Auch wenn die Zahlen noch vorläufig sind, zeichnet sich ein Überschuss von rund 600.000 Euro ab. Einstimmig hat der Rat am Montag den Entwurf des Jahresabschlusses 2024 zur Prüfung an den Rechnungsprüfungsausschuss und externe Wirtschaftsprüfer verwiesen.
Ausschlaggebend für das positive Ergebnis waren vor allem höhere Einnahmen aus der Gewerbesteuer. Bürgermeister Martin Tesing bewertete die Bilanz im Rat mit den Worten: „Ich habe schon schlechtere Haushalte gesehen.“

Kämmerer Thomas Greving erläuterte, dass sich das Ergebnis um 2,3 Millionen Euro besser darstellt als geplant. Im Haushaltsplan war noch mit einem Minus von rund 1,7 Millionen Euro gerechnet worden, tatsächlich steht nun ein Plus in den Büchern. Im Vorjahr hatte das Ergebnis bei rund 2,3 Millionen Euro gelegen.
Ursachen für das Ergebnis
Die Verbesserung für 2024 ist Folge von Mehreinnahmen in Höhe von knapp 3 Millionen Euro, denen zusätzliche Aufwendungen von rund 640.000 Euro gegenüberstehen. Allein die Gewerbesteuer brachte ein Plus von fast 3 Millionen Euro. Statt der veranschlagten 6,1 Millionen Euro flossen tatsächlich rund 9,1 Millionen Euro in die Gemeindekasse.
Greving erklärte dazu: „Mehraufwendungen sind dabei insbesondere im Bereich der Versorgungsaufwendungen zu verzeichnen gewesen, die zum Teil durch Minderaufwendungen bei den Transferaufwendungen kompensiert werden konnten.“ Die Mehrerträge hätten im Wesentlichen auf den gestiegenen Gewerbesteuereinnahmen beruht.
Entwicklung der Gewerbesteuer
Kämmerer Greving verwies im Rat auch auf die Entwicklung seit 2020. Wegen der Pandemie seien die Planzahlen damals bewusst vorsichtig kalkuliert worden. Tatsächlich seien die Erträge jedoch in jedem Jahr gestiegen. „Das war so nicht zu erwarten“, so Greving. Seit 2020 hat sich das tatsächliche Aufkommen von 5,2 Millionen Euro auf 9,1 Millionen Euro erhöht – ein Zuwachs von 75 Prozent. Dagegen stiegen die Planwerte nur um knapp 14 Prozent.
CDU-Ratsherr Karl-Heinz Tünte wollte wissen: „Woran liegt es eigentlich, dass die Gewerbesteuereinnahmen in unserer Gemeinde so kontinuierlich angestiegen sind?“ Bürgermeister Tesing erklärte: „Wir haben hier in der Gemeinde einen guten Standort.“ Später stellte er klar, dass Raesfeld mit einem stabilen Branchenmix mehrere Zahler habe und damit breiter aufgestellt sei. Mit Blick auf neue Gewerbeflächen sieht er die Gemeinde „gut aufgestellt“.
Verwendung des Überschusses
Der Jahresüberschuss von rund 600.000 Euro wird gemäß Gemeindeordnung der Ausgleichsrücklage zugeführt. Diese steigt damit auf rund 19,6 Millionen Euro an. Greving stellte klar: „Das ist ein rechnerischer Wert für künftige Defizite.“
Vermögens- und Schuldenlage
Die Bilanzsumme der Gemeinde erhöhte sich von 106,5 Millionen Euro Ende 2023 auf rund 110,1 Millionen Euro. Damit konnte nicht nur der Werteverzehr durch Abschreibungen ausgeglichen, sondern auch eine Vermögenssteigerung erzielt werden.
Finanzrechnung und Liquidität
Die Finanzrechnung zeigt unterschiedliche Entwicklungen:
- Verwaltungstätigkeit: Plus von rund 2,8 Millionen Euro, vor allem durch Mehreinnahmen bei der Gewerbesteuer
- Investitionstätigkeit: Minus von rund 4,2 Millionen Euro, verursacht durch geringere Zuwendungen und höhere Ausgaben für Bauprojekte
Der Bestand an liquiden Mitteln verringerte sich von 10,4 Millionen Euro zu Jahresbeginn 2024 auf rund 9 Millionen Euro. Damit sank das Barvermögen um etwa 1,4 Millionen Euro, während im Haushaltsplan ein Rückgang von 4,7 Millionen Euro vorgesehen war.
Fazit und Ausblick
Kämmerer Greving zog ein gemischtes Fazit: „Zwar hat sich die Haushalts- und Finanzlage 2024 deutlich besser dargestellt als zunächst erwartet, doch fällt der Überschuss mit knapp 600.000 Euro wesentlich niedriger aus als in den Vorjahren. Auch wenn die liquiden Mittel weniger stark gesunken sind als geplant, zeigt sich ein negativer Trend.“
Die Gemeinde rechne mit weiter sinkender Liquidität. Bauvorhaben seien noch nicht vollständig abgerechnet, zudem stünden Investitionen für Schulen, den Ortskern und die Kläranlage an. Bürgermeister Tesing sagte dazu: „Die Liquidität macht uns Sorge.“ Ab 2026 werden weitere große Projekte erwartet, die den neuen Rat besonders fordern dürften.
Der geprüfte Jahresabschluss soll am 15. Dezember vom Rat festgestellt werden.



























