Der Beobachter – Klatsch und Tratsch (20)

Der Beobachter – Klatsch und Tratsch (20)

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Es begab sich aber zu der Zeit…
…dass ein Gebot vom Landeswahlleiter ausging, dass alle Politiker geschätzt würden. Und diese Schätzung war nicht die erste nach Gründung des Landes Nordrhein-Westfalen und geschah zur Zeit, da Merkel Statthalter in Berlin war. Und jedermann ging, dass er abschätzen sollte, ein jeder in seine Stadt…

So geschrieben bei Lk2, 1-3, oder so ähnlich.

Und darum, aus gegebenem Anlaß heute mal ein Gedicht, das Sie vermutlich alle kennen.

Neu interpretiert und frei – SEHR frei – nach Theodor Storm.

Von draus vom Lande komm ich her;
Ich muss Euch sagen, es wahlkampfet sehr!
Allüberall auf den Tannenspitzen
Sah ich Wahlplakate blitzen;
Und droben aus dem Landtagstor
Sah mit großen Augen das Kraft-Kind hervor.
Und wie ich so strolcht durch plakatverseuchten Tann,
da rief’s mich mit Krakeeler-Stimme an:
„Hey Wahlknecht“, rief es, „alter Gesell,
hebe die Beine und spute Dich, schnell!
Die Politiker fangen zu leuchten an,
Die Wahllokaltore sind aufgetan,
Alt und Jung sollen nun
Vom Steuernzahlen einmal ruh’n.
Von morgen ab hetze ich über die Erden,
denn ich will ja wiedergewählt werden.

So geh Du dann rasch von Haus zu Haus
Such mir die guten Wähler aus
Damit ich ihrer mag gedenken
Mit Wahlversprechen sie mag beschenken.
Ich sprach: „Ach Du lieber Herre Christ,
die Legislaturperiode schon wieder zu Ende ist.
Jetzt ziehen sie wieder von Stadt zu Stadt,
wo’s eitel gutes Stimmvieh hat.
Hast denn das Säcklein auch bei Dir?“
Sie sprach: „Das Säcklein, das ist hier.
Voll mit meinen Wahlversprechen,
die dumme Wähler gerne fressen.“
„Hast denn die Rute auch bei Dir?“
Sie sprach: „Die Rute, die ist hier.
Doch für die Andern, nur die schlechten,
und ganz besonders für die Rechten.“
Kraft-Kindlein sprach: „Ich mach’s schon recht,
und geh mit dem Jäger, dem treuen Knecht.“
Von drauß, von der Autobahn kommt er her,
er will Euch sagen: Es blitz-marathont sehr.
Wie ansonsten er’s im Inneren find:
Sind’s gute Kind…, sind’s böse Kind?
Was sich da so herumtreibt auf Bahnhofsvorplätzen,
das kann er allerdings überhaupt nicht abschätzen.
Sagt: „Die Kindlein sind wohl alle gut,
haben nur mitunter was trotzigen Mut.“
Ich sage: „Ei, ei, für solch einen trotzigen Mut
Ist doch die lange Rute gut.
Heißt es bei Euch denn nicht mitunter:
Nieder den Kopf und die Hosen herunter?“
Der Jäger gibt an: „Wie einer sündigt so wird er gestraft;
Doch sind die Kinder zumeist alle brav.
Da kann ich ganz ruhig in der Amtsstube hocken
Und auf der Straß die Chauffeure abzocken.“
Ich frag: „In der Stub steckst die Nase ins Buch,
und liest und schreibest und rechnest genug?“
„Ach was“, antwortet er, „das macht schon die Kraft.
Und hofft darauf, daß sie’s noch einmal schafft.“
Ich seufze: „Ach, nein und nach uraltem Brauch
Sagt sie wohl ihre Wahlkampfsprüchlein auch?“
„Natürlich!“ ruft er. „Und nicht im stillen Kämmerlein,
nein, die Grugahalle muß es sein.“
Und gar, als ich dort durch die Tür getreten,
die Wahlkampfparolen hört ich sie beten.

So vernahm ich dann Kraft-Kindeleins Gruß
Es war alles andere als ein Genuß.
Ich wollt nicht probieren von ihren Gaben.
Wer weiß, kann woanders vielleicht was besseres haben?
Ich fürchte, bald kommt mit seinem parteilichen Schein
Das Kraft-Kindlein selber zu mir herein
Heut hält es noch im Landtag Wacht,
doch morgen schon… – Na dann: Gute Nacht!

Ein frohes Wochenendfest
Wünscht

DeWo (der die allgegenwärtigen Wahlplakate mit ihren Grinsegesichtern und Parolen drauf so dämlich findet, daß er sie am liebsten von den Bäumen pflücken und zu einem zünftigen Osterfeuer auftürmen würde)

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