
Beim Durchforsten der vielen alten Zeitungsartikel kommen bei Waltraud Buning alte Erinnerungen hoch.
Kein Wunder, denn 25 Jahre lang leitete die Erlerin den Silvesterschulchor und später auch den Teenie-Chor. Jetzt nahm Waltraud Buning Abschied, was so viel bedeutet: Mit ihrem Weggang gibt es auch keinen Kinderchor mehr in Erle.
Anfänglich noch ehrenamtlich tätig, war dann später ihr Arbeitgeber die Kirchengemeinde. „Sie war immer mit viel Leidenschaft und Fantasie dabei. Mit einem enormen Zeiteinsatz hatte sie interessierten Kindern Lieder, Tänze und kleine Spielstücke und Instrumentenbegleitungen beigebracht“, erinnert Schulleiterin Ilona Schmidt, die ihr zum Abschluss mit Vertreterinnen des Lehrerrats einen Blumenstrauß überreichte.
Erle ohne Kinderchor? „Ja, es ging nicht mehr anders. Anfänglich hatten wir immer über 40 Mädchen und Jungen. Durch den Wandel der Zeit hat sich die Situation sehr verändert“, so Buning, die für den Rückgang auch die Skandale in, und um die Kirche mitverantwortlich macht. „Nicht nur die Kirche kämpft heute um ihre Christen. Auch hier in Erle haben viele Eltern Abstand von der Kirche genommen, und somit auch ihre Kinder nicht mehr zu Probe geschickt“, resümiert Buning. Aber auch die neue Schulform und die Übermittagsbetreung gehörten zu dem Wandel und Teilnehmerschwund mit dazu. Eine wichtige Rolle spielten auch die Eltern. „Ohne sie war es schwer, die Kinder bei der Stange zu halten“, setzt Buning hinzu, die sich heute noch darüber aufregt, dass es Eltern gab, die auch ihre Kinder Sonntags an der Kirche vor dem Auftritt nur absetzten. „Die einzige Frage war dann, wann sie kann ich sie wieder abholen“, setzt Buning hinzu, die es bedauerlich fand, dass selbst die Eltern nicht mehr dem Chorgesang ihrer Kinder zuhören wollten.

Ein weiteres Hindernis bestand auch darin, dass manche in der Schule einstudierten Stücke in der Kirche aufgeführt werden sollten. „Aber die Kinder stellen sich doch gerne dar! Sie mögen solche Auftritte doch“, meint auch heute noch die ehemalige Chorleiterin.
Dabei waren die Beiträge der Chorkinder stets eine Bereicherung, auch bei den schulinternen Feiern. Leider aber ging mit dem allgemeinen Kinderschwund an der Silvesterschule auch die Zahl der Chorkinder zurück. Im letzten Schulhalbjahr waren es nur noch sieben Mädchen, die sich dafür meldeten. „Ich habe es unheimlich gerne gemacht, und natürlich wird mir etwas fehlen. Aber letztendlich halte ich den Stress nicht mehr aus, den Kindern immer hinterher zu laufen“, verriet Waltraud Buning gegenüber der Zeitung.
Einige Kinder hätten aber gerne noch weitergemacht. Wie Jona. „Das ist richtig schade, dass Frau Buning geht und wir jetzt am Mittwoch nicht mehr singen können“.
Auch ich als Schulleiterin bedauere das Ende des Schulchors. „Es ist schade, wenn eine schöne Tradition aufgegeben werden muss. Frau Buning war eine wichtige Nahtstelle zu Aktivitäten im Dorf wie zum Beispiel das Erntedankfest, an dem sie mit den Silvester-Kindern teilnahm. Natürlich ist es aber nachzuvollziehen, dass unter den gegebenen Umständen ihre Tätigkeit nicht mehr befriedigend war“, so Ilona Schmidt.



























