25 Jahre RADIO WMW – Erinnerungen an den Beginn des Lokalradios

25 Jahre RADIO WMW – Erinnerungen an den Beginn des Lokalradios

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Reiner Mannheims war erster Chefredakteur bei Radio WMW

Heute – nach 25 Jahren Sendebetrieb – zählt RADIO WMW zu den erfolgreichsten Hörfunksendern in der Region. Täglich schalten mehr als ein Drittel der Menschen zwischen Gronau und Raesfeld ihren Lokalsender ein. Sie warten auf die beste Musik und auch auf die neuesten Infos aus der Welt und aus der Nachbarschaft.

Das Lokalradio für den Kreis Borken hat damals Reiner Mannheims als erster Chefredakteur zusammen mit einem jungen, fünfköpfigen Team entwickelt. Aber vor dem Start gab es etliche Schwierigkeiten, überhaupt auf Sendung zu gehen. Reiner Mannheims erinnert sich an diese aufregende Zeit aus den Kindertagen des Lokalradios.

Reiner Mannheims, ehemaliger Chefredakteur von RADIO WMW.

Lokalradio für den Kreis Borken?, das war für viele Menschen damals ein einziges Fragezeichen. Sie kannten bisher den WDR, Radio Luxemburg oder die niederländischen Pop-Wellen aus Hilversum. Aber lokales Radio, das klang in vielen Ohren wie ein Widerspruch in sich selbst. Reiner Mannheims, seit Mai 1989 mit der Gründung und dem Aufbau des neuen Senders betraut, erntete bei der Vorstellung des Senders viel Neugier verbunden mit einer großen Portion Zweifel.

Radioprogramm für das Westmünsterland

Aber als Borkener Junge kannte er die Region zwischen Bocholt und Gronau. Zudem wusste er, wie ein Lokalradio klingen konnte. Als ehemaliger Redakteur des WDR-Kabel-Pilotprojektes Dortmund mit dem Stadtradio Dortmund und dem lokalen Fernsehsender hatte er genügend Erfahrungen gesammelt, um auch in seiner Heimat Radioprogramm für das Westmünsterland in den Äther zu schicken.

Fünfstündige Angebot

Beispielhaft müssen die Themen sein, lautete sein Motto. „Unsere Informationen z.B. aus Bocholt müssen auch noch die Ahauser und Eperaner aufhorchen lassen und auch in diesen Gemeinden für Gesprächsstoff sorgen“, umriss Mannheims damals seine ersten Programm-Entwürfe für das fünfstündige Angebot aus der Kreisstadt. Wichtig war für den Borkener, das neue Radio sollte diesen Anspruch bereits im Namen vertreten. Namensvorschläge wie „Radio Borken“ oder „Borkener Welle“ waren daher nicht passend, da sie das Sendegebiet nicht darstellten. Der erste Name des Senders „Westmünsterland-Welle“ war denn auch das Ergebnis eines Preisausschreibens und nannte das Kind beim richtigen Namen.

Aber ein Name macht noch kein Programm

Lange dauerte die Suche nach einem Standort für den Sender. Bocholt, Borken oder Stadtlohn waren in der Diskussion – nur ein passendes Gebäude für Redaktion und Technik war nicht zu finden. Geholfen hat damals indirekt die Berichterstattung der lokalen Zeitungen wie etwa der Borkener Zeitung mit Schlagzeilen wie „Lokalradio immer noch ohne Domizil.“ Das las auch ein Borkener Geschäftsmann und Immobilienbesitzer, der gerade einen Leerstand im Gewerbegebiet Borken-Gemen hatte und dringend einen neuen Mieter suchte. Ein Anruf bei Mannheims und das Problem war gelöst. Die Westmünsterland-Welle zog in die Heinrich-Hertz-Straße ein.

Das Studio an der Heinrich-Hertz-Straße in Borken-Gemen im Gewerbegebiet Ost.

Neben der Standort-Suche stand als zweites Thema für Mannheims auf der Tagesordnung: Wer kommt in die neue Redaktion? Die vorliegenden Bewerbungen mussten sortiert werden. Radioprofis interessierten sich allerdings kaum für den Lokalfunk aus der Provinz. Die Bewerbungsgespräche mit den jungen Berufsanfängern fanden meistens in Marbeck bei Mannheims zuhause statt. Aber im September 1991 stand das Team. Die Redaktion war einsatzbereit. Die Technik für den Sender und die zwei Studios waren bestellt und konnten ab August eingebaut werden. Ein Sendestart war damals noch für den 1. Oktober oder spätestens für den 1. November geplant.

Ganz schlechte Startbedingungen

Aber die jungen Radiomacher hatten ihre Pläne ohne die Telekom-Technik gemacht. Beim Probebetrieb für die Westmünsterland-Welle auf den vorgesehenen zwei Sendefrequenzen war deutlich hörbar: Wir haben große Funklöcher. Dies betraf besonders Bocholt und Gronau. Ganz schlechte Startbedingungen für einen Sender, der sich aus Werbeeinnahmen finanzieren musste.

Neue Verhandlungen mit der Telekom und auch der Landesanstalt für Rundfunk, der Aufsichtsbehörde für den Lokalfunk, versprachen dann endlich Hilfe. Bocholt und der westliche Kreis bekamen mit der 88,4 MHz eine eigene Frequenz und der Raum Borken sollte mit der leistungsstarken 97,6 MHz auf UKW versorgt werden. Dazu kamen dann noch die 93,0 MHz und 103,6 MHz für Ahaus und Gronau. Jetzt war das Programm fast überall zu hören. Die Westmünsterland-Welle konnte endlich mit dem Spruch „Auf UKW zu Hause“ am 4. April 1992 starten. Ein Start der bereits zum normalen Sendealltag gehörte.

Mischung von aktueller Pop-Musik

In dieser Startphase war es hilfreich, dass die Menschen in der Region positiv und neugierig auf die neuen Töne aus Borken reagierten. Dazu beigetragen hat sicher auch die neue Mischung von aktueller Pop-Musik, die damals noch einen Kontrapunkt zum Musikangebot des WDR setzen konnte. Diese Musik wurde und wird ausgewählt von Radio NRW, dem Mantelprogramm aller Lokalsender in NRW. Das Programm aus Oberhausen kommt via Satellit ins Borkener Funkhaus und wird dann über die eigenen Frequenzen weiter verteilt. Mit diesem Angebot aus lokaler und internationaler Information war die Westmünstland-Welle ein ebenbürtiger Konkurrent gegen über dem mächtigen WDR-Angebot aus Köln und Münster.

Der Erfolg des Senders war also im Prinzip vorhersehbar. „Lokale Information, die beste Musik und das wichtigste aus Deutschland und der Welt“, auf diese Mischung setzte damals das Team der Westmünsterland-Welle und die Macher von RADIO WMW wissen; Es funktioniert auch noch ein Vierteljahrhundert später.

Reiner Mannheims, ehemaliger Chefredakteur RADIO WMW

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