Neues von DeWo zu SoKo Raesfeld
Letzte Woche habe ich zugegeben, dass ich gelegentlich den Kanalwähler der Fernbedienung (neudeutsch: Zapperbutton der Remote Control) auf einen der beiden öffentlich-rechtlichen Seniorensender einstelle. Schande über mich, und Asche auf mein Haupt, aber so isset nu ma.

Was guck ich mir da an?

Zum Beispiel die Krimis, abends um fünf nach sechs im Zweiten. Immer umschichtig, an allen Werktagen, ist dort jede Stadt, die ‘n bisschen was auf sich hält, mit einer SoKo vertreten. – Wie jetzt, Sie wissen nicht, was ‘ne „SoKo“ ist? Ja, wie uninformiert ist das denn? Eine „SoKo“ ist eine „Sonderkommission“ der Kriminalpolizei, die sich mit besonders übel daherkommenden Verbrechern und ihren höchst verachtenswerten Untaten beschäftigt, letztere stets so um kurz vor sieben, also kurz vor den „Heute“-Nachrichten (medientechnisch höchst günstig, – Honi soit qui mal y pense) aufgeklärt und erstere in den Knast verfrachtet hat (außer bei der SoKo Wien, da werden die Übeltäter von den Kiberern dingfest gemacht und kommen in‘n Häf’n). Wobei die Jungs und Mägdelein von der exekutiven Staatsmacht („exekutiven“ hab ich gesagt, nicht „exekutierenden“, Mensch!) immer ganz besonders schneidige Exemplare der Gattung Homo Sapiens-Sapiens sind. Besonders die Gerichtsmediziner, die, derweil sie sich angelegentlich mit dem Darminhalt des so grausam Dahingemeuchelten beschäftigen, genussvoll in ihr Räucherlachsbrötchen beißen, während aus den Lautsprechern im Obduktionssaal stimmungsvoll Reinhard Mays „Heiße Schlacht am Kalten Buffet“ erklingt. Eben Dramaturgie vom Feinsten.

Wie ich nun also ein ums andere Mal die Ausgeburten der Kulturschaffenden unserer Öffis auf mich einwirken lasse, frage ich mich: Wieso gibt’s eigentlich keine SoKo Raesfeld? Finden Sie nicht auch, dass die in dieser Sammlung (gerade noch) fehlt?

Gut, das Polizeipräsidium der Stadt Raesfeld ist jetzt nicht gerade ein imposantes Gründerzeitgebäude mit von Streifenwagen zugeparktem Innenhof, sondern eher eine Ein-einhalb-Zimmer-Wohnung im Rathaus, die auch nur werktags stundenweise besetzt ist, aber das können wir ja in den Drehbüchern geflissentlich mal wegphantasieren.

Einen Polizeipräsidenten haben wir auch nicht, den müsste man sich basteln. Ich schlage vor, einen Dr.-phil. Alois Schlötenkötter, Ende fuffzig, untersetzt, mit wirkungsvoller, schweißperlenverzierter Totalglatze und einem Schnauzbart wie Willi das Walross, der, in ständiger Panik vor den Pressekonferenzgelüsten des städtischen Politikerhäuptlings, seine Jungs und Mädels von der SoKo zu verbrechensaufklärerischen Höchstleistungen antreibt. Als Gerichtsmediziner ließe sich bestimmt einer der ortsansässigen Allgemeinmediziner verdingen. Der braucht ja nicht gerade den Darminhalt zu untersuchen, es reicht ja, wenn er filigran mit einer Flex vom Sani-Brömmel den Brustkorb des Ermordeten eröffnet. Die notwendigen Kriminalhauptkommissare und –innen ließen sich bestimmt aus den diversen, lokalen Theatergruppen rekrutieren, einschließlich Harry, der schonmal den Wagen holt. Fertig ist die SoKo Raesfeld.

