StartGemeinde RaesfeldRaesfelder wird 100 Jahre alt und hat mit 105 noch etwas vor

Raesfelder wird 100 Jahre alt und hat mit 105 noch etwas vor

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100 Jahre alt und noch lange nicht müde: Alfred Czernia aus Raesfeld feierte am Samstag (7. November) seinen runden Geburtstag im HUB Erle mit Familie und Freunden. Auch Bürgermeister Dirk Kuhmann gehörte zu den Gratulanten. Hinter dem Jubilar liegt ein bewegtes Leben mit schweren Schicksalsschlägen, schönen Erinnerungen und vielen Veränderungen. Dass er einmal 100 Jahre alt werden würde, hätte Alfred selbst kaum für möglich gehalten. Doch er blickt bereits nach vorn: Mit 105 Jahren möchte er vielleicht noch einmal heiraten.

Mit 100 Jahren noch selbstständig und mitten im Leben

Wer mit Alfred spricht, merkt schnell, dass dieser Mann noch einiges zu erzählen hat. Er lebt weiterhin selbstständig in seiner eigenen Wohnung in Raesfeld. Sein Frühstück bereitet er selbst zu, sein Bett macht er ebenfalls alleine und auch um seine Wäsche kümmert er sich noch. „Ich mache mein Frühstück alleine, mache meine Betten alleine, mache meine Wäsche alleine“, erzählt er. Lediglich beim Wohnungsputz bekommt er einmal in der Woche Unterstützung.

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100. Geburtstag im HUB Erle: Bürgermeister Dirk Kuhmann (links) gratulierte Alfred zu seinem besonderen Ehrentag. Auch die Familie feierte mit dem Jubilar. Foto: Privat

Seit acht Jahren lebt der ehemalige Bergmann in Raesfeld. Zuvor war Walsum sein Zuhause. An seinem heutigen Wohnort gefällt es ihm ausgesprochen gut. Besonders die Gemeinschaft in seinem Wohnhaus schätzt er. Rund 32 bis 34 Menschen leben dort. Jeden Dienstag treffen sich die Bewohner zum gemeinsamen Kaffeetrinken mit Kuchen. „Das ist super“, sagt er. Auch mit dem Bürgermeister ist er zufrieden. Der habe die Bewohner bereits besucht und persönlich nachgefragt, ob ihnen etwas fehle oder was sich verbessern lasse.

Drei schwere Schicksalsschläge überstanden

Dass der Raesfelder heute seinen 100. Geburtstag feiern kann, ist für ihn selbst kaum zu glauben. Denn sein Leben ist von drei schweren Schicksalsschlägen geprägt. Im Krieg wird er schwer verwundet und verbringt fast ein halbes Jahr im Lazarett. Später erleidet er während seiner Arbeit im Bergbau einen folgenschweren Unfall. Der gelernte Schlosser arbeitet insgesamt 23 Jahre auf einer Zeche in Walsum. Bei dem Unglück gerät er unter eine Diesellokomotive, wird rund 20 Meter mitgeschleift und verliert sein rechtes Bein. Drei Jahre dauert die Behandlung.

Vor vier Jahren trifft ihn eine schwere Virusinfektion. Wieder steht sein Leben auf dem Spiel. „Da war ich fast am Ende“, erinnert er sich. Dass er sich davon erholt und nun tatsächlich 100 Jahre alt wird, kann er selbst kaum glauben. Auch privat muss er viel verkraften. Beide Ehefrauen erkranken an Demenz. Beide pflegt er jeweils drei Jahre lang, bevor sie sterben. Heute lebt er allein, hat aber einen guten Freund im Haus gefunden. Gemeinsam gehen sie Kaffee trinken, verbringen Zeit miteinander und genießen ihren Alltag.

Tanzen, Musik und moderne Technik

Zu den schönen Erinnerungen seines Lebens gehört vor allem das Tanzen. Bereits mit 18 Jahren besucht er einen Tanzkurs. Später lernt er beim Tanzen seine zweite Frau kennen. Gemeinsam mit Freunden gehen die beiden 14 Jahre lang regelmäßig tanzen. Ob Tango oder andere Gesellschaftstänze, er ist mit Begeisterung dabei. Nur der Walzer will ihm nie so recht gelingen. Sein Tanzlehrer habe ihn damals in dieser Disziplin zum hoffnungslosen Fall erklärt, erzählt er schmunzelnd.

Auch heute spielt Musik für ihn eine wichtige Rolle. Deshalb darf sie bei der Feier im HUB Erle nicht fehlen. Der Musiker sitzt beim Gespräch bereits mit am Tisch. Der Jubilar hofft mit einem Augenzwinkern, dass dieser auch etwas bestellt habe, damit er ihn bezahlen könne.

Mit moderner Technik kommt der 100-Jährige ebenfalls gut zurecht. Smartphone, Computer und Laptop gehören zu seinem Alltag. „Ich habe einen Computer, ich habe ein Smartphone und einen Laptop. Alles funktioniert noch“, sagt er zufrieden. Besonders schätzt er, dass er sich täglich über Nachrichten und aktuelle Entwicklungen informieren kann.

Auch die Politik beschäftigt ihn. Die Ereignisse des Jahres 1933 hat er als Kind selbst miterlebt. Deshalb betrachtet er den politischen Erfolg der AfD mit Sorge und zieht Parallelen zu seinen damaligen Erfahrungen.

Ein besonderer Tag im HUB Erle

Heute genießt Alfred Czernia das Zusammensein mit Familie und Freunden. Musik und gute Gespräche gehören für ihn dazu. Nach allem, was er erlebt und überstanden hat, weiß er die gemeinsamen Stunden zu schätzen.

Und was wünscht sich jemand, der ein ganzes Jahrhundert erlebt und sich trotz aller Rückschläge seinen Humor bewahrt hat? Die Antwort kommt mit einem Lachen. Er möchte gerne 105 Jahre alt werden. Und dann hat er noch etwas vor: „Da wollte ich mit 105 noch mal heiraten.“ Ob daraus tatsächlich etwas wird, bleibt abzuwarten. Fest steht aber, dass der Raesfelder auch mit 100 Jahren noch Pläne hat und das Leben genießt.

Als Alfred am 7. November 1926 geboren wurde, sah die Welt noch ganz anders aus. Einige Ereignisse aus seinem Geburtsjahr:

1926: Was in Alfreds Geburtsjahr geschah

  • 6. Januar: Die Deutsche Lufthansa wird gegründet.
  • 16. März: In den USA startet die erste Flüssigkeitsrakete erfolgreich.
  • 24. April: Deutschland und die Sowjetunion unterzeichnen den Berliner Vertrag.
  • 12. Mai: Das Luftschiff „Norge“ überfliegt den Nordpol.
  • 3. September: Der Berliner Funkturm wird eingeweiht.
  • 8. September: Deutschland wird Mitglied des Völkerbundes.
  • 10. September: Außenminister Gustav Stresemann hält seine erste Rede vor dem Völkerbund.
  • 14. Oktober: Das Kinderbuch „Winnie-the-Pooh“ erscheint erstmals in London.
  • 4. Dezember: Das Bauhausgebäude in Dessau wird eingeweiht.
  • 10. Dezember: Gustav Stresemann und Aristide Briand erhalten den Friedensnobelpreis.

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