Die Milch ist mehr wert – Unter diesem Motto präsentierten sich am Mittwochvormittag Raesfelder Landwirte mit einem Stand vor dem Rewe-Markt.
In Raesfeld und Homer gibt es zur Zeit 62 aktive landwirtschaftliche Betriebe, wovon momentan nur noch 27 Höfe Milchkühe haben, zum Teil im Nebenerwerb.

Die Milch ist mehr wert. Um die Wertigkeit der Milch dem Verbraucher näher zubringen, standen die Junglandwirte aus Raesfeld und Homer Stepfhan Gesing, Ewald Becker, Felix Brömmel, Henrik Wilger und Markus Brömmel (v. l.) vor dem Rewe-Markt in Raesfeld.
Die Milch ist mehr wert. Um die Wertigkeit der Milch dem Verbraucher näher zubringen, standen die Junglandwirte aus Raesfeld und Homer Stepfhan Gesing, Ewald Becker, Felix Brömmel, Henrik Wilger und Markus Brömmel (v. l.) vor dem Rewe-Markt in Raesfeld.

Notwendige Anschaffungen getätigt

Wie zum Beispiel Stephan Gesing, der in dritter Generation einen landwirtschaftlichen Betrieb mit 100 Milchkühen führt. Im Jahr 2002 stieg der Junglandwirt auf einen Boxenlaufstall um und schaffte sich neue Maschinen an. „Die zwischenzeitlich guten Milchpreise im Jahr 2011 bis 2013 haben dazu geführt, dass dringend notwendige Anschaffungen, sprich Fütterungstechnik für Tiere, mehr Komfort wie Licht, Luft und mehr Platz getätigt wurden und wir viel Geld darin investiert haben“, so Gesing.

Nicht mehr kostendeckend produzieren

Erst das Russlandembargo 2014, dann die geschwächte chinesische Kaufkraft, sowie der Wegfall ab Oktober 2015 der Milchquote führten dazu, dass die Talfahrt für die Milchbauern begann. „Für uns Landwirte bedeutet das nun, dass wir auf diesem hohen Qualitätsstandart nicht mehr kostendeckend produzieren können“, erklärt Landwirt Felix Brömmel.
Gut 7000 bis 8000 Euro kostete die Umstellung für eine artgerechte Haltung der Kühe pro Stellplatz. „In der guten Zeit haben wir Raesfelder Jungbauern kräftig investiert, und nun können wir unsere Kredite nicht mehr abbezahlen. Viele müssen jetzt ein Liquiditätsdarlehn aufnehmen, um die laufenden Kredite abzubezahlen. Das sind Kredite ohne sichtbare Gegenleistung, einfach nur noch zum Existieren“, so Markus Brömmel vom Milchausschuss Kreis Borken.

Es bleibt nicht über

Aktuell am Mittwoch bekommen die Milchbauern 19 Cent pro Liter Milch. Bei den Fixkosten von 18 Cent pro Kuh in einem gut geführten Betrieb, sowie Pacht, Versicherung, Arbeitslohn, da kann sich jeder ausrechnen, was den Landwirten am Ende des Monats an Gewinn bleibt. Nichts.
Einig sind sich die Junglandwirte, dass die Milchmengen gedrosselt werden müssen. Raesfeld und Homer alleine produzieren in 27 Betrieben jährlich rund 20 Millionen Liter Milch. „Das heißt, dass bei einem Minus von 10 Cent gegenüber dem letzten Jahr alleine rund 2 Mill. Euro in Raesfeld an Kaufkraft fehlen. Wenn die deutschen Milchbauern nicht mehr kostendeckend produzieren können und aufgeben müssen, dann wird die Milch zukünftig aus dem Ausland, wie den USA, sprich TTIP kommen“, so Felix Wilger.

Milchpreise müssen steigen

Und das bedeutet nicht nur Qualitätsverlust. „Wir haben in Deutschland den höchsten Standard der Welt, die es dann nicht mehr geben wird. Darüber hinaus geht auch die Regionalität verloren“, so Ewald Becker. Um aus der Misere rauszukommen und um wirtschaftlich produzieren zu können, muss der Milchpreis mindestens auf 35 bis 40 Cent pro Liter steigen. „Nur so können wir unsere angelaufenen Löcher stopfen um wieder auf die Beine zukommen“, sagen unisono Stephan Gesing, Ewald Becker, Felix Brömmel, Markus Brömmel und Henrik Wilger.
Dass die Raesfelder Milchbauern an der Milchpreisschraube nichts ändern können, wissen sie. „Wichtig ist uns, und deshalb stehen wir heute hier, dass wir das Bewusstsein der Wertigkeit und der Nachhaltigkeit unserer Milch den Verbrauchern nahebringen und sie dafür sensibilisieren möchten“, ergänzt Henrik Wilger abschließend. Petra Bosse

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