Kostenanalyse der Flüchtlingsunterbringung in Erle: Containerlösung versus Jugendhaus. Diese Analyse bietet einen detaillierten Vergleich der beiden Optionen, wobei der Fokus auf den Gesamtkosten, der Menschlichkeit der Unterbringung und der Effizienz liegt.
Gut und günstig gibt es nicht. Die Vorstellung, Containerunterkünfte seien eine preiswerte Lösung für die Flüchtlingsunterbringung, ist teilweise irreführend. Es wird oft übersehen, dass die initialen Ausgaben – für die Aufstellung oder das Anmieten beziehungsweise Kaufen der Container – nur die Spitze des Eisbergs darstellen. Der finanzielle Aufwand endet keineswegs mit deren Anlieferung und Installation. Vielmehr fangen für die Kommunen hier erst die eigentlichen Kosten an, da nach der Lieferung kontinuierliche Ausgaben für Instandhaltung und Betrieb beginnen.
Versteckte Kosten
Die Annahme, dass es eine sowohl kostengünstige als auch effektive Lösung gibt, entpuppt sich schnell als Wunschdenken. Das zeigen auch die Zahlen der Gemeinde Raesfeld. Wie aktuell bei der Vorbereitung der Unterbringung von Flüchtlingen im Jugendhaus.
Angesichts dieser versteckten und anhaltenden Kosten, wie steht es dann um das Bürgerbegehren in Raesfeld, das die Schaffung neuer Containerplätze vorsieht?“ Und ob diese Lösung für Familien mit Kinder menschenwürdiger ist, sei noch dahingestellt.
Mehrkosten von 406.153 Euro
Im Falle eines Erfolgs des Bürgerbegehrens müssten 30 Plätze für Geflüchtete in Containern geschaffen werden. Gegenüber einer Unterbringung im Jugendhaus Erle entstehen dabei laut Gemeindeverwaltung Mehrkosten von 406.153 Euro für einen angenommenen Zeitraum von zwei Jahren. Diese Schätzung deckt sich auch mit den Ergebnissen unserer eigenen Recherche und den Angaben einer großen Containervermietung in Solingen.

Lieferzeiten und Kosten der Containerlösung
Für die Unterbringung von 16 Personen belaufen sich die Mietkosten pro Container laut der Solinger Firma auf 4.000 bis 8.000 Euro pro Monat. Bei einem mittleren Preis von 6.000 Euro pro Monat und 32 Personen ergibt sich ein Jahresbetrag von 72.000 Euro, somit 144.000 Euro ohne Mehrwertsteuer für zwei Jahre.
13 Quadratmeter für vier Personen
Die Räume in den von uns angefragten Mietcontainer, seien laut eines Mitarbeiters der Solinger Firma rund 13 Quadratmeter groß. Hier könnten vier Personen kurzfristig untergebracht werden, was allerdings seiner Meinung nach schon menschenunwürdig sei

Fixe Kosten unabhängig von der Nutzungsdauer
Im Gesamtpreis der Anmietung der Container kommen jedoch weitere Kosten auf die Gemeinde in Höhe von 82.000 Euro zu, denn das Grundstück, beispielsweise im Gewerbegebiet Erle Osterholten, was im Eigentum der Gemeinde ist, muss vorab hergerichtet werden. Dazu gehören Tiefbauarbeiten und Anschlüsse, Mutterboden abschieben, Schotterbett aufbringen, asphaltieren, Kanalanschluss sowie Strom und Wasseranschluss herstellen und eine Umzäunung mit Stabmattengitterzaun. Damit erhöht sich der Betrag von der reinen Anmietung in Höhe von rund 144.000 Euro auf 226.000 Euro.
Die bislang erwähnte Summe deckt jedoch noch nicht alle anfallenden Kosten ab. Zusätzlich zu den Mietkosten kommen nämlich noch diverse Nebenkosten hinzu. Dazu zählen beispielsweise die Kosten für Anlieferung und Montage, die sich auf 37.780 Euro belaufen. Hinzu kommt die Mehrwertsteuer in Höhe von 20.126 Euro.
Aufwendungen für die Elektroanschlüsse
Weitere Kosten entstehen für Demontage, Rücklieferung und Reinigung der Container, die zusammengenommen 31.215 Euro ausmachen. Nicht zu vergessen sind die Aufwendungen für die Elektroanschlüsse, die sich auf 25.190 Euro belaufen, sowie die Sicherheitsbeleuchtung, die mit 5.280 Euro zu Buche schlägt.
Auch die Versicherung der Container, die mit 379 Euro veranschlagt wird, die Erstellung der Bauzeichnung für 350 Euro und die Installation funkvernetzter Rauchmelder, die weitere 6.115 Euro kosten, müssen berücksichtigt werden. Wenn man all diese Posten zusammenzählt, ergibt sich ein Betrag von 126.057 Euro, der die ursprünglichen Kosten für die Anmietung der Container von 226.000 Euro auf insgesamt rund 352.435 Euro erhöht.
Weitere Kosten
Beginnen wir mit dem erforderlichen Inventar für die gemieteten Container. Die Ausstattung umfasst:
- 15 Etagenbetten und 30 Matratzen
- Bettwäsche
- 12 Tische und 46 Stühle
- 30 Schränke
- Eine Küchenzeile
- 5 Kühlschränke
- 4 Standherde und 4 Waschmaschinen
- Diverse Kochgeschirr- und Utensilien
Die Gesamtkosten für dieses Inventar, inklusive Mehrwertsteuer, belaufen sich auf 15.899 Euro. Dies treibt die Kosten auf insgesamt 368.000 Euro weiter in die Höhe. Dabei wird eine 40-prozentige Kostensteigerung aufgrund der geringeren Isolierung gegenüber einem Massivhaus angenommen.
Bewirtschaftungskosten – Energiekosten
Die geschätzten Bewirtschaftungskosten, wie Haushaltsstrom, Warmwassererzeugung und Heizen für zwei Jahre berechnete die Verwaltung auf 69.884 Euro (Jugendhaus 43.600 Euro). Laut Gemeinde geht die Gemeinde bei der Containerlösung von einer 40%ige Steigerung der Kosten aufgrund der deutlich geringeren Isolierung gegenüber einem Massivhaus aus.
Diese Kosten entsprechen auch der Kostenanalyse der Gemeinde Schermbeck laut Haushaltsplan für das Jahr 2024. Inbegriffen sind auch die Wasserkoste. Pauschal 4.051 Euro für Wasserzulauf und 4.790 Euro für Abwasserkosten.
Gesamtsumme von 438.218 Euro
Summa summarum ergibt sich nach unserer Berechnung und basierend auf einer Kostenpauschale der Solinger Firma (ohne Mehrwertsteuer) und einen Mittelwert von 6.000 Euro für die Miete pro Monat, eine Gesamtsumme von 438.218 Euro für die Anmietung der Container für zwei Jahre auf einem Grundstück der Gemeindeverwaltung. Die Gesamtsumme deckt sich größtenteils somit mit der der Kostenberechnung der Gemeinde Raesfeld.

