Weniger Gäste, anderes Gästeverhalten, Rauchverbot und privates Vorglühen 

Kneipe ist nicht mehr das war sie einmal war, findet Ewald Marper von der Dorfschänke in Raesfeld

„Früher musste ich mit drei Mann hier malochen, heute darf ich mich über jeden Gast freuen“, sagt Ewald Marpert. Seit 30 Jahren ist der Raesfelder Wirt.

Mit seinen fast 80 Jahren steht er auch heute noch wie eine Brandung hinter seiner Theke in der Raesfelder Dorfkneipe. Sein Erfolgsrezept lautet: Immer locker und ehrlich sein, die Gäste müssen vertrauen haben und man selber ein dickes Fell, erklärt der Wirt.

Gästeverhalten

Bevor er die Dorfschenke 1992 übernahm, war er zwölf Jahre Pächter des Gasthofes Nießing, nur ein paar Häuser weiter auf der Weseler Straße. In all den Jahren habe sich allerdings das Gästeverhalten gravierend verändert, findet der passionierte Wirt.


„Heute kommt die Jugend fast nur noch am Wochenende und dann nicht vor 24 Uhr. Vor einigen Jahren noch saßen die Gäste bereits am Nachmittag hier. Und heute?“, fragt der Wirt und schaut in die Runde. Es ist 18 Uhr und gerade mal sechs Männer sitzen an diesem Dienstagabend an der Theke und trinken ein Bierchen. Völlig normal sei das, so Marpert. Nur wenige Gäste würden noch in der Woche den Weg in die Kneipe finden. Schuld daran seien nicht nur das Konsumverhalten der Jugendlichen, sondern auch die hohen Getränkepreise und die vielen privaten Feten. „Die Geschäfte haben bis 22 Uhr geöffnet.

Trotz seiner fast 80 Jahre steht Ewald Marpert immer noch gerne hinter der Theke seiner Dorfkneipe

Betreten auf eigene Verantwortung

Da werden die Pakete zum Vorglühen billig eingekauft. Anschließend geht es ab in die Disco“, erzählt der Gastwirt mit Herz. Nicht nur das, auch das Rauchverbot habe sich negativ auf die Anzahl der Gäste niedergeschlagen. „Wir haben in Deutschland eine Demokratie, aber die Hannelore Kraft hat daraus eine Diktatur gemacht“, schimpft Marpert.

Er plädiert für ein Schild an jeder Kneipentür mit dem Hinweis: Betreten auf eigene Verantwortung. „Wir sind eine Handwerkerkneipe und kein Hotel. Jeder Mensch sollte selber entscheiden dürfen, ob er eine Raucherkneipe besucht, oder nicht“, sagt Marpert augenzwinkernd.

Andere Jugend

Vorbei sei auch die Zeit, wo an der Theke noch viel geknobelt wurde, oder das jährliche Sparfest, was immer mehr „ausläuft“. Auch hätten die Gäste früher viel mehr getanzt. „Es ist eine ganz andere Jugend – sie ist nicht schlechter oder besser als früher, aber heute steht einer rechts, der andere links in der Ecke“, resümiert der Wirt ohne Groll. Dennoch habe er seine Laune nicht verloren und gehe auch nicht zum Lachen in „den Keller“. Gerne plaudert er aus alten Zeiten, wo noch so richtig „Party“ gemacht wurde, zum Beispiel mit seinem prominentesten Gast Oliver Pocher.

Wie lange er selber noch hinter der Theke stehen wird, erklärt er so: „Ich schaue mir jeden Tag die Todesanzeigen in der Zeitung an. Solange ich nicht selber drin stehe, mache ich weiter. Allerdings muss auch die Gesundheit mitspielen“. Petra Bosse

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