„Die Flüchtlingsssituation in der Gemeinde hat nach den Sommerferien dramatisch zugenommen“, so Bürgermeister Andreas Grotendorst, der gemeinsam mit Markus Büsken, Leiter des Sozialamtes, Norbert Altrogge, Gemeinde Raesfeld, Nicole Höbing, Integrationshelferin, Bernhard Schmitz, Bezirksdienst Polizei, Klaus Dörschlag, Leiter der Polizeiwache Borken, Wolfgang Warschewski, ehrenamtlicher Helfer und Ludger Picker, Kirchengemeinde, am Dienstagabend die neusten Fallzahlen und Fakten im Forum der St. Sebastianschule vorstellte.

Bürgermeister Andreas Grotendorst und Markus Büsken, Leiter Sozialamt Raesfeld stellten sich den Fragen
Bürgermeister Andreas Grotendorst und Markus Büsken, Leiter Sozialamt Raesfeld, stellten sich den Fragen

Mehr als 200 interessierte Bürger kamen zu der Informationsveranstaltung. „Mit so vielen Besuchern habe ich nicht gerechnet. Es zeigt aber, dass wir mit dem Thema richtig liegen“, so Grotendorst.

Zahlen und Fakten
Fakt ist, dass momentan insgesamt 260 Flüchtlinge (125 haben noch keinen Asylantrag) aus 27 verschiedenen Nationen in der Gemeinde Raesfeld (48 Personen in Erle) leben. Davon sind 116 Einzelpersonen, fünf weibliche, 34 Familien und 51 Kinder.

Untergebracht sind diese momentan in 14 Unterkünften. Aktuell gibt es noch 20-25 freie Plätze.

„Bei zehn bis 12 neue Zuweisungen pro Woche reiche das aber nicht mehr aus“, so Markus Büsken. Dass die Gemeinde überhaupt keinen Einfluss auf die Zuteilung von Flüchtlingen hat, machte Grotendorst deutlich klar. Fakt ist auch, dass fast täglich neue bundespolitische Entschlüsse immer wieder über den Haufen geworfen werden, die gestern noch von der Regierung bestimmt wurden. „Wir müssen uns deshalb immer wieder neu strukturieren, was sehr zeitaufwendig und nervenaufreibend ist“, so Grotendorst.

Mehr als 200 Besucher kamen zu der Informationsveranstaltung zu der aktuellen Flüchtlingslage in der Gemeinde Raesfeld in das Forum der St. Sebastianschule.
Mehr als 200 Besucher kamen zu der Informationsveranstaltung zu der aktuellen Flüchtlingslage in der Gemeinde Raesfeld in das Forum der St. Sebastianschule.

Geringe Chancen auf Asylanerkennung
Der größte Anteil, mit 24 Prozent, stellen die Syrer, 15 Prozent kommen aus dem Irak und dem Iran sowie sieben Prozent aus Eritrea. „Diese Menschen haben zu 100 Prozent eine Anerkennungsquote und gute Perspektiven“, so Markus Büsken. Was die Anerkennung auf Asyl, der zur Zeit noch 19 Prozent starken Gruppe aus den Balkanstaaten betrifft, sei die Chance auf Anerkennung sehr gering und liegt bei 0,1 Prozent, betonte Büsken.

Die Kriminalität tendiert gegen Null

Die Kriminalitätsfurcht der Bürger bezüglich steigendender Kriminalität im Kreis Borken durch Flüchtlinge konnte der Leiter der Polizeiwache Borken, Klaus Dörschlag zwar verstehen, aber nicht bestätigen. „Besonders was die Anschläge in Paris anbelangt, sollten wir diese Täter nicht mit unseren Flüchtlingen in einen Topf werfen. Die objektive und aktuelle Sicherheitslage im Kreis zeigt, „Niemand muss Sorge haben. Die Kriminalität tendiert gegen Null mit Flüchtlingen“, so Dörschlag.

Integration macht nicht das Rathaus

Die Flüchtlinge, die vor dem Rathaus abgesetzt werden, führen teilweise die Gemeindemitarbeiter an ihre Grenzen. „Integration können wir vonseiten der Gemeinde momentan nicht schaffen. Wir müssen sehen, wo wir die Menschen unterbringen, ihre Personalien erfassen, ihnen ein Konto einrichten, da bleibt keine Zeit für Integration“, so Büsken.

