Der Erler Hobbyschäfer Willi Rössing hat nach dem jüngsten Vorfall, bei dem vermutlich drei seiner sechs Kamerunschafe von einem Wolf gerissen wurden, reagiert.
Er sicherte seine Weide mit einem weiteren 1,20 Meter hohen mobilen Zaun mit zusätzlichem Elektrodraht entlang des bereits vorhandenen 1,40 Meter Zauns.
Traumatische Erfahrung für Mensch und Tier
Eine Woche nach dem Vorfall berichtet Rössing, dass seine Tiere immer noch unter dem Schock stehen. Sie reagieren ängstlich auf jede Geräuschkulisse, selbst auf ihn als Schäfer. „Die einst vertrauten und zutraulichen Schafe ziehen sich beim Betreten der Weide sofort in ihren mobilen Offenstall zurück“, so Rössing.

Schafe lebten im Einklang mit der Natur
Unfassbar für Rössing sei nun die aktuelle Situation. Über einen Zeitraum von etwa 15 Jahren lebten die Schafe in völliger Harmonie und Symbiose mit der Natur, zwischen Wiesen, Feldern, Wald und einigen Windrädern am Ortsrand zwischen Raesfeld und Erle. Als ein schönes Beispiel nennt Rössing das Zusammenleben von Schafen und Tieren, die er immer gerne beobachtet. Dazu gehöre auch die Zeit, wenn die Kamerunschafe ihre Winterwolle abwerfen, was vielen Vögeln Freude bereitet. Allein dieser Umstand sei für den reinen Hobby-Schäfer ein entscheidender Grund, warum er seine Tiere behalten möchte.
Finanzielle Belastung
Um aber seine letzten drei Schafe nicht auch noch zu verlieren, hat er zwar schon einen neuen mobilen Zaun errichtet, aber um auf Dauer die Schafe vor den Wolf zu schützen, müsste er sich einen wolfssicheren Zaun anschaffen, der aus mindestens fünf stromführenden Litzen besteht. Das wiederum ist für den Hobby-Schäfer eine enorme finanzielle Belastung. Ein Angebot für einen solchen Zaun habe er sich bereits eingeholt und liege vor. Die Kosten von rund 5.000 Euro seien für ihn als Hobbyschäfer schlichtweg zu hoch. Hinzu kommen die zusätzlichen Arbeitsstunden für die Instandhaltung der Zäune, darunter zählt auch das regelmäßige Freischneiden der Wiese.

Ungewisse Zukunft und Hoffnung auf Unterstützung
Rössing hofft auf eine kostengünstige Lösung im Rahmen der Präventionsmaßnahmen, die ihm möglicherweise von einem Zaunberater der Landwirtschaftskammer aufgezeigt wird. Dennoch bleibt die Unsicherheit, wie es weitergehen soll. Er betont, dass die Umsetzung eines wolfssicheren Zauns Zeit und Ressourcen benötigt, während eine hundertprozentige Sicherheit nicht garantiert werden kann.
Untersuchungen und offene Fragen
Die Identität des Wolfs, der für diesen und die beiden weiteren Risse in Raesfeld und Erle verantwortlich ist, bleibt vorerst unklar. DNA-Untersuchungen durch das Senckenberg Institut sollen Klarheit bringen, ob es sich um den territorialen Wolfsrüden GW 2889m handelt, um einen neuen Wolf oder eine neue Wölfin, oder um einen durchwandernden Wolf.
Territorium „Dämmerwald – Üfter Mark“
Seit Mitte 2022 beansprucht der Rüde GW2889m das Territorium „Dämmerwald-Üfter Mark“ für sich. Erstmals wurde GW 2889m im Februar 2023 bekannt, als er in den Rhader Wiesen, etwa sechs Kilometer Luftlinie vom letzten Riss entfernt, für den Tod von insgesamt 19 Tieren verantwortlich gemacht wurde. Ebenfalls in Rhade riss ein anderer Wolf mit der Kennung GW3042m (aus dem Rudel Schermbeck) kurze Zeit später (19.3.2023) in Lembeck ebenfalls 19 Schafe.
Förderrichtlinien
Im Rahmen der Präventionsmaßnahmen werden 100 % der Kosten für die Optimierungen und Neuanschaffungen von Schutzzäunen nebst Zubehör zur Erreichung des wolfsabweisenden Grundschutzes in einem Wolfsgebiet, einem Wolfsverdachtsgebiet sowie in der umgebenden Pufferzone und die Anschaffung und Ausbildung von geeigneten Herdenschutzhunden in einem Wolfsgebiet gefördert.

Vorgaben für wolfssichere mobile Elektrozäune
Mobile Elektrozäune sind entweder als Elektronetze oder Litzensysteme erhältlich. LANUV empfiehlt, dass mobile Zäune eine Mindesthöhe von 90 cm haben sollen. Wo örtliche Gegebenheiten es zulassen wird eine Höhe von 120 cm empfohlen.
Mobile Litzenzäune müssen aus mindestens fünf stromführenden Litzen bestehen, wobei die unterste Litze nicht höher als 20 cm über dem Bodenniveau liegen darf. Dies soll ein Unterkriechen oder Untergraben durch große Beutegreifer verhindern. Die Eckpfähle bei Litzenzäunen sollten aus geeigneten Stahlpfählen bestehen, die in den Boden eingeschlagen werden können.



























