Autofahren auf Indisch – Geht das auch bei uns in Raesfeld oder Erle?

Der Beobachter hat sich Gedanken darüber gemacht und kommt zu folgendem Ergebnis …  

Neues bei „Klatsch und Tratsch von DeWo“ (8)
Anders als bei uns, fährt man in Indien auf der linken Straßenseite. Es wird aber auch rechts gefahren, je nachdem, wenn sich’s gerade so ausgeht. Aber meistens links. Und das klappt auch ganz wunderbar, wenn jeder will, dass es klappt. Und die meisten Inder wollen.

Nun wär’s doch vielleicht mal ganz interessant, sich die Indischen Autofahrermanieren mal bei uns in Raesfeld vorzustellen, oder?

Also, ich komme von Erle und will nach Raesfeld in die Stadt.
Da ist dieser Kreisel, bei der Feuerwehr und der Tankstelle. Da sollte man eigentlich so drum herum fahren. Aber mal ehrlich jetzt: Wie bescheuert ist das denn? Viel einfacher ist es doch, wenn ich mich vor dem Kreisel ganz links außen halte und mir diesen bekloppten Umweg spare, oder?
Okay, da kommt mir jetzt dieser blöde Milchlaster entgegen. Aber das macht gar nix, wenn wir uns beide ganz schön ganz links halten. Dann haut das Eins-A hin. Gut, vielleicht gehen die Randsteine zu dem Gemüsegarten mitten auf dem Kreisel zu Bruch, wenn der Milchlaster da drüber fährt. Na und? Die braucht sowieso kein Mensch. Wenn die erstmal weg sind, dann hoppelt’s auch nicht so, wenn man wegen des Gegenverkehrs mal in die Rabatten ausweichen muss. Also weg damit.
Ich bin glücklich an dem Milchlaster vorbei und jetzt auf der Dorstener Straße. Ganz links außen. Aber das ist kein Problem für den Gegenverkehr. Schließlich gibt’s da ja noch den Radweg und den Bürgersteig, die man benutzen kann. Die Radfahrer und Fußgänger nehmen da schon Rücksicht drauf (bleibt ihnen ja auch nix anderes übrig, schließlich bin ich ja der Stärkere).

Was heißt hier überhaupt: Fahrspur?

Okay, jetzt muss ich mich dann aber irgendwann wieder in den rechts fließenden Verkehr einordnen (da geht’s schneller voran, als wenn man immer nur vom Gegenverkehr aufgehalten wird).
Die Chance ergibt sich ein Stück weiter, an der Verkehrsinsel, wo man zum Schloss abbiegt. Da kommt einer, der will da hin. Den kann ich von vorne umfahren, und während der sich durch den Gegenverkehr schlängelt, fädele ich mich wieder auf meiner rechten Fahrspur ein. Was heißt hier überhaupt: Fahrspur? Eine Straße hat immer so viele Fahrspuren, wie Autos nebeneinander passen. Das variiert, je nachdem, wie breit die Autos sind und ob’s ‘n Bürgersteig gibt oder nicht.

Weiter vorne muss ich aufpassen. Da hat ein Polizist seinen Streifenwagen so geschickt an der Einmündung der Borkener-Straße aufgebaut, dass er die drei Fahrbahnen zu nicht mehr als einem Drittel versperrt. Hat also jeder noch ‘ne reelle Chance, da dran vorbeizukommen. Wenn er sich nicht allzu blöd, sondern nur ‘n bisschen geschickt anstellt.
Also, der Streifenwagen steht da mit rotierendem Blaulicht, aber sonst ganz friedlich. Und der Polizist lehnt gelassen am linken Kotflügel und beobachtet mit den Augen des Argus den laufenden Verkehr, indem er, geneigten Hauptes, höchst angestrengt auf sein Smartphone starrt. Da hat ihm seine Frau vermutlich gerade per „WhatsApp“ den Einkaufszettel für’s Abendessen geschickt, und wehe, wenn er da was vergisst! Dann zieht ihm vermutlich die Alte aber abends die Ohren lang, wenn er seiner Schutzmannspflicht Genüge getan hat. Was weiß ich.

Hupen als Ausdruck von Lebensfreude?

Jedenfalls stört dieser Polizist niemanden, am allerwenigsten belästigt er rechts oder links vorbeifahrende Autofahrer. Wieso auch? Solang’s nicht kracht, gibt’s ja dafür auch keinen Grund. Und es kracht ja auch nicht. Es hupt nur. Warum, weiß kein Mensch. Es hupt eben. Wenn das Hupen ein Ausdruck der Lebensfreude sein sollte, dann sind indische Autofahrer jedenfalls höchst lebensfrohe Menschen. Das muss man feststellen.
So, jetzt komme ich aus der Borkener-Straße und will auf die Dorstener, Richtung Kreisel. Also links abbiegen. Ausnahmsweise fahre ich rechts, weil da im Moment am meisten Platz ist. Auf der Dorstener allerdings ist der Teufel los. Auto an Auto, aus beiden Richtungen. Und die haben alle Vorfahrt. Also steh ich da, bis im nächsten Herbst die Blätter von den Bäumen fallen. Eigentlich.

Geschmeidig nach indischer Methode

Wenn ich das aber uneigentlich ganz geschmeidig nach der indischen Methode mache, dann nicht. Also umschiffe ich zuerst mal diesen blöden Streifenwagen und fahre dann, beherzt aber umsichtig, so schräg in den Gegenverkehr hinein, dass vor mir noch genügend Platz zum Vorbeifahren bleibt, bis der Platz hinter mir dafür ausreicht. Auf die Art und Weise muss keiner anhalten, der Verkehr fließt zügig um mich herum und ich bin schon mal in der Straßenmitte angekommen. Dann gilt es, sich ebenso zügig und umsichtig in den in meine gewollte Richtung fließenden Verkehr einzuordnen. Die Autofahrer auf der Dorstener sehen das und weichen schon mal auf den Bürgersteig aus, damit ich mich einordnen kann. Klappt auch wunderbar. Niemand muss anhalten, alle drücken fröhlich auf die Hupe, und der Verkehr fließt ungehindert weiter.

Das täte er auch, wenn da jetzt ‘ne Ampel stünde. Weil, ‘ne Ampel, die rot ist, weist ja nur darauf hin, daß man mit Querverkehr rechnen muss. Ebenso wie ‘ne grüne Ampel auch. Und was das gelbe Licht da soll, weiß sowieso kein Mensch, und es interessiert auch keinen.

Wie gesagt, so was funktioniert. Bestens. In Indien. Aber ich frage mich: Wieso nicht auch bei uns in Raesfeld?

Gute Fahrt
Wünscht

DeWo

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