Lehrerfortbildung auf dem Betrieb Schemmer in Reken

Reken. Obwohl sie uns täglich auf dem Teller begegnen, haben viele Kinder und Jugendliche heute keinen Bezug mehr zur Herkunft ihrer Lebensmittel. Selbst auf dem Land ist das so, wie Landwirtin Kathrin Jünck aus Velen von einer Begegnung mit einem Nachbarskind berichtet: „Ich habe mit dem Mädchen darüber gesprochen, dass wir die Kühe auf unserem Bauernhof halten, um Milch zu erzeugen. Die Fünfjährige schaute mich groß an und fragte mich, warum wir das machen. Schließlich könne man die Milch doch im Supermarkt kaufen.“

Beste äußere Bedingungen

Jünck gehörte genauso wie einige weitere an Schulkontakten interessierte Landwirte zusammen mit Lehrkräften von Grund- und weiterführenden Schulen in der Region zu den 18 Teilnehmern einer Lehrerfortbildung. Diese fand bei besten äußeren Bedingungen auf dem Hof der Familie Schemmer in Reken statt. Eingeladen hatten gemeinsam der Bildungsanbieter „Stadt und Land in NRW e.V.“ sowie der Landwirtschaftliche Kreisverband Borken.

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wirtschaftet die Familie an dem Standort in der Bauerschaft Hülsten. Über die Jahre hinweg haben sich Schemmers auf die Mastschweine- und Hühnerhaltung, den Kartoffelanbau  sowie zunehmend auch auf die Direktvermarktung spezialisiert. Beim Hofrundgang von Betriebsleiter Hendrik Schemmer konnten alle Teilnehmer erleben, dass Landwirtschaft etwas für Überzeugungstäter mit Herz und Verstand ist:

„Ins Bauer sein bin ich von Kindestagen an reingewachsen. Eigentlich war das für mich immer klar. Aber ich habe diesen Weg bis heute auch nie bereut.“ Genauso vielfältig wie das Berufsbild des Landwirts sind auch die möglichen Lern- und Erfahrungswelten auf dem Bauernhof für Kinder aller Altersstufen, wie die spontane Ideensammlung dazu in der Abschlussrunde ergab. „Auch als Jobchance taugt die Landwirtschaft“, wie Lehrer Thomas Leuker vom Driland-Kolleg in Gronau erkannte. Denn nicht nur für Bauernkinder steht der Beruf offen. Inzwischen kommen 40 Prozent der Landwirte-Azubis im Kreis Borken nicht mehr selber vom Hof.

Immer noch viel Handarbeit

Trotz aller Technisierung und Digitalisierung: In manchen Fällen, vor allem bei der Pflege und Ernte der neuesten Ackerkultur auf dem Hof, der Süßkartoffel, ist immer noch viel Handarbeit gefragt. Hendrik Schemmer klagt zwar verbal etwas über die arbeitswirtschaftliche Herausforderung der Frucht. Aber das Leuchten in seinen Augen verrät, dass es auch einen besonderen Wert hat, wenn der ganze Familienclan mit 10 bis 15 Leuten an einem Samstag zur Ernte mit anpackt: „Und zum Schluss freut man sich dann beim gemütlichen Abschluss über die geleistete Arbeit.“

Zum Schluss der Lehrerfortbildung konnten sich alle beim Süßkartoffel-Waffel-Tasting (nach Rezept und frisch zubereitet von Hendriks Mutter Elisabeth) davon überzeugen, dass Landwirtschaft und Genuss zusammen gehören.

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