Von Jetlag zu Hotlegs -Vancouver downtown

[singlepic id=7177 w=320 h=240 float=left] Wer Vancouver von allen Seiten kennen und erleben möchte, sollte sich die Mühe machen und auf Schusters Rappen die multikulturelle  Stadt unterhalb der Rocky Mountains durchqueren. Gemeinsam mit meiner Schwester, sie ist vor 43 Jahren nach Kanada ausgewandert, machten wir uns zu einem „Stadtbummel“ auf. Erst mit dem Bus und dann mit dem Seabus. Bummel ist milde ausgedrückt, aber wer einmal downtown ist entdeckt hinter jeder Straßenkreuzung ein neues Highlight. Vor lauter „AH´s“ fing ich schon fast an zu hyperventilieren und bekam dauernd Schnappatmungen. Während ich mit Entzückung die Abgase der vielen großen und benzinspeienden PKW´s wie das Parfum von Chanell in mich hineinsog, stampfte meine Schwester „not very amust“hinter mir her. Beide Finger tief in die Ohren gestopft und ständig vor sich hinmurmelnd: „Mein Gott ist das  laut hier. Was für ein Lärm“. Ich fand es einfach nur alles „großartig“.[spoiler] Viele skurrile Typen, aber auch Menschen unterschiedlichster Nationen tummelten sich in den Straßen. Geprägt wird das Bild der multikulturellen Stadt  von Asiaten, Afghanen, Perser, Inder und hauptsächlich Chinesen. Während die reichen Perser ganze Straßenzüge aufgekauft haben, sind viele Bewohner in Vancouver genervt  von der neuen „Chinesischen–Taxi-Mafia“. Fast könnte man sagen: Alles in einer Hand. Eine vor 45 Jahren ausgewanderte Sauerländerin drückte es pragmatisch deutlich aus.  „Die Weißen sind hier mittlerweile in der Minderheit“. Und natürlich gibt es auch noch die Indianer, welche in und um Vancouver leben. Vereinzelt sieht man die „Ureinwohner“ auf den Bürgersteigen sitzen und traditionelle Schnitzereien anfertigen. Diese werden dann für kleines Geld an die Touristen verkauft.
Und dann gibt es noch etwas Außergewöhnliches: Die Freundlichkeit der Menschen in der Stadt. Bei auch nur dem kleinsten Vorfall hört man gleich ein „Sorry“. Ob bei leichtem Anrempeln, beim Vorfahrtnehmen unter Fußgängern auf dem Bürgersteig, und selbst auch dann,  wenn sie einem die Sicht im Geschäft zu einem Regal verstellen. Sie entschuldigen sich einfach für alles. Und mit etwas Unbehagen spürte ich diese Freundlichkeit am eigenem Körper. Im vollen Bus nämlich bot mir ein Herr seinem Sitzplatz an. Es schlich sich bei mir die Frage ein: Bin ich denn schon so alt? Aber auch das ist hier normal.
Trotz angenehmer Temperaturen und spezieller Geleinlagen in meinen Geox-Schuhen qualmten mir dann doch nach 9 Stunden Asphaltwalking gehörig die Füße. Zu Hause in West-Vancouver angekommen hatte ich dann noch für kurze Zeit eine kleine gedankliche Irritation. Ich dachte nämlich plötzlich im Tiergarten in Berlin zu sein. In diesem Fall waren es nicht Türken, sondern chinesische Großfamilien, die ihren kompletten Hausstand an den Strand gehievt hatten und Grillpartys veranstalteten. Knusprige Hühnerkrallen und Chickenwings lagen auf der Grillkohle und ein Geruch von süß-sauer schwebte durch die  Luft  am Strand. Das alles gepaart mit lautem chinesischen Geschnatter, so laut,  sodass selbst die  schreienden Strandmöwen sich hier  kein Gehör verschaffen konnten, ließen mich für kurze Zeit meine müden Füße vergessen.
Endlich zu Hause konnte ich mich nur noch auf mein Bett werfen. Für meine nächste Expedition durch Vancouver habe ich aber schon entsprechende Maßnahmen ergriffen. Ich habe mir ein Tagesticket für den Bus gekauft. So werde ich mit Bus, Bahn und Seabus weiter auf sight seeing-tour gehen. Und eins weiß ich ganz genau: Ohne meine gehörgeschädigte Schwester, denn sie bewegt sich lieber zwischen den kleinen am Strand liegenden Biogärten und prüft dort die Komposthaufen.[/spoiler] [nggallery id=252]