Besuch im Jugendhaus Erle: Viel Leben über der Sporthalle: Schon beim Eintreten in die provisorischen Räume des Jugendhauses Erle war es kaum zu überhören: Fröhliche Kinderstimmen hallten durch den Raum. Am großen Tisch wurde eifrig gemalt und gebastelt – vor allem von den Mädchen. In einer anderen Ecke waren die „Zocker“ in ihrem Spiel vertieft.
Mittendrin: Anna Löbbecke, die Ende Dezember die Leitung des Jugendhauses übernommen hat.
„Wie läuft es denn aktuell?“, wollten wir von ihr wissen. „Sehr, sehr gut“, meinte sie ohne Zögern. „Wir haben jetzt einen großen Zulauf an Kinder bekommen. Eigentlich ist hier jeden Tag richtig was los. Die Kinder haben total Lust, etwas zu machen.“
Löbbecke habe die ersten Wochen in Erle intensiv genutzt, um die Kinder kennen zulernen und deren Bedürfnisse besser zu verstehen. „Wir haben jetzt jeden Monat ein Programm, das sich in seiner Struktur wiederholt – aber mit immer anderen Inhalten. Montags ist erstmal Ankommen angesagt, ein größeres Bastelangebot zieht sich dann durch die neue Woche.“

Wochenstruktur mit festen Angeboten
Neu sei der Mädchentag am Mittwoch, den sich die Mädchen ausdrücklich gewünscht hätten. „Donnerstags bieten wir jetzt immer Sport an – zusammen mit unserer neuen Honorarkraft Axel Kilian“, erzählte sie. Und der Freitag? „Da lassen wir die Woche meistens einfach ausklingen. Manchmal gibt es aber auch besondere Aktionen – zuletzt hatten wir zum Beispiel eine Kinonacht.“ Für den kommenden Monat ist eine Pyjama-Party geplant – ebenfalls auf Wunsch der Kinder. Auch ein paar Ausflüge stünden noch auf dem Programm.
„Hier ist richtig Leben wiedergekommen. Viele Kinder sind regelmäßig da, einige schauen nur kurz vorbei, um mal eben Hallo zu sagen oder von ihrem Schultag zu erzählen – und ziehen dann wieder weiter“, so Löbbecke.
Treffpunkt mit Stammbesuchern und spontanen Gästen
Der Treff entwickle sich zunehmend zu einem sozialen Anlaufpunkt, hieß es weiter. Viele Kinder kommen regelmäßig vorbei. Es gibt aber auch zahlreiche Besucherinnen und Besucher, die nur kurz hier reinschauen, um „Hallo“ zu sagen oder zu erzählen, was morgens in der Schule passiert sei, bevor sie wieder weiterzögen. Die Einrichtung ist lebendig geworden, ein fester Alltag hat sich etabliert.
Platzmangel bleibt Thema – Vorfreude auf das neue Jugendhaus
Ob die Räume über der Erler Sporthalle auf aktuell ausreichen würden? „Größer könnten sie schon sein“, gab sie zu. Aber man arrangiere sich. „Wir freuen uns alle unglaublich aufs neue Jugendhaus – gerade mit Blick auf den Sommer fehlt hier einfach der Außenbereich.“
Doch auch dafür sei eine Lösung in Sicht: „Der Friseur nebenan ist so lieb und stellt uns seinen Garten zur Verfügung, falls es mal richtig heiß wird“, berichtete Löbbecke. „Für den Sommer planen wir dort sogar dort ein kleines Open-Air-Kino – und wir freuen uns riesig über die Unterstützung.“

„Ich bin absolut glücklich hier“
Ob sie den Wechsel nach Erle bereut? „Auf gar keinen Fall. Ich bin absolut glücklich hier. Die Zusammenarbeit läuft in alle Richtungen wunderbar.“ Als Beispiel nannten sie Yonne Honerbom, die ihre Hilfe angeboten hätte. Oder die Gemeinde, die sofort reagiere, wenn etwas gebraucht werde.
„Gerade hatten wir ein Problem mit dem Strom – der Hausmeister, Herr Nagel, war in zwei Minuten da“, erzählte sie. Auch das Reinigungsteam kümmere sich aufmerksam. „Hier ziehen alle an einen Strang.“
Altersverteilung als Gewinn
Besonders schön finde sie, dass im Jugendhaus Kinder verschiedener Altersgruppen gemeinsam Zeit verbringen. „Anders als in vielen Einrichtungen, wo die Kleinen und Großen getrennt sind, sind hier alle gleichzeitig da. Und sie profitieren voneinander – die Kleinen von den Großen und umgekehrt. Natürlich wünscht sich mal jemand Ruhe, aber grundsätzlich ist das eine richtig gute Mischung.“

Der Neue im Team: Axel Kilian
Seit Anfang Januar unterstützt Axel Kilian das Team – zweimal die Woche. Der 54-Jährige habe zwar vorher noch nicht direkt in Jugendhäusern gearbeitet, aber etwas in die Richtung studiert: „Soziologie, Psychologie“, erzählte er. „Ich bin Quereinsteiger – das ist kein Hauptjob für mich, sondern ich bringe mich einfach ein bisschen mit ein.“
Im Fokus stehe dabei das Sportangebot: „Das habe ich jetzt ein paar Mal gemacht. Macht Spaß – aber da geht noch mehr“, meinte er mit einem Augenzwinkern.
Darüber hinaus helfe er bei der Betreuung – einfach da, wo gerade jemand gebraucht werde. Für Anna Löbbecke ist seine Unterstützung Gold wert: „Wenn Axel da ist, kann ich mich auch mal mit ein paar Kindern zurückziehen – das genieße ich sehr. Sonst bin ich meist allein hier, da ist das oft schwierig.“
Donnerstags übernehme Axel die Sportgruppe in der Halle. „Dann ist hier oben etwas ruhiger, und ich habe auch wieder Zeit, mich einzelnen Kindern intensiver zu widmen.“
Und was sagt Mila?
Die neunjährige Mila ist Stammgast im Jugendhaus und es gefällt ihr dort richtig gut, wie sie spontan sagt. Besonders jedoch ist, „dass, wir immer verschiedene Sachen machen. Blumentöpfe anmalen zum Beispiel. Oder Bilderrahmen basteln. Oder Klopapiermännchen. Ostersachen. Es gibt hier richtig viele verschiedene Sachen. Richtig coole Dinge.“ Sie zählt auf: „Man kann hier malen, Spiele spielen, quatschen, sich mit Freunden treffen. Das ist richtig toll.“ Und wie oft kommt sie? „Dienstags, donnerstags – eigentlich immer. Und mittwochs auch jetzt immer.“
Fazit: Provisorium wird gut angenommen
Auch wenn das Angebot in der aktuellen Form zunächst nur bis Ende des Jahres bestehen bleibt, verzeichne das Jugendhaus bereits jetzt mehr Kinder als in den vergangenen Jahren – ein Zeichen dafür, wie wichtig dieser Ort für viele Kinder, Jugendliche und Familien geworden ist.



