Jährliche Kosten – Strom, Wasser, Unterhaltung
Hinzu kommen Bewirtschaftungskosten, insbesondere der Mehrverbrauch an Strom für das Heizen der Container, wird auf etwa 17.000 Euro geschätzt.
Welche Kosten entstehen bei einer Unterbringung im Jugendhaus Erle?
Die Verwaltung hat auch für diese Option einen Kostenplan erstellt. Hierbei zeigt sich, dass die Differenz zu den oben genannten Kosten für die Anmietung von Containern beträchtlich ist und einen Differenzbetrag von rund 406.000 Euro gegenüber einer Unterbringung im Jugendhaus Erle beträgt. Hier wurden Kosten von rund 93.000 Euro für 30 Personen
bei einer angenommenen Nutzungsdauer von 2 Jahren veranschlagt.

Wie lässt sich dieser signifikante Unterschied erklären?
Ein wesentlicher Faktor des Kostenunterschieds ergibt sich vor allem durch den Wegfall der einmaligen Herrichtung des Grundstücks in Höhe von 81.875 Euro, den Mietkosten der Container und den fixen Kosten in Höhe 126.057 Euro, die bei der Containerlösung für die Herrichtung des Standortes anfallen würden. Ebenfalls auch die geringeren Bewirtschaftungskosten, die hier bei 43.601 Euro liegen, im Gegensatz zu 61.000 Euro bei der Containerlösung. Wasser-, Abwasser- und Inventarkosten wurden dabei gleichbleibend kalkuliert.
Berechnung der einmaligen Kosten für Container im Vergleich zum Jugendhaus
- Anlieferung und Montage 37.780 Euro – Jugendhaus 0
- Demontage, Rücklieferung u. Reinigung 31.215 Euro / Jugendhaus 160 Euro
- Erstellung Bauzeichnungen 350,00 Euro /Jugendhaus 0 Euro
- Elektroanschlüsse der Container 25.190 Euro / Jugendhaus 0 Euro
- Sicherheitsbeleuchtung 5.280 Euro/Jugendhaus 0 Euro
- Funkvernetzte Rauchmelder 6.115,50 Euro / Jugendhaus 0 Euro
- Zwischensumme 105.930,50 Euro für Container / Jugendhaus 190 Euro
- + Mehrwertsteuer 20.126 Euro
Fazit
Die detaillierte Kostenaufstellung zeigt, dass die Entscheidung für eine Flüchtlingsunterbringung in Erle nicht nur eine Frage der Schnelligkeit und Praktikabilität, sondern auch eine erhebliche finanzielle Erwägung ist. Bei der Containerlösung sind die Kosten deutlich höher als bei der Alternative, die Geflüchteten im Jugendhaus Erle unterzubringen. Diese Analyse sollte eine wichtige Grundlage für die anstehende Entscheidung der Gemeinde bieten.

Hintergrund
Nach einem Beschluss des Rates im November 2024, der mit Mehrheit gefällt wurde, ist vorgesehen, Flüchtlinge im Jugendhaus Erle unterzubringen.
Ein wesentlicher Beweggrund für diese Entscheidung, die im November getroffen wurde, war der akute Bedarf an Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge. Ein weiterer Grund für die Wahl des Jugendhauses in Erle war dessen bisher geringe Inanspruchnahme durch Kinder und Jugendliche. Es wurde beobachtet, dass nur ein Drittel der Fläche, nämlich der linke Teil des Gebäudes, für den offenen Treff verwendet wurde. Die restlichen Bereiche des Hauses dienten hauptsächlich der Lagerung von Gegenständen über einen längeren Zeitraum.
Zur Aufrechterhaltung der Jugendarbeit wurde als vorübergehende Lösung ein Ausweichkonzept in der benachbarten Sporthalle entwickelt und umgesetzt.



























