Für reichlich Zündstoff im Bau- und Umweltausschuss sorgte am Montag der Antrag der SPD-Fraktion auf Ausstattung der Klassenräume mit Raumluftfilter.

Wenn es um das Wohl von Kindern in der Gemeinde geht, dann spielt Geld für die SPD-Fraktion keine Rolle. Sie möchte unbedingt Raumluftfilter in allen Klassenräumen. Nur welche Filteranlagen sie privilegieren, dass kam bei der Bau- und Umweltausschusssitzung am Montag während der Diskussion nicht so klar rüber.

Wie schon bereits berichtet, fordert die SPD-Fraktion Raumluftfilter für alle Klassenzimmer in der Gemeinde. Mit ihrem Antrag stehen jedoch die Genossen nicht alleine da, denn auch die FDP-Fraktion hatte im März einen etwas gleichlautenden Antrag gestellt. Dieser wurde abgelehnt und stattdessen wurden für die Raesfelder Schulen CO2-Messgeräte erworben, die sich nach Rücksprache laut Kämmerer Markus Büsken mit der Schulleitung, sehr gut bewährt haben.

Nun steigen die Inzidenzwerte erneut, die kalten Tage stehen vor der Tür und Helmut Hellenkamp (SPD) ist der Meinung, dass nun endlich einmal für die Kinder Geld in die Hand genommen werde müsse, um diese bei einer vierten Welle zu schützen. Und aber auch das Gefühl haben zu können, „wir haben das Bestmöglichste für unsere Kinder getan“.

Dieser Satz alleine schon stieß auf großen Protest bei André Olbing (CDU). Ebenso die Aussage von Hellenkamp, dass die Verwaltung das Wohl der Kinder nicht im Auge habe. „Das ist hier schon harter Wahlkampf, wenn hier gefragt wird, was sind uns unsere überhaupt Kinder wert?“.

Drei unterschiedliche Systeme

Fakt ist, es gibt drei unterschiedliche Luftfilteranlagen. Um welche es der SPD im Einzelnen ging, konnte Hellenkamp nicht genau spezifizieren. Für ihn waren es einfach die „Dinger“, die nun dringend angeschafft werden müssen, zumal sie auch vom Land gefördert werden. Welche Dinger der drei Alternativen Hellenkamp genau meine, wollte Bürgermeister Martin Tesing wissen und hakte nach.

Büsken klärte auf und führte die drei unterschiedlichen Systeme auf, damit jedem klar war, worüber überhaupt gesprochen wurde.

Da gibt es zu einem die mobilen Luftreinigungsgeräte. Diese könnten in schlecht belüfteten Räumen gefördert werden. Tatsache jedoch ist, dass es in Raesfeld nur höchstens drei Räume davon in der OGS in der St. Sebastianschule gibt. Hier wurde einstimmig beschlossen, diese mit mobilen Luftfiltern auszustatten.

Abluftventilatoren an Fenster

Dann stellte Büsken eine zweite Variante, die Abluftventilatoren an Fenstern, vor. Der Vorteil sei, dass hier ein gewisser Luftaustausch nach draußen stattfindet. Allerdings werden diese nicht gefördert und die Kosten belaufen sich für 45 Räume auf rund 81.000 Euro. Der Nachteil der Anlagen sei die ständige Zugluft und die damit verbundene Kälte. Hier habe sich die Schule, die Lehrer und auch die Eltern laut Tesing einstimmig dagegen ausgesprochen. „Dabei herrschte eine große Einigkeit“.

Last not least gibt es eine dritte Variante: die raumlufttechnischen Anlagen mit der Größe eines Kühlschranks. Die RLT-Anlagen eignen sich besonders in Bereichen, in denen viele Menschen zusammenkommen. Die Anlagen sorgen durch Luftaustausch nicht nur für frische Luft, sondern auch für eine thermische Luftbehandlung in Räumen und Gebäuden.

Halbe Million Euro und lange Vorlaufzeit

Um hier alle Klassenräume damit auszustatten brauche es laut Bernd Roters eine Vorlaufzeit von einem halben bis dreiviertel Jahr, da rund 25 Löcher gebohrt werden müssen. Zwei Löcher pro Einheit für das Einblasen der Luft von oben und das Abblasen nach unten. Der Aufwand, von den Kosten in Höhe rund 540.000 Euro ganz zu schweigen, sei enorm groß. Nicht nur, dass so eine Anlage pro Raum rund 12.000 Euro kostet, sondern es müssten Kernbohrungen in die Außenwände gemacht werden, wofür am Ende eine Baugenehmigung und ein neues Brandschutzkonzept erforderlich werde, erklärte Bernd Roters, Leiter des Bauamtes.

Hohe Lärmbelästigung

Darüber hinaus sei die Lärmbelästigung durch die Anlage enorm hoch, und neue Studien gebe es derzeit über die Wirksamkeit solcher Anlagen auch noch nicht. Hierbei jedoch appellierte Hellenkamp erneut, dass an die Kleinsten der Gemeinde gedacht werden müsse, die noch nicht geimpft seien. „Außerdem können die Geräte auch nach Corona genutzt werden“, schlug Hellenkamp vor. Für Martin Tesing sei dies „Pseudoaktionismus“, da es hier keinerlei Studien auf eine Wirksamkeit gebe. Außerdem frage er sich, „woher kommt denn das Geld von einer halben Million Euro?“.

Nun wird die Verwaltung ein Konzept für die stationären raumlufttechnische Anlagen in Schulen erstellen und beauftragt, das Konzept der Politik vorzulegen.

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