgeschäfte, Baumärkte, Haushalt- und Spielwarengeschäfte, alle die nach einem anstrengenden kräftezehrenden Jahr auf ein gutes Ende hofften.

Hat nicht funktioniert: Aber es war für unser aller Gesundheit die einzig mögliche Entscheidung. Denn ein Virus, das aus dem „medizinischen Ruder“ gerät, können wir erst recht nicht vertragen.

Diana Brömmel Frisörmeisterin Erle
Foto: Helena Schlamann

Ruhiges Weihnachtsfest mit vielen Fragen

Und so hatte ich seit ca. 30 Jahren das erste Mal ein ruhiges Weihnachtsfest. Aber wollten wir Friseure das? Schöner ist es, wenn wir ermattet unter dem Tannenbaum sitzen und uns über die fröhliche weihnachtliche Stimmung der Kunden freuen.

Dann die bange Frage, wie geht es weiter? Wann dürfen wir wieder arbeiten? Und wer hilft uns in dieser auch finanziellen Krise? Wie lange reichen die Reserven, die man sich in den vergangenen Jahren angelegt hat? Was machen die Kunden in der Zwischenzeit? Halten sie durch, wie es so viele tun oder unterstützen sie die Schwarzarbeit in unserer Branche?

Heimarbeiter tragen Virus von Haus zu Haus

Und merkwürdigerweise sind es gerade das besonders schützenswerte Klientel, also ältere, vorerkrankte Menschen, die uns Friseure auffordern, in die Häuser und Familien zu kommen, um ihnen die Haare zu schneiden. Da frage ich mich doch, wie kann es möglich sein, dass wir unsere Salons mit aufwändigem Hygienekonzept schließen müssen und die „Heimarbeiter“ tragen das Virus von Haus zu Haus? Da haben doch manche den Sinn eines Lockdowns nicht verstanden!

Meiner Meinung funktionierte die Krisenbewältigung im vergangenen Jahr gut. Wir haben eine neue Krankheit, Situationen, die es noch nie in Deutschland gab. Und diese Probleme stellten uns alle vor große Herausforderungen und Lösungsmöglichkeiten.

Antragsformulare für die Wirtschaftshilfen

Und doch gibt es für mich etwas anzumerken: Wenn bereits im Frühjahr 2020 davor gewarnt wurde, dass wir eine zweite Welle bekommen, warum wurden dann die Organisation und Digitalisierung des Schulbetriebes nicht weiter vorangetrieben? Und – das ist besonders für mich und alle Friseure in Deutschland wichtig – warum war es nicht möglich, innerhalb eines halben Jahres die Antragsformulare für die Wirtschaftshilfen zu erstellen? Wenn die Formulare nicht fertig sind, nützt das bereit gestellte Geld nichts. Und man konnte damals schon sehr gut abschätzen, dass es gebraucht wird.

Zwei Monate sind nun vergangen, ich habe noch keine finanzielle Unterstützung erhalten. Nach den derzeitigen Aussichten werde ich wohl auch keine bekommen.

Zwei Monate ohne Einnahmen

Zwei Monate ohne Einnahmen, aber viele Kosten laufen weiter. Meine Mitarbeiterinnen bekommen Kurzarbeitergeld, sie wissen kaum, wie sie ihren Lebensunterhalt bestreiten sollen. Und dieses Mal kann ich es – anders als im April 2020 – nicht aufstocken. Jetzt heißt es nur noch, die letzten 2 Wochen durchhalten und dann geht es los.

Wir starten am 1. März 2021 um 8 Uhr und sind darauf gut vorbereitet.

Wir möchten arbeiten und gesund bleiben, auch wenn das Virus noch da ist. Vor allem wollen wir aber, dass unsere Kunden gesund bleiben.

Alles ist organisiert: Masken sind ausreichend vorhanden, verschiedene Desinfektionsmittel für alle Bereiche, die Abstände werden eingehalten und da wir die Personenzahl begrenzen müssen, werden wir in Schichten arbeiten.

Trotz des hohen Aufwandes sind wir sehr froh und glücklich, dass wir wieder arbeiten dürfen, denn im Vergleich zu anderen Bereichen, wie Gastronomie, Kosmetikerinnen und Geschäfte können wir schon mal loslegen.

Nun heißt es also, Ärmel aufkrempeln und durchstarten!

Diana Brömmel

Wir freuen uns auf die Kunden, die so lange auf einen Haarschnitt gewartet haben oder die sich nach frischer Farbe im Haar sehnen. Und ich meine, eine Frisur hat nicht nur etwas mit Körperpflege sondern auch mit Würde zu tun.

Ich wünsche uns einen guten Start und allen, die noch nicht wieder arbeiten dürfen, haltet durch! Nach dieser Durststrecke wird es eine Zeit geben, wo wir vor Ort einkaufen und uns wieder mit Freunden und Verwandten treffen wollen und das Leben genießen wollen.

Ich freue mich darauf!

Diana Brömmel

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