Raesfeld präsentierte sich auf dem Kapustafest in Wetschesch/Ungarn
Eine Delegation, allen voran Kappeskönigin Birgit (Kuhmann) und Kappesprinzessin Gelli (Möllmann) reisten am letzten Septemberwochenende, zusammen mit dem Kappeshobelteam Raesfeld, in das 1300 km entfernte ungarische Städtchen Wetschesch.
Den Kontakt zwischen den Organisatoren des gleichartigen Krautfestes in Vecses stellte bereits im Sommer 2008 Heinz Bröker her. Eine Städtefreundschaft, von der beide Parteien, dank des regen Gedankenaustausches, seit Jahren partizipieren. In diesem Jahr stellte dort der Ortsmarketing Raesfeld an zwei Tagen seine Kappesspezialitäten vor.

Raesfelder in Ungarn01
Vecses Bürgermeister Csaba Szlahó freute sich über den Besuch der Raesfelder Delegation mit Kappesprinzessin Gelli, und Kappeskönigin Birgit, sowie Heinz Bröker, dessen Begrüßungsrede von einer Dolmetscherin übersetzt wurde ( v. l.). Foto: privat

Das „Kapustafest“ startete mit einem großen Festzug durch die Kapustastadt. Auf einen eigens mit Sonnenblumen und Kohlköpfen dekorierten Festwagen, wurden die Raesfelder gemeinsam mit den Kappeshoheiten, zum Festplatz gefahren. Begrüßt wurde die Delegation auf der Bühne vom Bürgermeister Csaba Szlahó sowie von der Vorsitzenden des Kulturvereins, Katalin Schiller. Als Gastgeschenk überreichten die Kappeshoheiten einen kleinen Ableger der Erler Eiche und zum „Begießen“ den Erler Femetrunk.
„Der Renner war unser Krautsalat mit unterschiedlichen Dressings, wovon wir rund 2000 Portionen verteilten“, so Heinz Bröker. Natürlich fehlte auch nicht der Erler Korn sowie der Raesfelder Schlossgeist und die hiesigen fruchtigen Liköre. „Am frühen Sonntagnachmittag musste unser Stand, wegen Totalausverkauf schließen. Für uns natürlich dann eine willkommende Gelegenheit, selber über den ungarischen Markt zu bummeln und zu erleben“, so Heinz Bröker.

Die Kappeskönigin Birgit (Kuhmann), Vorsitzende des Kulturvereins Katalin Schiller und Kappesprinzessin Gerlinde (Möllmann)auf dem Kapustafest in Vecses (v. l.)

Im Gegensatz zu dem Raesfelder Kappesmarkt besteht der ungarische Markt in erster Linie aus Essen- und Getränkestände. „Wir wurden von den guten Gerüchen unwiderstehlich angezogen, denn in den Kesseln schmorten leckere Krautwickerl, gefüllte Paprika, Sauerkraut in unterschiedlichen Variationen sowie richtig scharfe Paprikagerichte. Selbst in den Backöfen backten die Köche Krautstrudel. Ein gastronomischer Hochgenuss für Krautliebhaber“, resümierte Heinz Bröker. „Wir mussten überall probieren, denn jeder pries sein Angebot als die beste Krautspezialität, den besten Schnaps und den besten Wein an und wir waren an allen Ständen herzlich willkommen“. Ein Grund dafür sei sicherlich auch die Kleidung gewesen. Die Hoheiten präsentierten sich festlich gekleidet, mit Holzschuhen an den Füßen und das „Begleitpersonal“ in Kälkes (Arbeitsjacken), Manchesterbuxen und Klumpen und seien der Blickfang auf dem Markt gewesen, so Bröker.

Informationen rund um Vecsés/Wetschesch

Auf das nach der türkischen Herrschaft entvölkerte Gebiet kamen 1786 wieder die ersten Ansiedler. Viele folgten dem Aufruf des Fürsten Anton Grassalkovich II. Die ersten dieser Bewohner stammten zum Großteil aus umliegenden schwäbischen, zum kleineren Teil aus ungarischen und slowakischen Dörfern. Der prozentuale Anteil der Deutschen in der Bevölkerung wurde mit den Jahren immer größer und so konnte Vecsés (deutsch Wetschesch) bald als deutsches Dorf bezeichnet werden. Die Siedlung bekam 1797 einen eigenen Pfarrer und eine deutschsprachige katholische Schule. Nach dem Bau der Eisenbahnlinie im Jahre 1847 nahm die Zahl der Einwohner ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in bedeutendem Umfang zu. Die neuen Ansiedler waren hauptsächlich Ungarn. Der Teil des Dorfes, der vorwiegend von deutschen bewohnt wurde, hat seine Atmosphäre bewahrt. Die deutschen Nachkommen bildeten bis zur Vertreibung eine zusammenhaltende Gemeinde.

Im Januar 1945 begann die Verfolgung der Deutschen. Aus Wetschesch wurden 327 Bürger zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion verschleppt. 1946 wurden ca. 1500 Personen aus ihrem Heimatdorf vertrieben und nach Deutschland umgesiedelt. An ihrer Stelle traten Agrarproletarier aus der Tiefebene sowie aus der Tschechoslowakei vertriebene Ungarn.
Erst in den Jahren nach 1990 wurde es möglich die deutschen Traditionen wieder zu beleben.
Als Erbe und Tradition der deutschen Einwohner sind die Blaskapelle, Tanzgruppen, die Pflege deutscher Volkslieder und Sprache und natürlich die Herstellung von Sauerkraut geblieben.

 

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