StartGemeinde RaesfeldAbschied nach 20 Jahren: Philipp Hatkämper verlässt das Jugendhaus Raesfeld

Abschied nach 20 Jahren: Philipp Hatkämper verlässt das Jugendhaus Raesfeld

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Für Philipp Hatkämper war es am Samstag der letzte Tag im Jugendhaus Raesfeld. Er nimmt nach gut 20 Jahren Abschied, um neue Wege zu gehen. Foto: Petra Bosse

Nach zwei Jahrzehnten Jugendarbeit in Raesfeld geht Philipp Hatkämper neue Wege. Zum Abschied wurde noch einmal gemeinsam gekocht, gelacht und erinnert. Der 43-Jährige zieht ein persönliches Fazit und spricht über Veränderungen, Herausforderungen und die Zukunft des Jugendhauses.

Ein Abend voller Erinnerungen

Am Samstagabend herrschte eine besondere Stimmung im Jugendhaus Raesfeld. Philipp Hatkämper, seit zehn Jahren Leiter der Einrichtung, verabschiedete sich im kleinen Kreis. Mit Jugendlichen und seiner Kollegin Anna Löbbecke vom Jugendhaus Erle wurde gekocht und gemeinsam auf die vergangenen Jahre zurückgeblickt. „Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Oder vielleicht sogar mit zwei weinenden“, sagte Hatkämper und lächelte dabei. „Die Arbeit hier hat mir sehr viel bedeutet und ich bin dankbar für die Zeit.“

Anna Löbbecke und Philipp Hatkämper
Anna Löbbecke, Leiterin Jugendhaus Erle, und Philipp Hatkämper waren ein gutes Team. Foto: Petra Bosse

Gute Bedingungen für offene Jugendarbeit

Im Gespräch beschrieb Hatkämper, was Raesfeld für ihn als Ort der Jugendarbeit besonders gemacht hat. „Die Rahmenbedingungen waren hier wirklich gut. Die Räume sind großzügig und vielfältig nutzbar. Zwar wurden sie in den letzten Jahren etwas kleiner, da die Fanfaren und das Deutsche Rote Kreuz mit ins Haus gezogen sind. Aber auch das hat Vorteile gebracht, weil wir dadurch neue Besuchende ansprechen konnten“, erklärte er.

Die Unterstützung der Gemeinde habe vieles erleichtert. „Man konnte schnell und unkompliziert Dinge umsetzen. Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde, mit Vereinen und anderen Institutionen lief sehr gut. Das würde ich als einen echten Vorteil bezeichnen.“

Wie geht es jetzt weiter?

Konkrete Namen für seine Nachfolge konnte Philipp Hatkämper noch nicht nennen. „Fest steht, dass es im Oktober weitergeht. Ich bin froh, dass es Menschen gibt, die motiviert sind, die Arbeit fortzuführen.“

Auch im Außenbereich tut sich einiges. „Das Gelände wird umgestaltet. Es entsteht eine große Skatefläche mit einer kleinen überdachten Quarterpipe. Ich bin sicher, dass das viele Jugendliche ansprechen wird. Auch außerhalb der Öffnungszeiten wird das Gelände ein Treffpunkt sein und das Haus für neue Besucherinnen und Besucher öffnen.“

Neue-Skater-Anlage-Jugendhaus-Raesfeld
Neue Skater-Anlage am Jugendhaus Raesfeld ist gerade im Bau. Foto: Petra Bosse

Wandel und Offenheit in der Jugendarbeit

Die Arbeit im Jugendhaus habe sich in den letzten Jahren stark verändert. Hatkämper erinnert sich: „Früher kamen oft feste Gruppen, die regelmäßig eigene Räume genutzt haben. Es gab zum Beispiel einen Proberaum für Bands. Heute arbeiten wir offener. Wir schauen, was die Jugendlichen aktuell brauchen, und richten unsere Angebote danach aus.“

Die Räume seien dafür flexibel gestaltet. „Wir haben eine große Teestube, in der man Billard oder Dart spielen, Fernsehen oder einfach zusammen sitzen kann. Es gibt Lademöglichkeiten für Handys, eine Küche, die genutzt werden darf, und einen separaten Raum mit Spielekonsolen und Boxsack. Alles passt sich den Bedürfnissen der Jugendlichen an.“

Vielfalt ist selbstverständlich

Ein besonderes Anliegen war Hatkämper immer ein inklusives Miteinander. „Im Jugendhaus ist jeder willkommen, ganz gleich welcher Herkunft, Nationalität, Religion, Sexualität oder welchen Geschlechts. Das ist bei uns nicht nur ein Satz auf dem Papier, sondern wird gelebt. Und die Jugendlichen tragen das mit.“

Philipp Hatkämper Jugendhaus Raesfeld
Zehn Jahre liegen zwischen den Fotos. 2009 übernahm er die Jugendhausleitung in Raesfeld. Foto: Petra Bosse

Familienzeit als neuer Lebensmittelpunkt

Dennoch hat sich der Sozialpädagoge entschieden, beruflich kürzerzutreten. „Ich bin 43 Jahre alt und mein Sohn ist fünf. Er kommt nächstes Jahr in die Schule. Meine Arbeitszeiten im Jugendhaus liegen am Nachmittag und Abend, genau dann, wenn er zu Hause ist. Ich möchte für ihn da sein. Deshalb habe ich mich schweren Herzens entschieden zu gehen.“ Sein Entschluss sei gut überlegt. „Natürlich fällt mir der Abschied schwer. Es passiert gerade viel und ich hätte manches gerne weiter begleitet. Aber es ist auch ein guter Moment für neue Impulse und neue Ideen.“

Zwei Jahrzehnte Engagement

Philipp Hatkämper war insgesamt 20 Jahre in der offenen Jugendarbeit tätig. Zehn davon verbrachte er als Leiter in Raesfeld. Zuvor war er im Jugendhaus Erle aktiv, arbeitete als Erzieher und später als Sozialpädagoge auch in der Übermittagsbetreuung an der Alexanderschule. „Ich habe viele Entwicklungen miterlebt und immer versucht, mich mit den Bedürfnissen der Jugendlichen weiterzuentwickeln. Dafür bin ich auch den Teams dankbar, mit denen ich zusammenarbeiten durfte“, sagte er.

Dank an das ganze Dorf

Zum Abschied richtet er persönliche Worte an alle Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter. „Ich möchte mich bei allen bedanken, die das Jugendhaus geprägt haben. Bei den Jugendlichen, die hier mitgemacht und den Ort lebendig gehalten haben. Bei den Vereinen, mit denen wir Projekte umgesetzt haben, bei der Gemeinde, bei allen Kolleginnen und Kollegen, Projektpartnern und den vielen Helfenden, die bei den Skate-Workshops oder Veranstaltungen mitgewirkt haben. Es ist toll, dass es so einen Ort hier gibt und ich freue mich, dass er weiter bestehen wird.“

Leon Plohr
Der 22-jährige DJ und Musikproduzent aus Raesfeld Leon Plohr. Foto: Petra Bosse

Leon Plohr erinnert sich

Für viele Jugendliche im Ort war Philipp Hatkämper mehr als nur ein Ansprechpartner. Leon Plohr, heute 22 Jahre alt, besuchte das Jugendhaus seit er 13 war. „Philipp war für uns jemand, dem man vertrauen konnte. Er hat uns ernst genommen, sich gekümmert und war einfach da. Sein Abschied trifft viele von uns. Er hat uns in einer wichtigen Zeit begleitet und unterstützt.“

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