Leere Kühlregale, ausgeräumte Tiefkühltruhen und zahlreiche Lebensmittel, die entsorgt werden müssen: Ein mutmaßlicher Cyberangriff hat am Montag, 2. November 2026, die Kältetechnik im REWE-Markt in Raesfeld lahmgelegt. Unbekannte sollen die Steuerung manipuliert und die Temperaturen auf plus 50 Grad Celsius eingestellt haben. Marktbetreiber David Büsken rechnet mit einem erheblichen Schaden.
Kühlanlagen am Morgen auf Abtauen gestellt
Als David Büsken am Montagmorgen seinen REWE-Markt betrat, bemerkte er, dass die Kühlanlagen nicht mehr ordnungsgemäß arbeiteten. „Da war alles auf Abtauen eingestellt“, berichtet Büsken. Erst später habe sich herausgestellt, dass offenbar Unbekannte auf die Steuerung der Kältetechnik zugegriffen hätten. „Die Temperaturen waren auf 50 Grad plus gestellt“, schildert der Marktbetreiber.
Nach seiner Einschätzung sei die Manipulation gezielt erfolgt. Durch die veränderten Einstellungen werde kein entsprechender Alarm ausgelöst. Gleichzeitig könne die Ware dadurch schnell verderben.

Fleisch, Wurst, Käse und Tiefkühlkost müssen entsorgt werden
Die Folgen sind im Markt deutlich zu sehen. Kühlregale und Tiefkühlbereiche stehen leer. Betroffen sind nach Angaben von Büsken unter anderem Fleisch, Wurst, Käse, Joghurt, Pizza und weitere Tiefkühlprodukte. Sämtliche betroffenen Lebensmittel müssen entsorgt werden. Eine Weitergabe an soziale Einrichtungen oder andere Abnehmer komme nicht infrage, da die Kühlkette unterbrochen worden sei. „Wird die Kühlkette nicht eingehalten, dann kann man das nur noch entsorgen“, erklärt Büsken.
Die Entsorgung übernimmt nach seinen Angaben ein beauftragtes Unternehmen. Wie groß der Schaden tatsächlich ist, lässt sich derzeit noch nicht beziffern. In den Kühlregalen lagern zahlreiche Milchprodukte, Fleischwaren und Tiefkühlartikel. Hinzu kommen die täglich angebotenen Mengen an frischem Fleisch, Wurst und Käse an den Bedientheken. Entsprechend umfangreich dürfte die Menge der Lebensmittel sein, die nun entsorgt werden müssen.
Wie viele Kilogramm oder Tonnen Ware betroffen sind und wie hoch der finanzielle Schaden ausfällt, kann Büsken derzeit noch nicht sagen.

Kühlregale sollen am Dienstag wieder gefüllt sein
Büsken hofft, dass die Kühlanlagen bereits am Montagnachmittag wieder in Betrieb genommen werden können. „Wir hoffen, dass heute Nachmittag die Kühlanlage wieder läuft“, sagt er. Für Dienstagmorgen hat der Markt eine Sonderbestellung bei REWE aufgegeben. Die Lieferung soll die entsorgten Lebensmittel ersetzen. „Sollte eigentlich morgen früh alles wieder funktionieren“, erklärt Büsken.
Wenn die Kältetechnik wie geplant wieder arbeitet, könnten die Kühlregale ab Dienstag, 3. November, erneut mit frischer Ware gefüllt werden.

Kältesteuerung betroffen: Hinweise auf weitere Fälle
Nach Angaben von Büsken betrifft der mutmaßliche Cyberangriff die Steuerung der Kältetechnik des Herstellers Danfoss. Das für die Wartung der Kühlanlagen zuständige Fachunternehmen habe ihn darüber informiert, dass auch mehrere Anlagen in anderen Teilen Deutschlands betroffen seien.
Laut einer Reuters-Meldung vom 2. November erklärte Danfoss, dass eigene Produkte von den Angriffen auf Kühlanlagen europäischer Supermärkte betroffen waren. Ob der Vorfall in Raesfeld damit zusammenhängt, ist weiterhin unbestätigt.
Auffällige Parallelen zu Cyberangriffen in Europa
Die Schilderungen von David Büsken weisen deutliche Parallelen zu den aktuellen Cyberangriffen auf Supermärkte in mehreren europäischen Ländern auf. Wie FOCUS Online berichtet, hätten Unbekannte auch dort Kühlanlagen manipuliert, Abtauprogramme aktiviert und teilweise Temperaturen von bis zu 70 Grad Celsius eingestellt.
Auch im REWE-Markt Raesfeld waren nach Angaben von Büsken die Kühlanlagen auf Abtauen und die Temperaturen auf plus 50 Grad eingestellt. Der Marktbetreiber geht von einem gezielten Angriff auf die Steuerung aus. Bereits im Oktober waren Supermärkte in Frankreich von vergleichbaren Angriffen betroffen. Ob der Vorfall in Raesfeld Teil derselben Angriffswelle ist, lässt sich bislang nicht abschließend bestätigen.

Keine eigene Cyberversicherung abgeschlossen
Eine eigene Cyberversicherung habe er für seinen Markt nicht abgeschlossen, erklärt Büsken. Die Verwaltung der Daten erfolge zentral über die REWE-Gruppe. „Da unsere Daten alle zentral bei der REWE verwaltet sind, hat sich das für mich nicht erschlossen, da eine Cyberversicherung abzuschließen“, sagt der Marktbetreiber.
Ob und in welchem Umfang der entstandene Schaden durch Versicherungen oder andere Regelungen abgedeckt ist, steht noch nicht fest

























