Ich muss jetzt noch schnell was los werden: Es kann nicht sein, dass schnelle notärtzliche Hilfe nicht mehr gewährleistet ist!
Seit dem 1. Februar 2011 soll eine Notfallzentrale mit einer 0180….Telefonnummer, Sitz in Duisburg, für eine flächendeckende Versorgung im Notfall sorgen. Das heißt: An Wochenenden, außerhalb der Sprechstunden und Feiertagen kommt nicht mehr der Hausarzt wenn es brennt, sondern die Notfallzentrale gibt diesen Notruf weiter und kümmert sich um alles weitere. Was erwartet ein betroffener Kranker, oder ein Angehöriger wenn schnelle Hilfe gefragt ist? Das ein Arzt kommt, richtig?
So geschehen gestern Abend! Meine 91jährige Mutter ist im Pflegeheim St. Martin. Bereits am Nachmittag stellten die Schwestern und ich fest, dass meine Mama Fieber hat und das Atmen ihr schwer fiel. Gegen 18 Uhr rief mich die Schwester an: Meine Mutter hatte mittlerweile fast 39 Grad Fieber. Trotz fiebersenkender Medikamente ging die Temperatur nicht runter. Ich fuhr um 19 Uhr erneut ins Pflegeheim und sah, wie meine Mutter sich quälte vor Schmerzen. Kurzerhand rief ich die Notfallzentrale an. Wie lange es dauern könnte, wusste man mir nicht zu sagen. Es verging eine halbe Stunde, eine Stunde, meiner Mutter ging es immer schlechter. Sie brauchte dringend schmerzstillende Medikamente, etwas Schleimlösendes und etwas zur Beruhigung. Ich war verzweifelt, denn eine Fahrt mit 112 ins Krankenhaus wollte ich ihr, auch auf Anraten der Schwestern, nicht zumuten. Zum Glück kam meine Freundin Judith vom Hospizdienst der Caritas vorbei und unterstützte mich. Es sah so aus, als wenn meine Mutter die Nacht nicht mehr überlebt. Insgesamt dreimal rief ich in der Zentrale an. Wollte wissen, wann denn endlich der Notarzt kommt. Hier verwies man mich auf 112, ansonsten müsste ich mich gedulden.
Nach gut zwei Stunden rief die Notfallärztin an. Sie sei auf dem Weg, wollte aber noch wissen, ob es sich zwischenzeitlich erledigt hätte. Das tat weh?
Endlich, nach gut zwei Stunden war die Ärztin da. Krankenhaus lehnte ich ab, da meine Mutter eine notarielle Verfügung hat, dass sie keine lebenserhaltende Maßnahmen möchte.
So konnte ihr die Ärztin erst einmal über die Nacht mit Infusionen und schmerzstillenden Maßnahmen helfen.
Insgesamt waren gestern Abend nur drei Notärzte für den gesamten Kreis Borken im Einsatz. Die Ärztin kam aus Gronau, musste vorher nach Vreden, danach nach Ahaus und fuhr dann den langen Weg nach Raesfeld. Und für all die Notfälle hatte sie bis 23 Uhr Zeit, denn da endete ihr Dienst.
Meiner Mutter geht es nicht viel besser. Sie lebt noch, aber sie leidet und hat Schmerzen. Wie geht es weiter? Was tut man, wenn Ärzte nicht erreichbar sind? Den Medizinern kann ich keinen Vorwurf machen, aber dem System. Ein Krankensystem, was schon lange am eigentlichen Ziel vorgeschossen hat.



























