Grenznahe und grenzüberschreitende Verkehrsprojekte vorantreiben

Bürgermeister aus dem Kreis Borken und der Regio Achterhoek trafen sich in Winterswijk

 Kreis Borken/Regio Achterhoek (pd). Im Fußball prägt Rivalität das deutsch-niederländische Verhältnis. Gemeinsame Ziele standen dagegen beim Treffen der Bürgermeister aus dem Kreis Borken und der Regio Achterhoek im Mittelpunkt. In der ehemaligen Textilfabrik „Tricot“ im Herzen von Winterswijk sprachen sie unter anderem über grenzüberschreitende und grenznahe Verkehrsprojekte.

Der Verkehrsdezernent des Kreises Borken, Dr. Hermann Paßlick, erläuterte den Stand der Gespräche über eine Schienenverbindung zwischen Arnheim und Münster. Hierzu soll im Rahmen eines von der EU geförderten Projektes eine Potenzialanalyse erstellt werden. Paßlick ist zugleich Ver¬bandsvorsteher des Zweckverbandes Schienenpersonennahverkehr Münsterland (ZVM).

Auch für die deutsche Seite interessant ist der geplante Ausbau der Nationalstraße N 18 zu einer Schnellstraße bzw. Autobahn. Die sogenannte Twenteroute führt von Varsseveld über Lichtenvoorde, Groenlo, Eibergen und Haaksbergen nach Enschede. Die Planungen für den Lückenschluss zwischen den niederländischen Autobahnen 18 und A35 laufen bereits seit 1975. Der Wethouder (Beigeordnete) der Gemeinde Oude Ijsselstreek, Gerard van Balveren, erläuterte den aktuellen Stand. Die niederländische Regierung hat 300 Millionen Euro für das Projekt zur Verfügung gestellt. Für den Ausbau der gesamten, 67 Kilometer langen Strecke wären allerdings etwa 550 Millionen Euro erforderlich. Somit können in einem ersten Schritt nur Teilabschnitte ausgebaut werden, erklärte van Balveren.

Bei der deutsch-niederländischen Zusammenarbeit komme es vor allem auf die gute Kooperation an der Basis, zwischen Kommunen und Kreisen, an, betonte Maarten Lak, Botschafter für die Nachbarländer im niederländischen Außenministerium. Besonders zu Nordrhein-Westfalen unterhielten die Niederlande enge Beziehungen. Ausdruck seien unter anderem die regelmäßigen „3 plus 3-Treffen“, an denen die Regierungspräsidenten von Düs¬seldorf, Köln und Münster sowie die Kommissare der Königin aus den Provinzen Limburg, Gelderland und Overijssel teilnehmen.

Deutsch-niederländische Kooperationen vorantreiben will aktuell auch das niederländische Innenministerium. Es arbeitet an einem „Chancenatlas für Gemeinden zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit“ und sucht nun nach Partnern auf der deutschen Seite. Simone Barel und Roderik Ponds, Mitarbeiter des Ministeriums, stellten das Konzept vor. Im Rahmen von Ex-perteninterviews sollen gute, aber auch weniger gute Erfahrungen aus konkreten Pro¬jekten zusammengetragen werden. Daraus sollen dann Potenziale und Hindernisse für zukünftige Vorhaben abgeleitet werden.

Seine Arbeit bereits aufgenommen hat das „Work Innovate Centre“ – kurz WIC – in Winterswijk. Es bringt Studierende kurz vor dem Abschluss und Unternehmen aus der Region zusammen. Joost de Ruijter von der „Stiftung WIC“ erläuterte das Konzept: Unternehmen aus der Grenzregion wenden sich mit konkreten Problemstellungen an das WIC, das ent¬sprechende Aufträge an Studierende vergibt und zugleich die Betreuung durch Dozenten sicherstellt. Weitere Informationen gibt es unter www.hetwic.nl.

Hermann Kaiser, Bürgermeister der Stadt Doetinchem und Vorsitzender der Regio Achterhoek, ermunterte die anwesenden Bürgermeister und die weiteren Vertreter der Kommunen und des Kreises, sich angesichts der Euro-Krise mehr denn je aktiv für ein positives Europa-Bild einzusetzen.

Landrat Dr. Kai Zwicker betonte: „Egal wie die Duelle auf dem Fußballplatz ausgehen, wir werden auch in Zukunft gute Freunde sein und unsere Zusammenarbeit weiter ausbauen.“

Die Konferenz in Winterswijk folgte einem Treffen im Mai 2011 im Bocholter Ortsteil Suderwick nach. Auch für das kommende Jahr ist bereits eine Wiederholung geplant, dann auf der deutschen Seite der Grenze.

Zum Thema: Ehemalige Textilfabrik „Tricot“

Die ehemalige Textilfabrik „Tricot“ illustriert die gemeinsame textile Vergangenheit der niederländisch-deutschen Grenzregion in besonderer Weise. Das Gebäude aus dem 19. Jahrhundert wird heute als Ausstellungsraum sowie als Wohn- und Bürogebäude genutzt. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.tricotwinterswijk.com.

Foto: An der Bürgermeisterkonferenz in Winterswijk nahmen von deutscher Seite unter anderem die Bürgermeister Rudolf Geukes (Isselburg), Andreas Grotendorst (Raesfeld), Dr. Christoph Holtwisch (Vreden), Friedhelm Kleweken (Legden), Josef Niehoff (Schöppingen) und Dr. Christian Schulze Pellengahr (Velen) sowie Landrat Dr. Kai Zwicker, Kreisdirektor Dr. Ansgar Hörster und Dr. Hermann Paßlick, Verkehrsdezernent in der Kreisverwaltung, teil.