Die UWG-Fraktion Raesfeld-Erle e.V. wird dem Haushaltsplanentwurf 2026 zustimmen. Fraktionsvorsitzender Volker van Wasen verbindet das Ja zum Etat mit klaren Forderungen nach mehr Transparenz, echter Bürgerbeteiligung und strenger Priorisierung, damit Raesfeld schuldenfrei bleibt.
Aufbruch nach Wahljahr und neuem Bürgermeister
Volker van Wasen beschreibt 2025 als Jahr des Aufbruchs. Viele Ratsmitglieder seien neu gewählt worden, zudem habe Bürgermeister Dirk Kuhmann sein Amt angetreten. Die UWG hofft auf ein neues Miteinander im Rat. Van Wasen verwies auch auf die Wahlbeteiligung von fast 67 Prozent und sieht darin ein Zeichen für das Interesse der Menschen in Raesfeld, Erle und Homer.
Dem Bürgermeister sicherte die UWG Unterstützung zu, betonte aber ihre Unabhängigkeit. „Wir bieten allen Fraktionen die Hand zur Zusammenarbeit“, erklärte van Wasen. Offen angesprochene Missstände seien dabei Teil ihrer Rolle.
Zahlen und Fakten zum Haushalt 2026
Die UWG ordnet den Haushalt 2026 als strukturell angespannt ein.
- Einnahmen: rund 29,25 Millionen Euro
- Ausgaben: rund 31,14 Millionen Euro
- Defizit im Ergebnisplan: rund 1,9 Millionen Euro
- Ausgleichsrücklage: rund 19,64 Millionen Euro
- Liquidität: Rückgang 2026 um etwa 1,85 Millionen Euro, 2027 könnten die Mittel nahezu aufgebraucht sein
- Kreditrahmen: erstmals 2 Millionen Euro als Liquiditätspuffer vorgesehen
- Hebesätze stabil: Grundsteuer A 401 Prozent, Grundsteuer B 600 Prozent, Gewerbesteuer 416 Prozent
Sorgen bereiten der UWG die steigenden Transferaufwendungen. Die Kreis- und Jugendamtsumlage erhöhe sich um rund 925.000 Euro. Insgesamt würden Transferaufwendungen 43,85 Prozent der Gesamtaufwendungen ausmachen, das entspreche etwa 13,65 Millionen Euro. Zudem steigen die Sach- und Dienstleistungskosten um rund 657.000 Euro beziehungsweise 9 Prozent, insbesondere durch Energie- und Instandhaltung.
Das geplante Investitionsvolumen liegt bei über 8,1 Millionen Euro, unter anderem für die Erweiterung der Kläranlage und Infrastruktur.
Ausgabendisziplin und Prioritäten
Van Wasen warnt davor, finanzielle Spielräume zu großzügig zu bewerten. „Disziplin bei den Ausgaben ist keine Pedanterie, sie ist Pflicht“, sagte er. Nicht jedes wünschenswerte Projekt gehöre sofort in den Haushalt.
Als Beispiele nennt die UWG:
- Brücke „Am Burgesch“ mit veranschlagten 325.000 Euro. Die UWG wollte die Maßnahme vertagen und günstigere Varianten prüfen lassen, fand damit aber keine Mehrheit.
- Investition „Am Bürgerpark“: Im Entwurf stehen 175.000 Euro für eine Fläche, zu der es viele Wünsche gebe. Van Wasen fordert, erst zu klären, was finanziell wirklich tragbar sei.
- Beleuchtung am Schäpersweg: Aus Sicht der UWG sollte Sicherheit Vorrang haben, bevor weitere Wünsche umgesetzt werden.
Transparenz und Beteiligung bei Dorfentwicklung
Die UWG kritisiert die bisherige Informationspolitik bei Bauabschnitten der Dorfgestaltung. Eine öffentliche Vorstellung reiche nicht aus, wenn betroffene Anwohner anschließend nicht frühzeitig und direkt eingebunden würden. Van Wasen sieht hier beim neuen Bürgermeister die Chance für einen anderen Stil, offener und transparenter.
Kirchplatz, Bäume und Klimaschutz
Beim Kirchplatzprojekt spricht die UWG sich deutlich für den Erhalt alter Bäume aus. Van Wasen kritisiert geplante Fällungen zur Schaffung von Sichtachsen und stellt fest: „Geschmack ist subjektiv, Klimaschutz dagegen messbar.“ Alte Bäume seien ein zentraler Beitrag zu Aufenthaltsqualität und Mikroklima. Der Rat solle genau prüfen, welche Bäume wirklich weichen müssen und welche bleiben können.
Bürgerideenwettbewerb und Bürgerbudget
Ein weiteres Anliegen ist der Antrag der UWG auf einen Bürgerideenwettbewerb. Van Wasen nennt als Orientierung ein Bürgerbudget von etwa 1 bis 2 Euro pro Einwohner jährlich. Andere Kommunen machten damit gute Erfahrungen, weil Beteiligung sichtbarer werde und Akzeptanz für Veränderungen steige.
Zustimmung zum Haushalt 2026
Trotz Defizit und absehbar sinkender Liquidität bleibt die UWG verhalten optimistisch. Neue Wohngebiete, Gewerbeflächen und Einnahmen aus Windenergie könnten mittelfristig die Steuereinnahmen erhöhen. Zugleich warnt van Wasen vor einer schleichenden Aufweichung der Ausgabendisziplin.
Am Ende stellt er klar: „Die UWG Raesfeld-Erle wird dem Haushaltsplanentwurf für 2026 zustimmen.“ Die Schuldenfreiheit solle dabei ein hohes Gut bleiben. Kredite dürften, wenn überhaupt, nur für Vorhaben in Betracht kommen, die die Lebensqualität dauerhaft verbessern.
Es gilt das gesprochene Wort. Die Rede wurde redaktionell zusammengefasst.
Die vollständige Haushaltsrede steht als PDF zum Download zur Verfügung.



























