Zweifaches 500-jähriges Glockenjubiläum in Raesfeld

Orgelbauverein lädt zu Konzert und Geburtstagskaffee ein

Raesfeld (pd). Der Orgelbauverein lädt aus Anlass des Glockenjubiläums zu einem Konzert ein, wozu der versierte Handglockenchor aus Gescher gewonnen werden konnte. Am Sonntag, 25. September präsentiert der Chor um 15.30 Uhr in der St. Martin Kirche ein dreiviertelstündiges Konzert mit Kompostionen u.a. wie „Stairway to Heaven“ (Led Zeppelin), „Viva la Vida“ (Coldplay), „River Flows in You“ (Yiruma), „From a Distance“ sowie „The Rose“ (Bette Middler) – ein ungewöhnliches, aber sehr eindrückliches Hörerlebnis ist garantiert!glocken

Vor und nach dem Konzert wird Stephan Büsken die beiden Geburtstagsglocken beim Beiern zum Klingen bringen. Im Anschluss an das Konzert werden die Landfrauen auf dem Kirchplatz am Glockenturm backfrische Waffeln und der Orgelbauverein Getränke anbieten. Der Erlös aus Spenden für das Konzert und dem Geburtstagsumtrunk sollen natürlich der neuen Orgel zu Gute kommen.

Orgel St. Martin Raesfeld

Glocke für St. martin vor 500 Jahren gegossen

In mancherlei Hinsicht ticken die Uhren heute in vielen Lebensbereichen anders als noch vor wenigen Jahren. Zwei Glocken des Raesfelder vierstimmigen Geläuts aber erklingen bis heute durch alle Wirren der Zeit unverändert. 500 Jahre sind es her, dass Wolterus Westerhues mit seinen Helfern 1516 für die Raesfelder St. Martin Kirche am Rande des Dorfes zwei Glocken gegossen hat.

Wahrscheinlich in der Nähe der heutigen Straße „Am Frauenberg“ stand der Schmelzofen. Weitere Straßennamen wie „Glockengrube“ und „Westerhuesweg“ erinnern an dieses Ereignis.
Martinus (Tonhöhe Es) und Katharina (Tonhöhe Fis) heißen die beiden Geburtstagsglocken. Damit gehören sie zu den ältesten erhaltenen und noch fast täglich erklingenden Glocken in Deutschland. Beide konnten vor Zerstörung und Einschmelzen für Rüstungszwecke während der beiden Weltkriege gerettet werden.

abgabe-raesfelder-glocken-1942
Adalbert Friedrich und der Heimatverein Raesfeld haben die Geschichte der Raesfelder Glocken u.a. in den heimatkundlichen Blättern und im Buch „Rund um den alten Kirchturm“ vorbildlich dokumentiert. 1942 hatte Raesfeld zwei Glocken abzuliefern. Die alte Martinusglocke von 1516 sollte aus „kriegswirtschaftlichen“ Gründen eingeschmolzen werden. Die Katharinaglocke blieb als einzige im Turm hängen.

Der damalige Pfarrer Austermann und einige wenige Eingeweihte ließen die Martinusglocke jedoch nach Greven bringen und in den Turm der dortigen St. Martins-Kirche hängen. Die Grevener Pfarrei gab eine jüngere Glocke zum Einschmelzen ab. So überlebte die alte Martinusglocke und kam im Dezember 1945 nach Raesfeld zurück.