Mit geschlossener Unterstützung der CDU-Fraktion hat der Rat der Gemeinde Raesfeld in seiner letzten Sitzung des Jahres 2025 die Planung zur Neugestaltung des Kirchplatzes St. Martin beschlossen. Vorgesehen ist die Umgestaltung des südlichen Platzbereichs, verbunden mit der Fällung der bestehenden Bäume und anschließenden Ersatzpflanzungen.

Umgestaltung betrifft mehrere Platzbereiche
Die beschlossene Planung für den Kirchplatz St. Martin Raesfeld umfasst den Bereich am westlichen Kirchportal, die Fläche südlich der Kirche mit einer vorgesehenen Terrasse an der Rückseite des Dorfwirts sowie den Abschnitt rund um das östliche Kirchportal an der Borkener Straße. Ziel der Maßnahme ist eine funktionale und gestalterische Neuordnung des Platzes. Im Vorfeld hatte sich bereits der Bau- und Umweltausschuss mit dem Vorhaben befasst, die Entscheidung jedoch wegen offenen Klärungsbedarfs an den Rat abgegeben.

Verwaltung begründet Eingriff mit baulichen und technischen Problemen
Bauamtsleiter Bernd Roters erläuterte dem Rat die Sicht der Verwaltung. Bei einer Begehung seien erhebliche Probleme im Wurzelbereich mehrerer Bäume festgestellt worden. Teilweise hätten sich die Wurzeln unter dem Pflaster ausgebreitet. Ursache seien ungünstige Bodenverhältnisse mit Schutt und Schotter, die ein Tiefenwachstum verhindert hätten.

Besonders kritisch bewertete die Verwaltung zwei Bäume an der Borkener Straße. Ein Ahorn nahe des Zebrastreifens weise laut Gutachten keine ausreichende Vitalität mehr auf. Eine Sommerlinde stehe teilweise auf einem Feuerlöschbecken, wodurch sich die Wurzeln ausschließlich oberflächennah entwickeln konnten. „Ein Erhalt wäre nur mit massiven Eingriffen in den Wurzelbereich möglich“, erklärte Roters. Ob die Bäume dies überstehen würden, sei nicht verlässlich absehbar.
Hinzu kämen notwendige Kanalarbeiten im Untergrund des Platzes, die durch die bestehende Wurzelstruktur zusätzlich erschwert würden. Auch ein weiteres Gutachten habe keine andere fachliche Bewertung ergeben.

Forderungen nach Änderungen finden keine Mehrheit
Aus den Reihen der Grünen äußerte Fraktionsvorsitzender Henry Tünte erneut grundsätzliche Bedenken gegen das Vorhaben. Er forderte, weitere Entsiegelungsmöglichkeiten zu prüfen und bei der Neubepflanzung auf heimische Baumarten zu setzen. Nach der Abstimmung kommentierte er das Ergebnis mit den Worten: „Schade um die Bäume.“
Auch die UWG sprach sich gegen einen pauschalen Umgang mit dem Baumbestand aus. Fraktionsvorsitzender Volker van Wasen regte an, Alternativen aus den Gutachten stärker zu berücksichtigen und die Planung insgesamt noch einmal anzupassen. Zugleich signalisierte er die Bereitschaft seiner Fraktion, zumindest auf die beiden äußeren Bäume an der Borkener Straße zu verzichten. Beide Positionen konnten sich im Rat nicht durchsetzen.

CDU sieht Entscheidung als sachlich notwendig an
CDU-Fraktionsvorsitzender Dr. Bernhard Bonhoff bezeichnete die Planung für den Kirchplatz St. Martin als schwierig, aber unumgänglich. Die vorliegenden Gutachten zeigten deutlich, dass die bestehenden Probleme auf frühere Pflanzfehler zurückzuführen seien. „Wir müssen die Realität anerkennen“, sagte Bonhoff. Innerhalb der CDU habe es intensive Beratungen gegeben, am Ende habe es jedoch keine tragfähige Alternative gegeben.
Der Rat folgte einem CDU-Antrag, bei der Auswahl der neuen Bäume einen externen Fachplaner einzubeziehen. Vorgesehen ist, für die Ersatzpflanzungen ausreichend große Bodenräume mit speziellem Substrat anzulegen, um langfristige Schäden zu vermeiden.
Im Bereich des westlichen Kirchportals sollen neue Bäume gepflanzt und die angrenzende Gastronomie aufgewertet werden. Ziel ist eine gestalterische Öffnung des Areals. In diesem Zusammenhang verwies der Erste Beigeordnete Markus Büsken auf eine Unterschriftenliste eines Gastronomen, der sich für die Entfernung eines Baumes ausgesprochen hatte.
Beschluss ebnet Weg für Ausschreibung
Anträge auf weitergehende Planungsänderungen fanden keine Mehrheit. Der Rat beschloss die Umsetzung der Planung einschließlich der Fällung der Bäume. Auf Wunsch der CDU soll zudem der Bereich um den sogenannten dicken Stein in die weiteren Überlegungen einbezogen werden.
Mit dem Ratsbeschluss ist die Voraussetzung für die Ausschreibung des Projekts geschaffen. Bürgermeister Dirk Kuhmann bezeichnete diese als notwendige Grundlage für das weitere Verwaltungshandeln. Die Neugestaltung des Kirchplatzes St. Martin Raesfeld kann damit vorbereitet werden.

Infokasten: Gutachten Bäume am Kirchplatz St. Martin
Am Kirchplatz St. Martin in Raesfeld werden im Zuge der Neugestaltung alle neun bestehenden Bäume gefällt. Grundlage ist ein Gutachten des Baumsachverständigen Markus Lamers.
Westliches Kirchportal (Außengastronomie)
Bäume Nr. 1 bis 3, Sommerlinden
Wurzelverletzungen durch frühere Pflasterarbeiten, erhöhte Pilzgefahr, ungeeignete Baumart für Gastronomie.
Empfehlung: Fällung und Ersatzpflanzung, vorgeschlagen wird die Säulenhainbuche.

Zwischen Kirche und Wohnbebauung
Bäume Nr. 4 bis 6, Sommerlinden
Stark verdichteter Boden, flächige Wurzelbildung, erhebliche Eingriffe bei Baumaßnahmen notwendig.
Empfehlung: Fällung und Neupflanzung mit säulenförmigen Bäumen.
Borkener Straße / Bushaltestelle
Baum Nr. 7, Bergahorn
Nicht mehr vital, oberflächennahe und würgende Wurzeln, begrenzte Reststandzeit.
Empfehlung: Fällung, Ersatz durch Säulenhainbuche.

Zwischen Kirche und Gehweg
Bäume Nr. 8 und 9, Sommerlinden
Ungeeigneter Standort, geringer Abstand zur Kirche, Baum Nr. 9 teilweise auf Feuerlöschbecken.
Empfehlung: Fällung, keine Neupflanzung von Bäumen, stattdessen Sträucher.

Hinweis des Gutachters:
Neue Bäume sollten standortgerecht gepflanzt werden, mit ausreichend großem Wurzelraum. Für die endgültige Baumartenwahl wird die Einbindung externer Fachleute empfohlen.



