Viele nette Menschen kennengelernt

Neu eingestellt wurde aus diesem Grund Nicole Höbing. Zweimal die Woche hat sie im Rathaus Sprechstunde. In dieser Zeit kümmert sich die Integrationshelferin um alle Fragen und Belange der Flüchtlinge. „Wie komme ich zum Arzt, wo gibt es einen Deutschkurs, wo kann ich Fußballspielen? Dies sind nur einige Fragen, neben den vielen Problemen, womit die Menschen zu mir kommen. Es ist eine interessante Arbeit und ich habe in der kurzen Zeit viele netten Menschen kennengelernt“, so Höbing. Viele Alltagsprobleme, sowie eine hohe Erwartungshaltung, von Schleppern meistens suggeriert, aufseiten der Flüchtlinge schaffe weitere Probleme.

Mehr als 200 Besucher kamen zur Informationsveranstaltung zu der aktuellen Flüchtlingslage in der Gemeinde Raesfeld in das Forum der St. Sebastianschule.

Weitere Bürger werden gesucht

Das große ehrenamtliche Engagement in der Gemeinde stellte Wolfgang Warschewski vor. Er gehört mit zum Begrüßungsteam und empfängt die Flüchtlinge, wenn sie mit „nichts“ hier ankommen. Warschewski berichtete über seine Erfahrungen angefangen vom Fahrdienst, Deutsch-Kurse bis hin zum Fahrradkeller „Es wäre schön, wenn sich noch weitere Bürger in die Arbeit einbringen würden,“ so Wolfgang Warschewski.

60 Ehrenamtliche im Einsatz

Ehrenamtliche Arbeit wird, wie Pastoralreferent Ludger Picker betonte, in der Gemeinde sehr groß geschrieben. Aktuell sind rund 60 Ehrenamtliche im Einsatz, angefangen vom Fahrradkeller, Sprachkurse, Fahrdienst und Kleiderkammer. „Wir erleben, dass wir nicht nur geben, sondern selber von den neuen Bewohnern reichlich beschenkt werden“, so Picker.

Viele Fragen, viele Antworten
Wieviel Geld bekommt ein Flüchtling? Wie können wir diese in unser Leben besser integrieren und was kann die Gemeinde noch tun? Besteht eine Schulpflicht, oder ab wann dürfen Flüchtlinge arbeiten? Dies waren nur einige Fragen aus den Reihen der Besucher. „Ich fand es heute besonders gut, dass wir alle so sachlich und ruhig über die jetzige Situation diskutieren konnten. Dennoch, Integration müssen wir alle machen, denn das macht nicht das Rathaus“, so Grotendorst am Ende der Diskussion. Momentan herrscht Chaos. Grund sei auch, dass alles, was zum Thema Flüchtlinge beschlossen werde, in den Kommunen nicht ankommt. „Wir als Gemeinde müssen das dann ausbaden“. Petra Bosse

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3 KOMMENTARE

  1. Dummes Geschwätz.
    Laut neuesten Zahlen des BKA ist die Kriminalitätsrate unter den Flüchtlingen ebenso hoch/niedrig wie unter den Eingeborenen. Wenn Straftaten geschehen und kein Täter ermittelt werden kann, dann ergibt es wenig Sinn Vermutungen anzustellen, die Vorbehalte schüren! Es sei denn Ihre Kommentare bezwecken eben diese Vorurteile erst zu schaffen.
    Dies darf die Presse nicht sagen, das soll verschwiegen werden, die Presse lügt, das Volk wird an der Nase herumgeführt,…Ich kann den Quatsch nicht mehr hören! Sie schüren mit Ihren Kommentaren dumpfe Ressentiments, die dazu führen, dass irgendwelche Irren zu Gewalt greifen wie die Steinwürfe in Borken gegen eine Flüchtlingsunterkunft.

    http://www.zeit.de/politik/deutschland/2015-11/bundeskriminalamt-fluechtlinge-deutsche-straftaten-vergleich

    Die Straftaten gegenüber Flüchtlingen sind signifikant gestiegen! Das ist die traurige Wahrheit.

  2. Wie kann die Aussage „Die Kriminalität tendiert gegen Null mit Flüchtlingen“ getätigt werden, wenn wir ständig lesen, dass für Straftaten fast nie Täter auszumachen sind? Einbrüche, Unfallflucht usw.
    Vermutlich wird das inhaltlich stimmen – aber die Aussage ist schon peinlich.
    „Wir finden keine Täter, weil wir Raesfeld einfach mal polizeilich alleine lassen – aber wir können sagen, wer die Täter nicht sind…“ IRRE – oder?

    • Selbst wenn die Kriminalität steigen würde ist es doch wohl klar dass dies keiner zugeben würde. Die Presse/Medien würden dies niemals schreiben bzw dürfen es auch gar nicht. Hier wird das Volk schon ewig an der Nase herum geführt. Aber Sie haben es richtig gesagt, die wissen nicht wer die Täter sind aber auf jeden Fall sind es keine Asylbewerber 😀

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