
Schermbeck (hs). Das Geweih eines Rothirsches, eines ungeraden 18-Enders, der am 2. November von einem Altschermbecker Jäger im Dämmerwald erlegt wurde, stand am Sonntag vor dem Altar der Ludgeruskirche. Drei präparierte Füchse lagen nebenan im bunten Herbstlaub, und vor dem Ambo blickte keck ein Dachs in die Runde.
Zur Erinnerung an den heiligen Hubertus von Lüttich, der als passionierter Jäger zum Heger und Pfleger der Tiere wurde, weil er in ihnen Geschöpfe göttlichen Ursprungs erkannte, gestalteten die Uefter Jagdhornbläser einen musikalisch untermalten Gottesdienst. Bereits am Vorabend hatten Jäger und Instrumentalisten dem Chorraum der Kirche ein Aussehen verliehen, wie es für einen Grenzraum zwischen Wald und Feld üblich ist.
In diese Landschaft kam zu Beginn des Gottesdienstes zusätzliches Leben. An der Treppe zum hinteren Altarraum standen zwei Hundeführer mit ihren Hunden. Bisweilen sprangen die Hunde aufgeregt auf oder zerrten an den Leinen, als die von Hubert Harde geleiteten Uefter Jagdhornbläser das Begrüßungssignal ertönen ließen.
Pastor Klaus Honermann erinnerte an die Legende von der Begegnung des heiligern Hubertus mit dem Hirschen, der ein Kreuz im Geweih trug. „Somit ist er auch der Patron der Jäger“, stellte Honermann fest. Die Legende selbst sei erst Jahrhunderte nach dem Tod des Hubertus entstanden. Historisch belegt sei, dass in der waldigen Bergregion der Ardennen im Umfeld des Klosters, in dem Hubertus gelebt habe, viele Menschen, vor allem Jäger, durch Tollwut angesteckt worden seien. Diesen Menschen habe man im Kloster unter Anrufung des Heiligen ein Kreuz auf die Stirn gebrannt, um sie zu heilen.
Für heutige Jäger, so Honermann, biete das Symbol des Kreuzes im Geweih die Aussage: „Ich will für die Bewahrung der Schöpfung sorgen. Ich will bewusst mit der Versuchung des Menschen zur Lust am Töten umgehen, der Grundversuchung der Macht. Ich will Tiere nicht einfach wegen der Trophäe erlegen. Und ich will auch sonst als Christ im Alltag leben und erfahren, dass wir erlöste Menschen sind, für die Christus sein Leben gab.“
Zum musikalischen Programm der im Altarraum stehenden Jagdhornbläser gehörten nicht nur die traditionellen Jagdsignale, sondern auch konzertante Beiträge wie Weidls „Alpenecho“ zum Gloria, Fialas „Offertorium“ zur Gabenbereitung, Sollteiners „Sanctus“ und Stiefs „Waldchoral“ zum „Agnus Dei“. Zur Kommunion erklangen Johann Haydens „Waldmärchen“, der „Oppoldinger Treibermarsch“ von Michael Welsch und die
„Brodingberger Jagdfanfare“ von Haas. Nach dem Schlusssegen und dem gemeinsam gesungenen „Nun danket all“ blieben die Gottesdienstteilnehmer noch eine Zeitlang als Zuhörer in der Kirche. Mit dem „Großen Halali“, dem „Slavnostni Halali“ und dem „Traisenthaler Jägermarsch“ ließen die Jagdhornbläser die Hubertusmesse ausklingen.
Text und Foto: H. Sch.



























