Die Flüchtlingskatastrophe ist meiner Meinung nach unter drei Aspekten zu betrachten: Ursache, Auswirkung/Folgen, Ursachenbekämpfung.
RGN-Portrait 13.01.2015Mit den verheerenden Anschlägen auf die „Twin Towers des World Trade Center“ in New York, am 11. September 2001, begann das neue Jahrtausend mit einer schrecklichen Katastrophe, die eine ungeahnte Wirkung zur Folge haben sollte und eine Konsequenz, unter der wir bis heute alle zu leiden haben. Damals habe ich einen Satz zur Kenntnis nehmen müssen, der bei mir hängen geblieben ist und mich bis heute beschäftigt – er lautete: „Die Welt wird sich dramatisch verändern und nie wieder so sein, wie sie einmal war.“

Rückblende: Zwölf Jahre zuvor, nach dem Ende des Eisernen Vorhangs und dem Fall der Berliner Mauer waren die Menschen in Europa euphorisiert. Die ganze Welt teilte ihr Glück und die neu gewonnene Freiheit. Jetzt durften die Menschen in ganz Europa nach der Symphonie ihrer Hymne: „Ode an die Freude“, Friedrich von Schillers idealistische Vision teilen, wonach alle Menschen Brüder werden. Sie lagen sich freudetrunken in den Armen, der Kalte Krieg schien endgültig überwunden. Gott sei Dank. Einerseits sollte die Staatengemeinschaft der Europäische Union mit Stolz auf ihre Auszeichnung mit dem Friedensnobelpreis 2012 sein. Andererseits Scham erfüllt, angesichts ihres herz- und mitleidslosen Umgangs mit den Hilfesuchenden unserer Tage, ihres kleinkrämerischen Verhaltens bei der Verteilung von „Flüchtlingskontingente“. Eine Schande, weil sie auf diese Weise weder ihrem Anspruch für Mitmenschlichkeit noch der Intention ihrer Hymne gerecht wird:

Nach 9/11 knöpften sich die USA, in Kooperation einer großen Allianz, zunächst einmal diejenigen Staaten vor, die für die Attacken gegen Amerika ihre Sympathie und Verständnis bekundet hatten oder weil sie in Verdacht standen, Sympathisanten Unterschlupf zu gewähren. „Die Achse des Bösen“ wurde neu definiert, jagt auf Terroristen gemacht und Kriege geführt. Die Folgen sind bekannt: Länder des Nahen und Mittlere Osten sind mittlerweile völlig aus den Fugen geraten, ihre Urbanisation größtenteils- und ihre Infrastruktur total zerstört. Im Zuge dessen und nicht zuletzt auch deshalb, weil selbsternannte oder willkürlich benannte Despoten als politische Trittbrettfahrer ihre eigenen Kriege führten und bis zum heutigen Tag Menschen verfolgen und massakrieren lassen. Übrigens: Das unsere eigene Rüstungsindustrie „Gewehr bei Fuß steht“ und gerne aufrüstet wo Geld zu machen ist, ist doch eine Selbstverständlichkeit an der wir uns längst gewöhnt haben. Hauptsache, unsere Wirtschaft brummt.

Frage: Welches Land und welche Region im Nahen Osten gelten denn als befriedet? Vielleicht Afghanistan in Zentralasien, das allein 54 Bundeswehrsoldaten den Tod brachte? Die Besten, die unser Land hatte. Wer entwickelt eine Strategie für den Frieden? Die UN, die EU, wir Deutsche oder der Vatikan? Wofür werden Politiker gewählt, Diplomaten ins Amt gebracht, Kommissionen gebildet und Delegationen entsannt? Befinden sich die sogenannten Konflikt- und Friedensforschung Institute gleichsam im Dornröschenschlaf? Wenn das Grundübel, Hunger, Krieg und Elend, nicht an den Wurzeln bekämpft wird, dann werden die Flüchtlingsströme dieser Zeit nicht abreißen. Wer möchte schon seine Kinder verhungern lassen, umgebracht werden oder sein Heimat verlieren? Die weltweite Allianz gegen die Nazi- Barbarei hat viele Opfer gefordert. Eine gewaltige Kraftanstrengung, die auch mit kriegerischen Mitteln geführt werden musste, weil die Diplomatie versagt hat. Nichtsdestotrotz war sie erfolgreich. Heutzutage sollten diejenigen in ihre Schranken verwiesen werden, die gegen das internationale wie gegen das Völkerrecht in eklatanter Weise verstoßen. Im Zuständigkeitsbereich und unter Führung der Vereinten Nationen.

Friedensgruß und ÜbersetzungEs scheint allerdings so, als hätten sich die „einfachen Menschen“ selbst auf dem Weg gemacht, hüben wie drüben. Menschen in höchster Not sind unterwegs und wir können ihnen unsere Hilfe nicht verweigern, weil sie bei uns angekommen sind. Öffnet eure Herzen und eure gute Stube, bevor der Abriss folgt. „Alle Menschen werden Brüder, wo dein sanfter Flügel weilt“, lautet ein Satz aus der Europa-Hymne. Der Friedensgruß unter muslimischen Brüdern heißt übersetzt: „Der Friede sei mit Euch und Allahs Barmherzigkeit und seine Gnade.“ In drei Monaten feiern wir das Weihnachtsfest… und unsere christliche Maxime lautet: Herr, erbarme dich.

Reinhard G. Nießing

Raesfeld, den 16. September 2015

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