Die Raesfelder Weihnachtskrippe ist etwas besonderes

Vor 55 (im Jahre 1928) Jahren lebte Kaplan Krabus, der zehn Jahre lang in der Kirchengemeinde St. Martin tätig war, den Grundstock für die Krippe. Mit einer Verlosung beschaffte er sich das Geld.

Immerhin 4000 ,- Mark, für die damalige Zeit viel Geld, kamen zusammen. Bis dahin gab es in der Kirchengemeinde die Weihnachtsoratorien.

Auf einer Bühne wurden von rund 15 Personen weihnachtliche Szenen aus der Bibel dargestellt. Da standen die Raesfelder Oratorienspieler unbewegt und mussten warten, bis die zur Szene gehörige Musik verklungen war. Dann wechselte die Einstellung. So wurde Jesu Geburt den Gemeindemitgliedern vorgespielt. Daneben existierte noch eine kleine kleinere Krippe, die in der Kirche aufgestellt wurde.

Kaplan Krabus wollte jedoch etwas Bleibendes haben und sah sich nach einem Krippenbauer um. Mit dem gesammelten Geld wurde eine stattliche Krippe bei Zehendbauer in München bestellt. „Ein großer Künstler war dieser Holzbildhauer“, gesteht Fachmann Ferdi Löchteken ohne Neid. „Die Figuren sind alle sauber ausgearbeitet, da stimmt alles. Auch die Farbgebung der Figuren ist außerordentlich genau gewählt und passt bis ins letzte Detail.“

Auch deshalb ist es einigen Raesfeldern heute noch ein leichtes, ehemaligen Mitbürger in den Figuren wieder zuerkennen. Ignaz Böckenhoff kannte einen der Hirten noch persönlich: „Der Anton Trienen war ein stiller, ruhiger Mann der in der Landwirtschaft arbeitete. Vielleicht hat der Krippenbauer damals nach dem Typ des Münsterländers  gesucht, um ihn in den Krippenfiguren zu verewigen.“

 

Einige Raesfelder Bürger wurden ebenfalls für würdig befunden, Modell zu stehen. Ob der Künstler nun selbst in Raesfeld weilte und sich seine Modelle aus der Kirchengemeinde holte, wissen auch Böckenhoff und Löchteken nicht mehr. „Vielleicht hat er auch nach Fotografien gearbeitet“, meint Böckenhoff, „denn nicht alle Figuren haben ja Ähnlichkeiten mit Raesfeldern, glaube ich doch sagen zu können.“

Aufbau der Krippe

Der ursprüngliche Aufbau der Krippe, der perspektivisch genau festgelegt war, ist in den der jetzigen Aufstellung leider nicht mehr zu sehen. Früher standen die Figuren in einem bühnenartigen Rahmen mit einem gewölbten Hintergrund aus Leinwand, auf dem eine palästinensische Landschaft aufgemalt war, die farbig angestrahlt wurde. „Das war so perfekt gemacht“, so Ferdi Löchteken, „ dass wirklich eine räumliche Darstellung entstand.“ Die einzelnen Figuren mussten auf vorbestimmte Plätze gestellt werden, da sie verschiedene Größen hatten.

Erscheinungshirten

Erst dadurch entstand vom Standpunkt des Betrachters aus ein dreidimensionales Bild, das durch die Verkürzungen eine Tiefe bewirkte. Die Figuren wurden auch mehrmals umgestellt oder ergänzt. So standen an Heiligabend die Erscheinungshirten in der Szene, die Grotte aus Pappmachè mit der Krippe und dem Jesuskind war in den Vordergrund gerückt. Danach traten die Heiligen Drei Könige mit Elefanten, Dienern und Geschenken auf.

Foto: Reinhard G. Nießing, Text: Franz Meinert -WAZ 1983

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