Tick-Tack – Neues vom Beobachter
Wochenlang war Raesfeld-Erle zeitlos schön. Es war Fastenzeit und man sagt ja, Kirchenglocken und Orgel flögen am Gründonnerstag nach Rom (warum auch immer, diese Frage hat mir bislang noch niemand schlüssig beantworten können). Anscheinend tun das seit neuestem auch die Kirchturmuhren. Jedenfalls waren sie auf einmal weg. Und ich geh mal davon aus, dass die auch in Rom waren, wo sich offensichtlich der ganze Kirchenklüngels vor Ostern ein Stelldichein gibt. Uhren früher als Glocken und Orgeln; vielleicht haben erstere da mehr zu tun, was weiß ich.

Keine Kirchturmuhr

Und so kam es, dass ich wochenlang, immer wenn ich auf dem Weg zum Edeka war und wissen wollte, was mir die Stunde geschlagen hatte, ins Leere guckte. Keine Uhr, keine Zeit, keine Eile. Eigentlich gar nicht so verkehrt. Wie sagt man doch immer: Dem Glücklichen schlägt keine Stunde (und auch keine Gattin, wenn man’s genau nimmt).

Foto: Georg Badurczyk

Aber das ist nun vorbei. Anscheinend hat sich beim Ostereiersuchen im Raesfelder Schloßpark auch die Erler Kirchturmuhr samt Zifferblättern und Zeigern wieder angefunden. Es wird gemunkelt, der Osterhase habe den ganzen Krempel mal gründlich renoviert. Das wäre nämlich allmählich mal an der Zeit gewesen, soll er gemeint haben. Gesagt, getan und die gepfefferte Rechnung nach Münster an den Bischof geschickt. Guter Osterhase, so lob ich mir das!

LED-beleuchtet

Jetzt hängt alles wieder ordnungsgemäß an seinem Platz, und die Leute in Erle kennen, wenn auch nicht unbedingt den Tag, dann doch die Stunde. Nachts sogar LED-beleuchtet. Und da sage noch einer, die Erler seien rückständig. Doch im Leben nicht!

Bleibt zu hoffen, dass die Dinger besser funktionieren als die Ampel, vorne an der Kreuzung. Von wegen Überspannung oder so. Wobei ich – nebenbei gesagt – vermute, dass das sowieso Kappes ist. Eher dürfte die Ampel – gewerkschaftlich organisiert und dem Ampeltarifvertrag des öffentlichen Dienstes beigetreten – ihre Arbeitszeit auf höchstens so-und-soviel Stunden am Tag beschränkt haben. Den Rest der Zeit ist sie eben außer Dienst und blinkt träge vor sich hin. So was soll’s ja geben, im öffentlichen…

Foto: Georg Badurczyk

Vergoldete Kirchturmuhr

Aber so was machen Kirchturmuhren nicht. Der Liebe Gott ist immer im Dienst und seine Uhren auch. Basta! Allemal solche, die nicht nur im LED-Licht erstrahlen, sondern darüber hinaus auch noch einen goldigen Schein haben. Wegen der runderneuerten Zifferblätter. Die sind zwar nicht so richtig aus Gold (sooo dicke hat’s die Kirchengemeinde nun auch wieder nicht), aber zumindest sind sie vergoldet. Das macht doch was her, oder? Da fühlt man sich als Erler doch gleich ‘ne Nummer größer. Wir mögen in den Augen Anderer vielleicht ein kleines, unbedeutendes Kaff sein, aber wir haben eine vergoldete Kirchturmuhr. Das haben diese Anderen, die sich womöglich wichtiger nehmen, noch lange nicht. Ätsch!

Nachtwächter

Hoffentlich werden die Zifferblätter nicht geklaut, jetzt, wo sie vergoldet sind. In Raesfeld und Erle wird ja in letzter Zeit überall und immer häufiger eingebrochen, und alles mögliche wird geklaut. Warum also nicht auch vergoldete Zifferblätter vom Kirchturm? Vielleicht sollten sich die Leute vom Kirchenvorstand deshalb mal überlegen, ob sie nicht einen Nachtwächter einstellen sollten, der auf die güldenen Preziosen, mit denen der Kirchturm von St. Silvester nunmehr behängt ist, Obacht gibt. Das sollte ja kein Problem sein. Schließlich gibt’s ja Nachtwächter genug. Notfalls im Landtag. Da werden nach den Wahlen im Mai garantiert etliche arbeitslos.

Aber wie auch immer. Zunächst mal und hoffentlich für eine lange Zeit, sehen die Leute in Erle goldenen Zeiten entgegen. Das ist doch toll, oder?

Ein schönes Wochenende
wünscht

DeWo
(der gerade in ein Glas mit goldenem Wein darin schaut)

2 KOMMENTARE

  1. Da wir in Erle ja den schöneren und vor allem höheren Kirchturm haben als die in Raesfeld ist die Vergoldung der Uhr doch nur eine logische Maßnahme, nicht wahr? An St. Martin wäre das viele Gold ja verschwendet, da könnte man noch so viel dran machen, besser aussehen würde deren Kirche dadurch auch nicht.
    Da können die noch so oft mit ihrer piefigen neuen Orgel angeben, die sieht man nicht von außen, unser Kirchturm ist es, der im Sonnenschein nun alles überstrahlt. Das die Raesfelder das auch noch finanziert haben ist doch die Kirsche auf der Sahnetorte. 🙂

  2. Also, jetzt sind Sie doch mal nicht so widerlich gegen die armen Raesfelder, Herr Kleerbaum! Sonst ziehen die Ihnen am Ende noch die Sache mit dem „Äußerlichen Schein“ und den „Inneren Werten“ über den Schädel, und dann sehen Sie auch ganz schön bedeppert aus. Nee, lassen Sie denen mal ihre neue Orgel (ob die „piefig“ klingt, weiß ich nicht, hab sie noch nicht gehört; gestimmt werden sie sie ja wohl haben, und immerhin müssen sie sich „unseren“ Organisten ausborgen, um ihnen die Pfeifen blasen zu lassen), damit sie beim Schweben in höheren Sphären auch die entsprechende Begleitmusik haben, während wir hier in Erle (wie schon gesagt) ziemlich bodenständig den goldenen Zeiten entgegensehen. Ihre Sache, zu beurteilen, wer da den bessern Teil vom Schinken abgekriegt hat.

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