Der Zahnarzt-Praxis Guido Meismann in Raesfeld fehlen dringend Schutzausrichtungen – Schwarzmarktpreise für Desinfektionsmittel

Raesfeld. Zahnärzte sind während der Coronakrise in großer Not und fallen komplett durch das Netz unseres Gesundheitssystems. Sie stehen bei der Behandlung ihrer Patienten an direkter Front, arbeiten am offenen Mund und sind somit besonders gefährdet, sich durch den durch Tröpfchen übertragenden Coronavirus zu infizieren.

Sie benötigen deshalb dringend Schutzausrichtigen, die aber, so Julia Meismann aus Raesfeld, derzeit nirgendwo erhältlich seien. Deshalb werden Patienten nur noch in dringenden Notfällen dort behandelt. Sie ist stinksauer, denn alle ihre Versuche, genügend Schutzmaßnahmen für die Praxis zu bekommen, seien gescheitert.

Damit steht sie aber nicht alleine. Denn auch bei der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung am Sonntag, 29.3. verweist die KV-NRW auf die Dringlichkeit einer Ausstattung mit Schutzausrüstungen für Zahnarztpraxen.

Zu Recht, denn in den bislang geschnürten Rettungspaketen der Bundesregierung werden zwar die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten benannt, allerdings sind die Zahnärztinnen und Zahnärzte nicht als Adressaten der Hilfsmaßnahmen aufgenommen worden. Sie seien völlig außen vor, sagt Anja Meismann.

Coronakrise Zahnarzt Meismann Raesfeld
Beispielfoto: Pixabay

Julia und ihr Mann Guido Meismann aus Raesfeld fühlen sich von der Politik völlig alleine gelassen. „Wir möchten den Menschen ja helfen, aber das ist angesichts der nicht vorhandenen Schutzausrichtungen, wie Schutzanzug, Desinfektionsmittel und Masken, nicht möglich“.

Praxisbetrieb auf null runtergefahren

Der komplette Praxisbetrieb sei auf das absolut notwendige Minimum zurückgefahren worden. Zum Schutz für die Patienten und Angestellten. Die professionellen Zahnreinigungen wurden zu 100 Prozent storniert.

„Natürlich habe ich große Sorgen um die Gesundheit meiner Patienten, meiner Mitarbeiter und meiner Familie“, so Meismann. Vom finanziellen Schaden gar nicht zu reden, denn die Angestellten müssen trotz der Krise weiterbezahlt werden. Und natürlich müssen die Mitbürger in Zeiten der Coronakrise weiterhin zahnmedizinisch versorgt werden. Das gehe aber nur, so Meismann, wenn alle, die in der Praxis arbeiten, auch bestens vor Ansteckungen geschützt werden.

Finanzielles Desaster

Die Praxis Guido Meismann beschäftig in Raesfeld 16 Angestellte, die, bis auf einige Ausnahmen, wegen der nicht vorhandenen Schutzmaßnahmen nicht ihrer Arbeit nachgehen können. Darüber hinaus können viele Sachen aus dem Tagesgeschäft nicht nachgeholt werden. Verbunden damit sei, so Meismann besorgt, nicht nur ein finanzielles Desaster der Zahnärztinnen und Zahnärzte, sondern in ganz großem Maße auch aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Coronakrise Zahnarzt Meismann Raesfeld
Zahnärzt sind besonders gefährdet, sich mit dem Virus zu infizieren. Beispielfoto: Pixabay

„Wir wollen ja behandeln, aber dafür muss auch Nachschub vorhanden sein, für alle, die quasi wie wir im Schützengraben kämpfen“. Außerdem habe sie überhaupt kein Verständnis dafür, dass es Menschen gibt, die solch elementar für das Gesundheitssystem wichtigen Dinge zuhause horten.

Masken aus dem Baumarkt

Den Praxisbetrieb hat Guido Meismann auf das absolut notwendige Minimum heruntergefahren, obwohl sie bereits früh vor der großen Ausbreitung der Coronakrise versucht haben, Desinfektionsmittel und Masken zu bekommen. Leider ohne großen Erfolg. Zwar habe die Praxis noch Mundschutz auf Lager, diese seien aber nur ein normaler Mundschutz und reichen, beispielsweise für eine Zahnreinigung, nicht aus. „Wir konnten uns noch einige Masken aus einem Baumarkt besorgen, aber diese sind natürlich überhaupt nicht so sicher, so wie die Mund-Nasen-Schutzmasken“, erzählt sie.

Wucherpreis für Desinfektionsmittel

Ebenso mau sehe es mit Desinfektionsmittel aus. „Wir warten bereits seit vier Wochen auf eine Lieferung, die nicht kommt. Unser Vorrat geht jetzt so langsam zu Ende“. Der Markt hier sei wie leergefegt. Und wenn es noch etwas gibt, dann nur zu Schwarzmarktpreisen. „Wir haben einen Händler in Bocholt gefunden, der noch Desinfektionsmittel auf Lager hatte. Dafür verlangte er aber für einen halben Liter mehr als das Dreifache, statt früher 4,40 Euro heute 17 Euro“, fügt Anja Meismann verärgert hinzu. Dabei seien gerade Desinfektionsmittel in Arztpraxen unverzichtbar.

Petra Bosse

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