Was nun die Verbrechen in Raesfeld angeht, also Mörder haben wir ja in unserer schönen, friedlichen Stadt nun, weiß Gott, genug. Ich zähle mich jedenfalls dazu. Hab ich doch erst letzten Herbst auf meiner Terrasse so eine widerlich dicke Schmeißfliege mit der Fliegenplätsche um ihr Leben gebracht. Die Tat ist bis heute ungesühnt, ich befinde mich noch immer auf freiem Fuß und das „Tatwerkzeug“ mitnichten in der Asservatenkammer, sondern bei mir im Keller (neuer Einsätze harrend). Und ich garantiere, bei vielen meiner Nachbarn ist Ähnliches geschehen.

Los geht’s mit dem Krimi.

Als Titelmelodie nehmen wir natürlich die Fünfte von Beethoven (Tä-tä-tä-täääh!), die hat sowas wundervoll Hinterhältiges (das liegt am c-moll). Und der Fall ist der von mir begangene, bislang nicht offiziell aufgeklärte Schmeißfliegen-Mord. Die Tat wird verlegt von der Terrasse ins Speisezimmer einer Villa in einem exklusiven Raesfelder Vorort (Erle natürlich, wo denn sonst?), in der die Dame des Hauses gerade den Nachmittagskaffeetisch für ihr Damenkränzchen gedeckt hat. Inmitten des feinen Hutschenreuther-Porzellans prangt eine kunstvoll verzierte Buttercremetorte, in deren Mitte sich besagtes, späteres Schmeißfliegenmordopfer niedergelassen hat. Aus dem Off hört man einen tierischen Schrei, es erscheint im Bild der Meuchler (natürlich mit dem Rücken zur Kamera, der Film soll ja spannend bleiben), und mit Wucht fährt die Fliegenplätsche auf die bedauernswerte Schmeißfliege hernieder. Und mitten rein in die Buttercremetorte, die sich daraufhin in ihre Bestandteile zerlegt und im räumlichen Umkreis des Speisezimmers Wände, Möbel und Auslegeware ziert.

Damit bekommt nun diese Mordtat ihren besonderen, dramaturgischen Kick.

Wenn man sich nämlich die Buttercremetortensauerei in der Bude mal näher ansieht (Kamerafahrt in Großaufnahme an den Wänden entlang und auf das Mordopfer, das ebenso zerschlagen wie der bleikristallene Kuchenteller auf der Brüsseler Spitzentischdecke liegt), und das tun die Kriminalhauptkommissare, nebst dem herbeigerufenen, allgemeinmedizinischen Pathologen, der als Todesursache ein „Schädel-Hirn-Trauma“ feststellt, hervorgerufen durch einen Schlag mit dem allseits bekannten „Stumpfen Gegenstand“ (also, ich kann da nur ‘ne zermatschte Schmeißfliege erkennen, aber ich bin eben auch kein Medizinmann), dann muss man zwangsläufig zu dem Schluss kommen, dass es sich hier um einen Fall von Organisierter Kriminalität handeln muss. Es liegt offensichtlich nahe, dass sich die ortsansässige Handwerkerschaft des Maler-, Tischler- und Teppichbodenverleger-Gewerbes zusammengerottet hat, um gegen die notorisch renovierungsresistenten Hausbesitzer endlich mal was zu unternehmen.

Ein Auftragsmord also. Und sowas in Raesfeld!

Natürlich wird der Mord aufgeklärt und der Mörder zu den Klängen von Hazy Osterwalds „Kriminal Tango“ zum Abtransport in den Kerker des Raesfelder Schlosses in einen der Lieferwagen der Bäckerei Spangemacher verfrachtet (jaaa, mein Gott, eine „Grüne Minna“ von der Polizei war eben gerade nicht verfügbar), um daselbst der weiteren Gerichtsbarkeit entgegenzuschmachten.

Schlussbild – Werbung…

Ich sage, Ihnen, mit der SoKo Raesfeld werden wir die Kulturschaffenden des ZDF dermaßen hurtig aus den Sesseln holen, dass die sich vor schierer Begeisterung in die Hosen machen. Wetten?

Schönes Wochenende
wünscht

DeWo
(Und: Finger weg von der Fliegenplätsche!)

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