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Trauer und Totengedenken früher und heute

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Der November ist mit Allerheiligen, Allerseelen, dem Volkstrauertag, Totensonntag und dem Buß- und Bettag der Monat des Totengedenkens. Dem Thema Trauer hat man sich im Münsterland früher noch anders genähert, sagen Volkskundler.

Den Auftakt bildet in der Nacht zum 1. November Halloween. Seit einigen Jahren ziehen auch in Westfalen die Kinder als Geister, Hexen und Dämonen abends durch die Straßen und fordern „Süßes oder Saures“. Die Älteren vergnügen sich als Henker, Skelett oder Teufel verkleidet auf schauerlichen Events bei gruseliger Spinnen-Deko mit Monsteraugen aus Schokolade, Haribo-Vampiren oder der obligatorischen Kürbissuppe. Halloween verdrängt dabei mehr und mehr die anderen, christlich geprägten Feste wie Allerheiligen, Allerseelen oder den Totensonntag, beobachten Volkskundler wie Katrin Bauer. Sie arbeitet auch zum Thema Trauer bei der Volkskundlichen Kommission für Westfalen beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL).

Gräber schmücken und Friedhof besuchen

Gerade Allerseelen war lange Zeit ein wichtiger katholischer Feiertag, der für viele Gläubige eine tiefe Bedeutung hatte. Auch wenn in Westfalen, anders als in Süddeutschland, kaum ausgeprägte Brauchformen zu beobachten sind, so gehörte es zu diesem Tag unbedingt dazu, die Gräber zu schmücken sowie auf den Friedhöfen Kerzen und Lampen aufzustellen. Vor allem der gemeinsame Spaziergang über den Friedhof und der Besuch der Gräber hatten dabei einen kommunikativen Aspekt und förderten das Gemeinschaftsleben. Meistens fand das bereits am Tag vor Allerseelen statt, denn dieser Tag ist mit Allerheiligen ein Feiertag.

Trauer Totengedenken
Verkaufsstand für Grableuchten an Allerseelen. Zentralfriedhof Münster 1959. Foto: V.K. Schmitz

Tod war früher enger mit dem Leben verbunden

„Der Tod war früher überhaupt viel enger mit dem Leben verbunden als heute“, so die Volkskundlerin Bauer. „Durch Seuchen, Kriege, niedrigere Lebenserwartung und hohe Kindersterblichkeit waren die Menschen früher viel direkter mit dem Sterben konfrontiert.“ Während man heute meistens im Krankenhaus oder in Pflegeheimen stirbt, blieb man früher meistens daheim.

„Zahlreiche Rituale wie das Schließen der Fensterläden, das Schlagen der Totenglocke, die Totenwache oder auch das System der Nachbarschaftspflichten sind auch in Westfalen bekannt und belegen das starke Bedürfnis, den alltäglichen Umgang mit dem Tod durch Rituale zu kanalisieren: Die Bräuche halfen den Angehörigen, emotional das Geschehen zu verarbeiten und boten gleichzeitig ganz praktische Hilfestellungen, wenn zum Beispiel Nachbarn den Sarg trugen oder beim Kochen des Totenmahls halfen“, erklärt Bauer.

Sehnsucht nach Fröhlichkeit statt Trauer

Der Rückzug von Allerseelen und Allerheiligen kann neben einer allgemein zu beobachtenden Entkirchlichung der Gesellschaft auch mit der Tabuisierung des Todes erklärt werden. „Viele Menschen sehnen sich heute nach fröhlichen Gemeinschaftserlebnissen mit Eventcharakter und eben nicht nach einer Konfrontation mit dem eigenen Sterben. Und da passt der grauenvoll-lustvolle Umgang mit dem Jenseits an Halloween einfach besser“, so die Kulturwissenschaftlerin.

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