Schloss Raesfeld im Münsterland zählt zu den bekanntesten Wasserschlössern der Region. Seine Geschichte reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück, als hier eine Ritterburg stand. Heute zieht das Renaissancebauwerk Besucher aus ganz Deutschland an und ist Sitz der renommierten Akademie des Handwerks.
Wer durch den Bürgerpark spaziert oder am Wassergraben des Schlosses steht, hat sich diese Frage vielleicht schon gestellt: Wem gehört eigentlich das Schloss Raesfeld? Die Antwort sorgt immer wieder für Überraschung.

Im Dezember 2021 machte Bürgermeister Martin Tesing gemeinsam mit dem Ersten Beigeordneten Markus Büsken die Sache offiziell: Die Gemeinde Raesfeld hatte das Schloss gekauft. Für viele kam diese Nachricht unerwartet, und für die Presse war sie Anlass genug, ins Rathaus zu kommen. Der Kauf umfasste das Hauptschloss, die Parkplätze, die Flächen bis zum Weinbergteich sowie den angrenzenden Wald und das Gelände des Naturparkhauses.

Vom Mittelalter zur Akademie des Handwerks
Die Wurzeln der Schlossanlage reichen bis ins 12. Jahrhundert zurück, als hier eine Ritterburg der Herren von Raesfeld stand. Ende des 16. Jahrhunderts ging sie in den Besitz derer von Velen über. Reichsgraf Alexander II. von Velen ließ Mitte des 17. Jahrhunderts aus der Burg ein prächtiges Residenzschloss im Stil der Renaissance entstehen.

Doch der Glanz hielt nicht ewig. Als das Geschlecht derer von Velen im 18. Jahrhundert ausstarb, wurde das Schloss nur noch selten bewohnt und verfiel zusehends. Teile der Anlage wurden abgerissen, andere als landwirtschaftlicher Gutshof genutzt. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg kam neuer Schwung in die Geschichte: Die Handwerkskammern Nordrhein-Westfalens übernahmen das Schloss, restaurierten es und richteten 1952 die Akademie des Handwerks ein, bis heute eine in Deutschland einmalige Weiterbildungseinrichtung.

Der Kauf – ein Meilenstein für die Gemeinde
Lange hatte die Gemeindeverwaltung mit der Akademie des Handwerks über den Kauf verhandelt. 2021 stimmte der Rat schließlich einstimmig zu. Mit dem Erwerb sicherte sich Raesfeld nicht nur die Zukunft des Schlosses, sondern auch den beliebten Bürgerpark und den Wohnmobilstellplatz.
Die Akademie bleibt fester Bestandteil des Ortes. Künftig sollen ihre Büroräume in die Vorburg ziehen, während im Schloss neue Übernachtungsmöglichkeiten für Kursteilnehmende entstehen.

Für Hans Hund, Präsident der Handwerkskammer Münster, war der Verkauf seinerzeit eine historische Entscheidung. Er betonte, dass Raesfeld und seine Akademie seit rund 70 Jahren eng mit dem Handwerk verbunden seien. „Mit dem Verkauf sorgen wir dafür, dass Raesfeld auch weiterhin für das Handwerk ein wichtiger Standort bleibt“, sagte er. Langfristige Verträge zwischen Gemeinde und Akademie garantieren die Zusammenarbeit.

Heute – lebendiges Ausflugsziel für alle
Heute ist das Schloss weit mehr als ein Ort für das Handwerk. Der Bürgerpark lädt Einheimische und Gäste zu Spaziergängen ein, der Wohnmobilstellplatz lockt Reisende, und das Wasserschloss zieht Besucher aus Nah und Fern an. Ob als Ausflugsziel, Fotomotiv oder Kulisse für Veranstaltungen, Schloss Raesfeld hat sich vom Rittergut zu einem lebendigen Mittelpunkt der Gemeinde entwickelt.




























